Pensionierter Lehrer als vorsorgender Energiepionier

Erstellt am 07. Juni 2022 | 06:27
Lesezeit: 4 Min
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Wolfgang Haidin sitzt vor seiner Wärmepumpe. Wege in der Dunkelheit legte er auch bisher schon mit seiner Kurbeltaschenlampe zurück, nun hat er sich auch noch ein Black-Out-Multifunktionsgerät angeschafft.
Foto: Penz
Der pensionierte Lehrer Wolfgang Haidin darf als Vordenker bezeichnet werden und rüstet sich auch gegen einen möglichen Blackout.
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Er wohnt seit 1986 in einem gut gedämmten schmucken Einfamilienhaus mit etwa 150 m² Wohnfläche und einem unbeheizten Wintergarten, umgeben von einem großen Schwimmteich. Ein Haus zum Wohlfühlen allemal, und doch war Wolfgang Haidin stets auf die Verbesserung seiner „Wohnqualität“ bedacht: Sein Festbrennstoffkessel für Scheitholz steht eigentlich nur noch in Bereitschaft, denn längst betreibt Haidin eine Luft-Wasser-Wärmepumpenheizung für seine Heizkörper und Fußbodenheizung unter den gefliesten Böden mit einer Vorlauftemperatur von unter 40 Grad.

Zudem wird freilich der Kachelofen in der kalten Jahreszeit täglich beheizt. Von den zwei 1000-Liter-Pufferspeichern enthält einer auch ein Warmwassermodul für Brauchwasser. Schon 2001 hat der Umweltfetischist eine 21 m² große thermische Solaranlage für die Warmwasseraufbereitung installiert, die aber gerade in Übergangszeiten auch als Heizungsunterstützung effektiv ist. „Diese (alte) thermische Solaranlage sollte eigentlich durch eine kleinere Solaranlage oder eine Photovoltaik-Anlage ersetzt werden“, denkt Haidin über eine noch intensivere Nutzung nach.

Vom Hausdach glänzt aber ohnehin eine 5-kWp-PV-Anlage in Südlage mit einer 30-prozentigen Dachneigung; der durchschnittliche Jahresertrag ergibt 5.500 kWh. „Während der 12-jährigen Laufzeit des OeMAG-Vertrages hat die PV-Anlage 68.378 kWh Strom erzeugt und einen Ertrag von mehr als 30.000 Euro erwirtschaftet, nach 10,5 Jahren hatte sie sich also amortisiert“, freut sich der Umweltpionier, der den Überschuss in das EVN-Netz einspeist. Dank des Ankaufs eines E-Autos im Jahr 2020 ergibt sich derzeit ein Selbstnutzungsgrad von etwa 42 Prozent.

Strom vom Schuldach erzeugen

Zusätzlich betreibt der pensionierte Lehrer am Dach seiner ehemaligen Schule eine 13-kWp-PV-Anlage, was mittels eines Mietvertrages mit der Gemeinde als Schulerhalter geregelt ist. Dieser Strom wird zur Gänze ins Netz eingespeist, der Vertrag läuft bis 2024 und der Jahresertrag beträgt hier rund 15.000 kWh, womit folglich insgesamt mehr als 21.000 kWh jährlich erzeugt werden.

Auch die Schulanlage hat in den ersten 10 Betriebsjahren bereits einen Gewinn von über 11.000 Euro ausgeschüttet.„Seit 36 Jahren betreibe ich mit meiner Frau Heidemarie den Kachelofen, wofür ich pro Jahr zirka 4 m³ Holz benötige, was Kosten in der Höhe von etwa 300 Euro verursacht.Ich kann also bei Stromausfall im Haus zumindest eine bestimmte Grundtemperatur erzeugen, da der Ofen noch dazu zentral liegt“, erzählt Wolfgang Haidin, der im Notfall mit einem zweiflammigen Campinggaskocher (3-kg-Gasflasche) auch seine warmen Mahlzeiten zubereiten kann. Grundnahrungsmittel sind selbstverständlich vorrätig, in haltbarer Form eingelagert. Wasser für die Klospülung entnimmt er aus dem Schwimmteich mit 185.000Litern Füllmenge.

Auch Regenwasser und das am Beginneines Duschvorgangs anfallende Kaltwasser werden gesammelt und am eigenen Grundstück wiederverwendet. Haidin bleibt sogar mobil – mit E-Bike und einem normalen Fahrrad.Sein voll aufgeladenes E-Auto schafft im Sommer eine Reichweite von 500, im Winter von 400 Kilometern.

„Für das Auftanken des Autos im Notfall bräuchte man eine netzunabhängige ‚Inselanlage‘“, weiß Haidin zu berichten. Ein über Solarzellen oder eine Handkurbel aufladbares netzunabhängiges Radio aber kann jeder besorgen, damit man bei Stromausfall die behördlichen Meldungen über den ORF empfangen kann.

Ein derartiges Black-Out-Multifunktionsgerät ist beim NÖ Zivilschutzverband erwerbbar. Denn: „Selbstschutz ist der beste Schutz, ein ausreichender Lebensmittel- und Getränkevorrat sowie einfache technische Hilfsmittel für den Katastrophenfall sind unabdingbar, man sollte für mindestens zehn Tage autark leben können“, rät der Vor(aus)denker Wolfgang Haidin.

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