Erstellt am 15. Juni 2015, 09:57

von Hermann Knapp

Schloss „wie mit rohen Eiern“ zu behandeln. Raumplaner Alfred Benesch berichtete über die weiteren geplanten Maßnahmen und den schwierigen Umgang mit einem Gelände, das unter Denkmalschutz steht.

Die Bürger und Bürgerinnen lauschten den Ausführungen von Landschaftsplaner Benesch und stellten auch selbst einige Anfragen. Foto: Hermann Knapp  |  NOEN, Knapp
Trotz fast tropischer Temperaturen am Freitagabend nutzten viele Bürger die Gelegenheit, sich über die nächsten Schritte bei der geplanten Revitalisierung des Schlossumfeldes zu informieren.

Rund ein Jahr lag die letzte Veranstaltung zurück und inzwischen wurde schon mit der angekündigten Rodung von Fichten im Schlosswald begonnen.

Ausführungen über 120-Maßnahmen-Plan

„Wir wollten eigentlich mehr fällen, doch es hat sich herausgestellt, dass ein Teil des Grundstücks Pfarren und Pfarrpfründen gehört und wir können natürlich nicht einfach über fremdes Eigentum verfügen“, berichtete Raumplaner Alfred Benesch.

Also wurden die Rodungen ausgesetzt und Verhandlungen mit der Diözese aufgenommen. „Es sieht gut aus. Wir werden ein Grundstück kaufen und ein anderes, auf dem ein Obstgarten entstehen soll, anmieten. Die Verträge sind in Ausarbeitung“, erklärte dazu Ortsversteher Egon Brandl.

Benesch erinnerte in seinen knapp einstündigen Ausführungen an den 120-Maßnahmen-Plan, der erarbeitet worden ist und der in den nächsten Jahren umgesetzt werden soll: „Erster Schritt ist eben, das Schloss sichtbar zu machen und den Park von Bäumen und Bewuchs zu befreien, der gar nicht dorthin gehört. Baumriesen, die unter Naturschutz stehen, bleiben natürlich erhalten.“

Großer Schlossteich soll errichtet werden

Auf reges Interesse bei den Bürgern stieß der Plan, einen großen Schlossteich auf dem Gelände zu schaffen, der von den Dachflächenwässern des Schlosses gespeist werden soll. „Da sind wir gerade dabei zu erheben, wohin die Wässer derzeit eigentlich fließen“, sagt Benesch. Mit der Errichtung des Teichs soll nächstes Jahr begonnen werden.

Gedanken machen sich der Raumplaner und sein Team auch schon über den Hexenturm. Dieser wird derzeit ja oft von Jugendlichen für Lagerfeuer und diverse Feten genutzt. „Die Bausubstanz ist leider schlechter als es von außen scheint und Feuer tut ihr bestimmt nicht gut. Wenn man den Turm instand setzt, muss man überlegen, wie man das künftig unterbinden kann und den Raum trotzdem erlebbar macht.“

Die Bürger stellten vor allem Anfragen zu den Baumrodungen, aber auch zum Zeitplan. Der Maßnahmenkatalog mit Angabe der geplanten Umsetzung kann auf der Homepage der Gemeinde eingesehen werden.

„Wir hoffen auf einen Partner in der Region“

Zustimmung der Anrainer erntete die Idee, im Umfeld des Schlosses auch wieder Obstgärten anzulegen, wie es sie früher gab. In alten Unterlagen aus dem Jahr 1809 scheint auf, welche Obstbäume früher dort standen. „Wir hoffen auf einen Partner in der Region, der uns hilft wieder Bäume zu pflanzen und diese auch zu pflegen“, sagt Benesch. Brandl hat schon Kontakt mit dem Mostviertler Bildungshof aufgenommen.

Geplant ist auch, den äußeren und den inneren Burggraben wieder sichtbar zu machen und vielleicht auch manches Stück Mauerwerk freizulegen. Dies alles muss allerdings in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt geschehen, weil nicht nur das Schloss sondern auch das gesamte Umfeld unter Schutz stehen.

„Wir müssen das Gelände also wie rohe Eier behandeln und vor jeder größeren Grabung zuerst Bodenuntersuchungen machen“, sagt Benesch. Werden dabei historisch wertvolle Artefakte gefunden, müssen diese gesichert werden, was natürlich dauert. Daher kann es auch zu Verschiebungen im Zeitplan kommen.

Benesch arbeitet aber schon lange mit den Denkmalschützern zusammen und ist daher auf alles gefasst: „Behörden sind nie ganz berechenbar.“