Glasfaser im Bezirk Amstetten ist heiß begehrt

Erstellt am 07. April 2021 | 04:16
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Wie die Bürgermeister Christoph Haselsteiner (St. Georgen/Y.), Michael Hülmbauer (Ferschnitz) und Johann Weingartner (Euratsfeld, von links) betonen, ist das Interesse an LWL in Corona-Zeiten gestiegen. Der Breitbandausbau soll beschleunigt werden.
Foto: Führer, Führer
Gemeinden wollen auf die dank Corona erhöhte Nachfrage reagieren.
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Einig sind sich die Gemeinden Euratsfeld, Ferschnitz, St. Georgen am Ybbsfelde und Neuhofen/Ybbs darüber, dass beim Glasfaserausbau aufs Tempo gedrückt werden muss. Denn Corona habe den Bedarf an schnellem Internet bei vielen Bürgern ansteigen lassen. Ursprünglich sah der Plan des Landes Niederösterreich vor, dass bis 2030 alle Gemeinden flächendeckend durch Investitionen der nöGIG (Niederösterreichische Glasfaserinfrastruktur GmbH) mit Glasfaser-Verbindungen versorgt werden. Dieser Zeitplan gerät ins Wanken, daher setzen mehr und mehr Gemeinden darauf, den Ausbau selbst in Angriff zu nehmen. Wie etwa Neustadtl oder Ardagger.

In Euratsfeld läuft in Kooperation mit Breitband Randegg der Ausbau im Hinterwald. Bis Mitte des Jahres werden 30 Häuser angehängt und dann aktiviert sein. In Krahof (St. Georgen/Y.) baut die Gemeinde die Lichtwellenleiter (LWL)-Versorgung für 150 Einheiten um etwa 800.000 Euro aus. Hier greift man auf eine 50-Prozent-Förderung des Bundes zu. Auch in Ferschnitz will man aufs Tempo drücken.

„Es wäre sinnvoll, wenn von Ober-Umberg und Unter-Umberg die Hauptleitung weiter nach Ferschnitz verlegt wird. Dann hätten wir eine Verbindung von Neuhofen bis Ferschnitz. Dann könnte man noch die Leitungen beim Brunnen in der Doislau nach St. Georgen und weiter bis nach Ardagger und Neustadtl nützen“, erklärt Bürgermeister Michael Hülmbauer. Man sei als Region in der nächsten Ausbaustufe der nöGIG drinnen. Aber es fehle an einem konkreten Zeitplan, wann der Ausbau der nöGIG erfolgen könnte.

„Der Druck aus der Bevölkerung für schnelles Internet ist jedenfalls größer geworden.“ Euratsfelds Bürgermeister Johann Weingartner

Eine weitere Herausforderung diesbezüglich sieht man in St. Georgen: Das „Problem“, dass in vielen Ortsteilen die Verbindung besser als 30 MBit/Sekunde ist. Ist die Verbindung nämlich höher, fällt man aus der derzeit noch geltenden Förderschiene hinaus. „In einer Gemeinde müssen sich 40 Prozent der Bevölkerung für einen Glasfaseranschluss und die damit verbundenen Kosten aussprechen. Ansonsten fehlt die Wirtschaftlichkeit für die nöGIG“, erklärt St. Georgens Ortschef Christoph Haselsteiner.

Als Gemeinde finanziere man den Ausbau zwar vor, danach stehe man aber vor der Frage, wer das Netz betreibt. Das könnte die nöGIG oder ein privater Anbieter sein. Dass die Gemeinde selbst als Betreiber agiert, sei keine praktikable und vernünftige Option. „Das geht sich von den Ressourcen her nicht aus. Das Hauptziel wäre, dass die nöGIG das übernimmt, wir brauchen aber zeitnahe Lösungen. In fünf bis zehn Jahren ist es zu spät“, unterstreicht Haselsteiner.

„Druck aus Bevölkerung ist größer geworden“

Euratsfelds Bürgermeister Johann Weingartner berichtet davon, dass gerade in peripheren Gebieten die Nachfrage nach LWL sehr groß sei. Die Ortskerne seien prinzipiell – wie auch in Ferschnitz – gut versorgt. „Wir müssen schauen, dass wir die 40 Prozent zusammenbekommen. Der Druck aus der Bevölkerung für schnelles Internet ist jedenfalls größer geworden“, so der Ortschef.

Auch Neuhofens Bürgermeisterin Maria Kogler unterstreicht, dass man den Breitbandausbau forcieren möchte. „Wir sind ständig in Kontakt mit der nöGIG. Außerdem hat es bereits mit Breitband Randegg Gespräche über eine Erweiterung in das Neuhofner Gemeindegebiet gegeben. Wir wissen noch keinen Zeitplan, wollen uns aber auf jeden Fall beteiligen“, erklärt sie. Die Ortschefs betonen unisono, dass man für einen Ausbau parat stehe. Die Hausaufgaben habe man gemacht. „Wir haben auch immer die Lehrverrohrungen mitverlegt und werden das auch weiter machen“, sagt etwa Ferschnitz Ortschef Michael Hülmbauer.

„Ursprünglich war geplant, dass in allen Gemeinden mit weniger als 5.000 Einwohnern die nöGIG ausbaut. Aber dass sich das bis 2030 ausgehen wird, ist leider sehr unwahrscheinlich geworden“, erklärt Haselsteiner. Unter anderem deshalb, weil die Kosten für die Errichtung in den vergangenen Jahren um 20 Prozent angestiegen sind.

Die Bürgermeister plädieren darauf, den Ausbau flexibler zu gestalten und nicht einfach überregional ein Konzept darüberzustülpen. „Hier müsste man, was Eigenintiativen betrifft, offener sein. Wenn das regionaler wird, dann gibt es die Chance, dass der Ausbau billiger wird, weil die Einheimischen die Gegebenheiten besser kennen und zusammenarbeiten“, erklärt etwa Weingartner. Denkbar sei zudem auch eine verstärkte und intensivere Zusammenarbeit mehrerer Gemeinden.

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