Haustiere als Antidepressiva im Corona-Lockdown

Gerade im Lockdown helfen Hund und Katze und Co vielen Menschen über schwierige Phasen hinweg.

Erstellt am 27. Januar 2021 | 04:25
Seitenstetten/St. Peter - Haustiere als Antidepressiva im Corona-Lockdown
Haustiere tun Menschen in Krisenzeiten gut. Das weiß auch Hundefriseurin Roswitha Schmidl, links im Bild mit ihren zwei Hündinnen, dem Lhasa Apso „Elli“ und dem Mini Yorkshire „Olivia“. Rechts: Die Seitenstettner Tierärztin Beate Schuller berichtet von einer verstärkten Kundenfrequenz.
Foto: VETworksPenz

Was Therapeuten oft nicht gelingt, schaffen Tiere in Sekundenschnelle: Sie bringen vereinsamte und traurige Menschen zum Lachen und geben neuen Lebensmut. Tiere sind zudem meist auch sehr anpassungsfähig und deswegen gerade in Krisen optimale Partner.

„Sie verleihen auch oftmals – und das ist wohl jetzt besonders wichtig – dem Tag eine Struktur. Tiere sind gerade jetzt für viele Menschen wichtige Gefährten im sozial eingeschränkten Alltag. Sie tun uns gut und machen uns glücklich“, sagt die in Adersdorf praktizierende Wolfsbacher Psychologin und Psychotherapeutin Sonja Ramskogler.

Kundenfrequenz bei Seitenstettner Tierärztin gestiegen

Das Tierheim in Steyr bestätigt, dass die Nachfrage nach Haustieren in den letzten Monaten tatsächlich gestiegen ist. „Leider ist für uns aber die eigentliche Vermittlungsarbeit trotz erhöhter Nachfrage derzeit nicht möglich. Wir können momentan nur Fund- oder in Not geratene Tiere aufnehmen und müssen Interessenten vertrösten. Dabei könnten sie gerade jetzt im Lockdown dem Tier zum Eingewöhnen vielleicht sogar mehr Zeit schenken, als sonst“, bedauert Heimleiterin Monika Stadler.

Sie und ihre fünf Mitarbeiter haben bei der Betreuung der Tiere derzeit alle Hände voll zu tun, sind doch keine Besuche von ehrenamtlichen Helfern zugelassen.

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Die Seitenstettner Tierärztin Beate Schuller berichtet von einer verstärkten Kundenfrequenz.
: VETWorksPenz

Dass Tierhalter gerade jetzt ihren Haustieren erhöhte Aufmerksamkeit schenken und auch etwaige Wehwehchen sofort behandeln lassen, bestätigt Tierärztin Beate Schuller, die in der Gruppenpraxis VETWorks in Seitenstetten tätig ist. Die Kundenfrequenz ist dort gestiegen.

Die Praxis war und ist unter Einhaltung sämtlicher Corona-Vorschriftsmaßnahmen mit Terminvergabe auch im Lockdown geöffnet.

„Die Tiergesundheit sollte für die Haustierbesitzer aber nicht nur in Krisenzeiten ein Thema sein, sondern übers ganze Jahr. So wären zum Beispiel auch das regelmäßige Entfernen von Parasiten und eine Entwurmung sehr bedeutsam“, mahnt die Veterinärmedizinerin.

Auch Katzen tragen Coronaviren in sich

Auch die St. Peterer Tierärztin Dr. Ellen Marktl betont die notwendige Tierhygiene und berichtet über eine höhere Kundenfrequenz. „Im März haben wir uns nur um Notfälle gekümmert, jetzt behandeln wir sogar mehr Tiere als früher; offenbar macht die Beschäftigung mit einem Haustier den Menschen diese schwere Zeit ein wenig erträglicher.“

Die Tierärztinnen berichten übrigens, dass jede Freigängerkatze coronapositiv ist. Die Katzencoronaviren bewirken bei den Tieren meist nur harmlose Durchfälle. Manchmal mutieren sie aber zu einer bösartigen Form, was dann zur Felinen Infektiösen Peritonitis (FIP) führt, eine für Katzen tödliche Krankheit. „Zwei bis drei in unserer Praxis vorgestellte Katzen sterben monatlich daran“, berichtet Schuller.

Zur Beruhigung: Laut dem Deutschen Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit gibt es keinen Hinweis darauf, dass Hunde oder Katzen ein Infektionsrisiko in Bezug auf die aktuelle Covid-19-Variante für den Menschen darstellen. Tierärztin Schuller, die auf Hühner spezialisiert ist, berichtet, dass auch diese an einer durch Coronaviren verursachten Infektiösen Bronchitis (IB) erkranken können, wogegen allerdings mit gezielten Impfprogrammen vorgegangen wird.

Pflege für die Hunde auch im Lockdown

Während Frisöre geschlossen haben, müssen Hund und Katze übrigens nicht auf die gewohnte Pflege verzichten.

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Haustiere tun Menschen in Krisenzeiten gut. Das weiß auch Hundefriseurin Roswitha Schmidl, im Bild mit ihren zwei Hündinnen, dem Lhasa Apso „Elli“ und dem Mini Yorkshire „Olivia“.
: VETWorksPenz

Roswitha Schmidl kann derzeit zwar nicht als mobile Hundefrisörin unterwegs sein, ihr Salon „Sweety“ in ihrem Haus in Seitenstetten ist aber geöffnet. Dort kann sie dank eines getrennten Eingangs die Tiere ohne Personenkontakt übernehmen und die Krallen- und Fellpflege durchführen.

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