Meilenstein für Gemeinde Seitenstetten. Großes Rückhaltebecken soll den Ortskern künftig vor Überflutung schützen. Verlegung der L88 macht das Projekt möglich.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 01. August 2017 (04:07)
Der Spatenstich für das Rückhaltebecken und die Westspange geriet in Seitenstetten zum Volksfest. Viele Bürger kamen um bei diesem geschichtsträchtigen Ereignis dabei zu sein.
Hermann Knapp

Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Landwirtschaftsminister Andrä Ruprechter und Finanzlandesrat Ludwig Schleritzko gaben am Montag, 24. Juli, offiziell den Startschuss für ein Jahrhundertprojekt in der Gemeinde: die Errichtung eines großen Rückhaltebeckens im Trefflingtal und damit verbunden den Bau der Westspange.

Rund zehn Millionen Euro stecken Bund, Land und Gemeinde gemeinsam in dieses Vorhaben und für Mikl-Leitner ist jeder einzelne Euro gut investiert: „Denn er bewahrt die Gemeinde vor Schaden und er bewahrt vor allem die Menschen vor dem Leid, das ein Hochwasser anrichtet.“

Seitenstetten wurde 1909, 1959 und 2002 von schweren Fluten heimgesucht, die das gesamte Ortszentrum vollständig unter Wasser setzten. Mit Fertigstellung des Rückhaltebeckens sollte diese Gefahr gebannt sein.

Ein Kilometer südlich des Ortszentrums

Minister Ruprechter betonte, dass der Hochwasserschutz eine der wichtigsten Aufgaben seines Ressorts seien. „In den letzten fünf Jahren haben wir in Projekte in NÖ rund 70 Millionen Euro investiert, alleine heuer sind es zwölf Millionen Euro. Zum Projekt in Seitenstetten steuert der Bund rund 2,9 Millionen Euro bei. Landesrat Schleritzko kündigte an, dass das Land bis zum Jahr 2020 rund 1,3 Millionen Euro in Straßenbauprojekte in Niederösterreich investieren werde und damit 18.000 Arbeitsplätze absichere.

Bürgermeister Johann Spreitzer dankte vor allem „den Grundbesitzern, die mit ihrer Bereitschaft den nötigen Grund zur Verfügung zu stellen, das Projekt überhaupt erst möglich gemacht haben.“

Das geplante Hochwasserrückhaltebecken wird etwa einen Kilometer südlich des Ortszentrums errichtet. Für die Errichtung des Dammes werden rund 94.000 Kubikmeter Material benötigt. Das Becken wird ein Fassungsvermögen von etwa 240.000 Kubikmeter Wasser haben. Seine Errichtung wird nur nur durch die gleichzeitige Verlegung der L88 möglich. Sie wird künftig auf einer neuen rund 2,3 Kilometer langen Trasse Seitenstetten umfahren.

Bis zu acht Meter hoch

Beide Projekte sollen im Sommer 2018 abgeschlossen werden. Durch die gleichzeitige Ausführung von Hochwasserschutz- und Straßenbauvorhaben ergeben sich bedeutende Synergieeffekte hinsichtlich Baustelleineinrichtung, Bauablauf und Verfügbarkeit von Erdbaumaterialen für die Dammschüttung.

„Durch das Rückhaltebecken werden künftig rund 200 Einwohner in 60 Gebäuden sowie Gewerbebetriebe, Gemeindeobjekte und infrastrukturelle Einrichtungen vor einem 100-jährlichen Hochwasser des Trefflingbaches geschützt“, berichtet Mikl-Leitner.

Der Damm wird an der Krone rund 280 Meter lang und bis zu acht Meter hoch sein. Die Böschung wird sehr sanft ausgeführt, damit sie sich gut ins Landschaftsbild einfügt und auch eine Bewirtschaftung möglich ist. In der Mitte des Dammes liegt das zentrale Durchlass- und Rechenbauwerk. Es weist eine Länge von etwa 84 Metern auf und wird aus insgesamt 1.00 Kubikmetern Stahlbeton errichtet. Die bisherige L88 wird im Damm- und Einstaubereich des geplanten Rückhaltebeckens auf einer Länge von etwa 730 Metern vollständig zurückgebaut und für landwirtschaftliche Nutzung rekultiviert.

Vom Kreisverkehr Seitenstetten West der B122 verläuft die Trasse der L 88 zuerst Richtung Süden am Bestand der derzeitigen ungebunden befestigten Gemeindestraße und schwenkt dann von dieser ab. Weiter verläuft die Trasse in Tieflage entlang des bestehenden Betriebsgebiets und teilweise auf der derzeitigen Trasse des Güterweges Kleinpyrach, quert die L6279 Michaelerstraße und führt dann im weiteren Verlauf durch landwirtschaftlich beziehungsweise forstwirtschaftlich genutzte Flächen bis zur bestehenden L88, wobei im letzten Abschnitt die Trasse in den Hang südlich des Trefflingtales und damit außerhalb des Stauzieles des Hochwasserrückhaltebeckens Tefflingtal geführt wird. Die Trasse wird 2,3 Kilometer lang sein.