Pflegemutter ließ Mäderl fast verhungern. Unvorstellbare Qualen erlitt ein Pflegekind im Raum Amstetten. Fünf Jahre lang bekam das Mäderl nichts zu Essen und Trinken. Jetzt musste sich die Pflegemutter vor dem Landesgericht St. Pölten verantworten.

Von Tanja Horaczek-Gasnarek. Erstellt am 30. Juli 2020 (12:47)
Mäderl fast verhungert: Hinter diesen Türen ist der Fall verhandelt worden.
Tanja Horaczek-Gasnarek

Nur mehr 13 Kilo wog das Volksschulkind, als sein trauriges Schicksal bekannt wurde. Anfang 2013 kam das Kind zu einer Pflegemutter. Doch von mütterlicher Liebe war hier keine Spur. Das kleine Mäderl - mittlerweile neun Jahre alt - wurde gequält, mit Handschellen ans Bett gefesselt und zu allem Überfluss gab es Essensentzug. "Dies ging soweit, dass das Mädchen ihren Mitschülern die Jause wegnahm", berichtete der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Weiters hat sie vor lauter Durst aus dreckigen Wasserlacken getrunken. Das Mädchen soll auch nicht geduscht, gekämmt oder mit frischer Kleidung versorgt worden sein. 

Schon im Kindergarten war der gesundheitliche Zustand des Kindes auffällig. Doch sobald jemand die Pflegemutter darauf ansprach, wechselte sie die Einrichtung. 

Als die Mutter mit den Vorwürfen konfrontiert wurde, sagte sie nur: "Ich weiß nicht, warum mir so etwas vorgeworfen wird. Ich habe alles gemacht - war auch bei Ärzten." Die Akte beim Jugendamt ist extrem dick. Doch zu einer Kindesabnahme und einer Einlieferung ins Spital ist es erst gekommen, als eine engagierte Volksschullehrerin beharrlich auf die miserablen Zustände aufmerksam machte. Nach fünf Jahren durfte das Kind ihre tyrannische Pflegemutter verlassen.

"Das Kind war zum Sterben verurteilt", setzte der Gutachter nach. Es war extrem untergewichtig und zu klein für sein Alter. Der Gutachter betonte, dass dies nur von einer ständigen Vernachlässigung kommen kann. Der Richter - selbst geschockt von dem Bericht des Gutachters - vertagte den Prozess, da zu viele Fragen noch offen blieben.

Positiv: Dem Mäderl geht es jetzt besser. Es hat mittlerweile ihr Gewicht verdoppelt und ist sogar ein paar Zentimeter gewachsen.