Kammerhofer: „Auftritte sind Balsam für Herz und Seele“. Kabarettist Walter Kammerhofer über viele Absagen und sein neues Programm, das am 29. Oktober Premiere hat.

Von Leopold Kogler. Erstellt am 14. September 2020 (06:36)
Walter Kammerhofer: Fröhliche Weihnachtsstimmung schaut anders aus.
Kammerhofer

NÖN: Kulturelle Veranstaltungen sind aufgrund der Coronapandemie nach wie vor eher dünn gesät. Wie sieht ihre Auftrittslage aus?

Walter Kammerhofer: Die Herbstsaison 2020 war sehr gut gebucht, weil viele Auftritte vom Frühjahr auf den Herbst verschoben wurden. Ich hätte so etwa vier bis fünf Auftritte in der Woche gehabt, diese sind jetzt aber wegen der diversen behördlichen Auflagen weggebrochen oder wieder verschoben worden: Kurz: Meine Auftritte im Herbst sind wieder dünn gesät.

Würde es nicht gerade in diesen schwierigen Zeiten dem Publikum guttun, wieder einmal herzhaft lachen zu könne?. Wäre das nicht eine Art Befreiung?

Kammerhofer: Absolut. Es ist eine alte Theaterregel: Geht es den Menschen schlecht, geht es dem Theater gut. In schlechten Zeiten wollen die Menschen vom Alltag abgelenkt werden, sie wollen unterhalten werden und sich amüsieren. Man denke an die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, da wurden die Theater gleich wieder renoviert und geöffnet. Man hatte Sehnsucht nach Unterhaltung und man kam dieser nach.

Vor Ihrem Durchbruch haben Sie in einer Fabrik gearbeitet. Sie kennen also sowohl die Arbeit in einem Betrieb als auch die als Einzelunternehmer. Wie beurteilen Sie die gegenwärtige Situation?

Kammerhofer: Mit der Kündigung im Werk bin ich in die Selbstständigkeit gewechselt. Da war mir schon bewusst, dass ich das Risiko eines Einzelunternehmers eingehe. Es ist zehn Jahre sehr gut gelaufen, jetzt ist die Zeit angespannt und voller Unsicherheiten. Aber das ist das Risiko eines Unternehmers. Bedauerlich ist nur, dass ich persönlich nichts dafür kann. Die behördlichen Verbote sind einzuhalten und erlauben mir daher keine Auftritte. Einige wenige Veranstalter ermöglichen mir Auftritte unter Berücksichtigung der jeweiligen Auflagen, die sind natürlich Balsam für Herz und Seele.

Am 29. Oktober startet Ihr neues Programm „Oh, du Fröhlicher“. Ist es schwer, im Oktober bereits an Weihnachten zu denken? Ist es eine Herausforderung?

Kammerhofer: Ganz und gar nicht. Schauen Sie in den Handel. Dort beginnt Weihnachten schon Ende August, also quasi noch in der Sommerzeit. Weihnachten ist bereits präsent. Es ist inzwischen die Ausgeburt des Kapitalismus, dieses Fest wird richtiggehend ausgeschlachtet.

Können Sie uns schon etwas über Ihr neues Programm verraten?

Kammerhofer: Es dienen typische österreichische Weihnachten als Vorlage. Nach außen glänzt alles, aber im Inneren spielen sich Tragödien ab. Das Fest der Liebe ist zum Fest der Widersprüche geworden. Mit diesem Programm möchte ich hinter die Fassaden schauen. Ein syrischer Paketzusteller steht im Mittelpunkt. Die Paketzusteller sind ja die modernen Weihnachtsmänner. Der Hl. Nikloaus war ja ein Syrer, Patara war einst ja in Syrien, heute in der Türkei. Der syrische Paketzusteller möchte Weihnachten mit seiner Familie feiern, diese hat er aber verloren. So stellt er bis spät am Weihnachtsabend Pakete zu und erlebt den Widerspruch hautnah. Da herrscht Hektik und manchmal ist der Friede da ein Fremdwort.

Im Bezirk Amstetten ist Kammerhofer am 6.10. in der ausverkauften Pölzhalle mit dem Programm „Kammerhofer offline“ zu sehen.