Countdown für Großprojekt in Seitenstetten

Erstellt am 16. Juni 2022 | 06:14
Lesezeit: 4 Min
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Dieses Grundstück stellt die Seitenstettner Gemeindepolitik vor eine Gretchenfrage: Unterirdische Bebauung zulassen oder nicht.
Foto: Aichinger
Gemeinderat wird am 30. Juni über den Teilbebauungsplan entscheiden.
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Das geplante Großprojekt der Sei1-Immo-GmbH mit Lebensmittelmarkt und Wohnbauten an der Steyrer-Straße auf einer Fläche von rund 7.300 Quadratmetern hält die Gemeindepolitik nach wie vor in Atem. Am Donnerstag hat der Bau- und Finanzausschuss getagt, um über die Vorgehensweise zu beraten. Die Immobilienfirma beantragt ja eine Änderung des Teilbebauungsplanes, um den Lebensmittelmarkt in den Hang hinein bauen und darüber Wohnhäuser errichten zu können.

Mit dem geplanten Supermarkt hat die Gemeinde aber keine Freude, zumal es ja ein Geschäft im Ortszentrum gibt. „Wenn ich es verhindern könnte, wäre ich der Erste, der das tun würde. Leider kann ich das aber nicht. Und wenn wir die Hangbebauung nicht zulassen, kann der Markt oberirdisch errichtet werden, dagegen können wir nichts tun“, sagt Bürgermeister Johann Spreitzer. Ein neuer Bebauungsplan würde der Gemeinde immerhin die Möglichkeit eröffnen, bei der Bebauung des Areals gewisse Vorgaben zu machen: „Wir könnten zum Beispiel die Dachform für die Gebäude vorschreiben und auch, dass 40 Prozent der Fläche nicht versiegelt werden dürfen. Damit können wir verhindern, dass oberirdisch ein riesiger Wohnblock entsteht, der nicht ins Ortsbild passt“, sagt Spreitzer.

Die SPÖ bringt ein Hotelprojekt ins Spiel

14 Tage haben die Gemeinderäte noch Zeit, sich über die Causa die Köpfe zu zerbrechen. Bis dahin wird der Raumplaner auch den Teilbebauungsplan nochmals überarbeiten. Am 30. Juni soll im Gemeinderat die Entscheidung fallen.

In Stein gemeißelt scheint für die Immobilienfirma die Errichtung eines Lebensmittelmarktes aber ohnehin noch nicht zu sein. Die Seitenstettner SPÖ hat Kontakt mit einer Hotelbetreiberin aus Böheimkirchen aufgenommen, und die hat Interesse signalisiert, am Standort womöglich ein Hotelprojekt zu verwirklichen. „Wir haben den Kontakt zwischen ihr und der Immobilienfirma hergestellt und sie führen jetzt Gespräche“, sagt SPÖ-Gemeinderat Hubert Henickl. Die Errichtung eines Hotels würde aus seiner Sicht, im Gegensatz zum Lebensmittelmarkt, einen Mehrwert für die Gemeinde bringen. Das sieht auch Ortschef Spreitzer so. „Allein die Firma Lisec hat ja jährlich einige tausend Geschäftskunden da, die eine Übernachtungsmöglichkeit brauchen. Aber man braucht für ein Hotel eben einen Betreiber.“

Der Änderung des Teilbebauungsplanes steht auch die SPÖ positiv gegenüber. „Da muss aber drinnenstehen, dass es für jede Wohneinheit eineinhalb Parkplätze geben muss und dass es auch Raum für Kinderspielplätze geben muss“, fordert Henickl.

Wirtschaftsbundobfrau Tamara Starzer berichtet, dass die Seitenstettner Wirtschaftstreibenden im Bezug auf das Projekt gespalten sind. „Vor allem die Jungen sehen es als Zugewinn. Sie sind der Ansicht, dass das die Zukunft ist und man mit der Zukunft gehen muss.“ Man solle den Fortschritt nicht bremsen, und durch die Wohnungen kämen auch neue Leute nach Seitenstetten. Ein Hotel würden diese Wirtschaftstreibenden auch als Mehrwert für die Gemeinde sehen, die ja ein Tourismusort ist.“ Es gibt aber auch andere Stimmen, die im Projekt eine Bedrohung für den Ortskern sehen. Bei einer Sitzung des Bundes war die Hälfte der Anwesenden für das Projekt, die Hälfte dagegen. Es gibt also noch viel zu diskutieren.

Bei einer NÖN-Umfrage waren übrigens 63,4 Prozent der 314 Teilnehmer der Ansicht, dass das Projekt kein Gewinn für Seitenstetten wäre.

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