Corona trifft Lisec massiv. Firmenleitung verhandelt mit Betriebsrat „personelle Strukturmaßnahmen“.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 17. Juni 2020 (04:05)
Auf der Wiese neben dem bestehenden Firmenareal will Lisec ein Verwaltungsgebäude errichten. Die Wasserrechtsverhandlung und die Bauverhandlung stehen aber noch aus.
Aichinger

Im Bezirk Amstetten machten in den letzten Wochen Gerüchte über eine bevorstehende Kündigungswelle bei der Firma Lisec die Runde. Von 20 bis zu über 100 Betroffenen wurde gemunkelt. Es soll auch schon erste Kündigungen gegeben haben.

Auf Anfrage der NÖN bestätigt man beim Unternehmen zwar „personelle Strukturmaßnahmen“, weil die Coronakrise natürlich auch Lisec massiv getroffen habe, Zahlen nennt man aber keine. „Es ist bereits jetzt abzusehen, dass die erforderliche Anpassung der Kosten und der Kapazitäten ohne gewisse personelle Strukturmaßnamen nicht möglich sein wird. Der Umfang wird in hohem Maße davon abhängen, wie rasch sich das Geschäft in den nächsten Monaten wieder beleben wird“, heißt es in einer Stellungnahme der Firmenleitung.

Im Jahr 2019 und auch noch in den ersten Monaten 2020 sei der Geschäftsverlauf sehr gut gewesen, der weltweite Lock-down mit massiven Reisebeschränkungen und zahlreichen Grenzschließungen hätte aber innerhalb weniger Wochen negative Auswirkungen gehabt. Die Montage und Inbetriebnahme von Maschinen sei weltweit vorübergehend zum Stillstand gekommen. Kunden hätten Investitionsentscheidungen zum Teil auf unbestimmte Zeit verschoben und es sei nun schwer einzuschätzen, wie sich die Branche kurz- und mittelfristig entwickeln werde.

Führungsmannschaft wurde verkleinert

Die Lisec-Firmenleitung hat daher schon im März erste strukturelle Maßnahmen umgesetzt – durch Zusammenfassung von Bereichen und die Verkleinerung der Führungsmannschaft. „Denn wir müssen unsere Strukturen und unsere Kosten soweit anpassen, dass wir diese schwierige Phase gut bewältigen und gestärkt daraus hervorgehen können. Derzeit ist noch nicht abzusehen, wie stark die Auswirkungen der Coronakrise auf unser Geschäft letztlich sein und wie lange diese dauern werden“, heißt es in der Stellungnahme.

Auch wenn man sich positive Impulse durch Investitionsprogramme der EU und der Regierungen erhofft, rechnet man bei Lisec damit, dass der aktuell reduzierte Auftragseingang seine Auswirkungen verzögert gegen Ende des Jahres und vor allem im Jahr 2021 zeigen wird. „Derzeit wird daher noch unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Entwicklung an der Detailplanung der strukturellen Maßnahmen gearbeitet. Dies passiert in enger Abstimmung mit dem Betriebsrat. Im dritten Quartal ist mit weiteren Schritten zu rechnen.“ Mit dem Betriebsrat wurde Stillschweigen über die Gespräche vereinbart.

Verzögern dürfte sich durch die wirtschaftlich unsichere Lage auch der Neubau eines Verwaltungsgebäudes in Seitenstetten. In den letzten 18 Monaten sind schon viele Mitarbeiter aus der Verwaltung in Hausmening nach Seitenstetten übersiedelt.

„Der geplante Neubau soll ermöglichen, auch die restlichen Mitarbeiter aus Hausmening am Standort Seitenstetten zu integrieren und räumlich noch besser entlang der Prozesskette zusammenzufassen. Damit soll das ständige Hin- und Herpendeln zwischen den Standorten beendet und auch die interne Kommunikation und die Zusammenarbeit vereinfacht werden“, betont die Firmenleitung.

Die erforderlichen Grundstückstransaktionen sind inzwischen abgeschlossen und es laufen in Abstimmung mit der Gemeinde die Vorbereitungen für eine Baugenehmigung. Wann der Spatenstich erfolgen wird, steht noch nicht fest.

Die Glastech ist von den Übersiedlungsplänen unberührt und verbleibt in Hausmening.