Volontärin in Afrika: „Für uns nicht vorstellbar“. Die Blindenmarkterin Sarah Buchberger war im Vorjahr zwei Monate lang als Volontärin in Afrika, um Straßenkindern zu helfen.

Von Doris Schleifer-Höderl. Erstellt am 25. Januar 2018 (05:47)
In ihrem zweimonatigen Volontariat in Afrika arbeitete Sarah Buchberger intensiv mit Kindern und Jugendlichen zusammen.
Buchberger

„Es war für mich eine Erfahrung, die ich im Nachhinein nicht mehr missen möchte“, berichtet Sarah Buchberger, die Ende September 2017 ihre Ausbildung zur diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegerin bei den Diakonissen in Linz abschloss.

Sie wollte schon immer einmal nach Afrika, um dort etwas für die Menschen zu machen. „Durch eine Schulkollegin erfuhr ich dann Näheres über die Organisation Albstadt Helping Hands, die unweit der keniatischen Hauptstadt Mombasa in Mtwapa eine Schule für Kinder und Jugendliche im Alter von vier bis 19 Jahren betreibt“, schildert die Blindenmarkterin.

Gemeinsam mit ihrer Schulkollegin nahm sie Kontakt mit der Leiterin auf. Nur eine Woche, nachdem Buchberger Ende September ihr Diplom erhielt, ging es nach Kenia, wo sie das Volontariat antrat.

Einrichtung gibt Chance auf Bildung

Bis Ende November war die Mostviertlerin in Afrika. Rund 600 Kinder und Jugendliche werden in der Albstadt Helping Hands Community School, die sich ausschließlich von privaten Spenden erhält, begleitet. „Sie kommen alle aus den Slums und hätten ohne diese Einrichtung keine Chance auf Bildung“, erklärt Buchberger.

Ihr war durchaus bewusst, dass sie in Afrika nicht das Leben erwartet, dass wir hier in Europa gewohnt sind. „Ich bin mit der Einstellung angekommen, vieles zu sehen und zu erleben, was mich prägen wird. Und so war es auch. Denn ich musste lernen, dass Armut nicht gleich Armut ist, sondern es auch hier noch Abstufungen gibt. Wir waren im Rahmen von Familienbesuchen, wo es mehr als einhundert Bewerbungen für Kindergartenplätze gab, aber nur 60 genommen werden konnten, in Lehmhütten, wo die Menschen direkt am Boden schlafen müssen“, berichtet sie.

Hütten auf Holzgestellen, versehen mit zerschlissenen Matratzen, waren dann schon der absolute Luxus. „Für uns hier im Mostviertel einfach nicht vorstellbar. Auch die hygienischen Bedingungen sind heute dort wie bei uns vor zwei- bis dreihundert Jahren.“

Armut prägt die Gesellschaft in Kenia

Die junge Frau hat in Kenia aber auch erfahren, was es heißt, eine andere Hautfarbe als die Mehrheit zu haben. Denn ‚weiß sein‘ werde mit ‚reich sein‘ gleichgesetzt. Für Frauen sei Kenia bekanntlich das, was für Männer Thailand sei. Ein Land, wo man rasch sexuellen Kontakt schließen kann. „Auch ich bin öfters angesprochen und betatscht worden und wurde gefragt, ob ich nicht heiraten möchte“, erinnert sie sich zurück.

Die Leute in Kenia seien durch ihre Armut stark geprägt und würden annehmen, dass in Europa alles wie in einem Schlaraffenland ist. „Ich habe den Kindern, die sich natürlich dafür sehr interessierten, erklärt, dass dies nicht so ist. Viele von ihnen wollen Ärzte werden, aber in Europa. Ich habe ihnen versucht zu erklären, dass wir in Europa schon viele Ärzte haben und Kenia sie dringender benötigt. Ich denke, wenn sie das Angebot der Albstadt Helping Hands Community School wirklich weiter nutzen, werden sie es eines Tages verstehen!“