Friedensmarsch: Aus Gräueln lernen

Friedensmarsch führt heuer von Seitenstetten nach Mauer, im Gedenken an Opfer der Euthanasie.

Erstellt am 29. August 2020 | 05:55
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Auch in Zeiten der Coronakrise ist es wichtig, den Blick auf vergangene Gräuel zu richten und die Opfer nicht zu vergessen.

Das Bildungszentrum St. Benedikt veranstaltet daher heuer den 11. Friedensmarsch und dieser führt am Samstag, 5. September, von Seitenstetten zum Landesklinikum Mauer, wo 2019 ein Mahnmal errichtet wurde, das an die mindestens 1.800, wohl aber sogar an die weit mehr als 2.000 als ‚unwertes Leben‘ bezeichneten Opfer der NS-Euthanasie in der damaligen ‚Heil- und Pflegeanstalt Mauer-Öhling‘ erinnern soll.

„Durch die Inventarisierung von abertausenden Krankenakten konnten den Toten wieder Namen gegeben werden, gleichzeitig wurden dadurch die Geschehnisse zwischen 1938 und 1945 der Forschung zugänglich gemacht“, erklärt Martha Keil, Direktorin des Instituts für jüdische Geschichte. Sie hat auch den ‚Anstoß‘ für das Denkmal gegeben, das Ziel dieses Friedensmarsches ist. Viele Menschen, Kinder mit geistiger oder körperlicher Behinderung, psychisch Kranke, nicht mehr arbeitsfähige KZ-Häftlinge oder auch andere Bewohner von Pflege- und Altersheimen mussten laut Historiker Philipp Mettauer damals durch Gewalt, Überdosis an Medikamenten oder durch Vernachlässigung und Mangelernährung sterben, bekannt sind auch die ‚Todestransporte‘ von Mauer nach Hartheim oder Gugging, wobei nach Einstellung dieser eben ‚anstaltsintern‘ weitergemordet wurde.

Gegen Rassismus und Diskriminierung

Sogar der Anstaltsfriedhof musste damals erweitert werden, über dessen Grabhügeln längst Gras oder Bäume gewachsen sind, die aber weiterhin ‚Denkanstoß‘ bleiben müssen. „Der Friedensmarsch soll den Blick auf diese Geschehnisse und Grausamkeiten werfen, die sich einfach nie mehr wiederholen dürfen!“, stimmen die Wegbegleiter Peter Haberfehlner und Josef Penzendorfer überein und ergänzen: „Es gilt für heutige Generationen daraus zu lernen, wir alle tragen schließlich die Verantwortung und Verpflichtung in uns, entschieden gegen jede Form von Diskriminierung, Rassismus und Gewalt aufzutreten!“ Das Mahnmal selbst – aus übereinandergelegten Grabsteinen bestehend – soll Begegnungs- und Erinnerungsstätte gleichzeitig sein. Schon am Weg dorthin (ca. 20 Kilometer) gibt es in Kirchen oder bei Kleindenkmälern Denkanstöße zum Thema ‚Frieden‘. Nach Besuch des Anstaltsfriedhofes soll der Friedensmarsch mit einer Friedensandacht in der Jugendstil-Kapelle des Klinikums seinen Abschluss finden.

Die reine Gehzeit beträgt ca. 5 Stunden, Treffpunkt ist um 7 Uhr beim Friedensdenkmal der Mittelschule Seitenstetten. Es ist keine Einkehr in ein Gasthaus vorgesehen, die Rückfahrt zum Bahnhof St. Peter-Seitenstetten erfolgt mit den ÖBB. Um Anmeldung wird bis 28. August im Bildungszentrum St. Benedikt unter 07477-42885 gebeten.