Mutter übt Kritik an Hausärzten im Bezirk Amstetten. Ärztin habe ihre Schwester und deren Kind „rausgeschmissen“. In anderer Praxis Disput um Verschreibung.

Von Peter Führer. Erstellt am 30. September 2020 (04:12)
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Heftige Kritik übt eine Mutter aus St. Georgen – Name der Redaktion bekannt – an zwei Hausärzten aus dem Bezirk Amstetten.

Einerseits habe ihr ihre Schwester berichtet, dass sie und ihr Kind (6 Jahre) grundlos aus der Ordination einer praktischen Ärztin „geschmissen“ worden wären.

Kind wehrte sich gegen das Blutabnehmen

„Das Kind wurde mit Hust-Beschwerden nur kurz untersucht, hat sich dann aber gegen das Blutabnehmen gewehrt. Nachdem es sich nicht beruhigen ließ, hat dann die Frau Doktor zu meiner Schwester gesagt, dass sie die Ordination verlassen sollen und sie quasi rausgeschmissen. Das kann man, meiner Meinung nach, nicht tun, dass man keine vernünftige Untersuchung macht. Leider war später auch kein klärendes Gespräch mehr möglich“, ärgert sich die St. Georgner Mutter.

Ihre Schwester habe später mit einem Facharzt Kontakt aufgenommen und sofort einen Termin bekommen. Dieser habe dann auch eine Antibiotika- und eine Cortisonthearapie verschrieben.

Für die Ärzte spielten sich Fälle anders ab

Die betroffene Ärztin nimmt in der NÖN zu den Anschuldigungen Stellung. Aus ihrer Sicht hat sich die Situation anders abgespielt.

„Das Kind war bei der Untersuchung zunächst sehr brav. Als ich dann gesagt habe, dass jetzt für die Blutabnahme, die ich machen wollte, um feststellen zu können, ob Antibiotika notwendig ist, ein kleiner Fingerpieks kommt, ist die Situation eskaliert. Das Kind war nicht mehr zu beruhigen und hat lauthals geschrien. So war keine weitere Untersuchung mehr möglich. Die Mutter hat es noch dazu stark festgehalten. Das war ein Fehler. Sie wollte anscheinend unbedingt, dass ich Blut abnehme. Das war aber unmöglich oder hätte für das Kind auch traumatisch sein können“, erinnert sich die Medizinerin an den Vorfall.

Sie habe empfohlen, Hustensaft zu geben, und einen Kinderarzt aufzusuchen, sollte sich der Zustand nicht bessern. Außerdem hätte ein Abwarten keine negativen Folgen gehabt, die Lunge sei unauffällig gewesen. „Das Kind hat auch kein Fieber gehabt“, sagt die Ärztin.

Vorwurf gegen eine Ordinationsassistentin

Ein zweiter Vorfall, von dem die Mutter berichtet, habe sich bei einem anderen praktischen Arzt im Bezirk abgespielt. Dort habe sie telefonisch wegen einem schleimlösenden Mittel für ihr Kind angefragt. Die Ordinationshelferin hätte laut ihrer Wahrnehmung ohne Rücksprache mit dem Arzt ein Mittel verschrieben.

„Wahrscheinlich hat der Doktor davon gar nichts mitbekommen. Ich bin aber der Meinung, dass bei der Vergabe von Medikamenten schon der Arzt eingebunden werden sollte“, schildert die St. Georgnerin.

Kritik übt sie auch nach einer Untersuchung, die notwendig gewesen wäre, damit ihr Sohn im Verein Fußball spielen darf. Dafür ist eine ärztliche Bestätigung der gesundheitlichen Eignung erforderlich. Den benötigten Stempel hätte ebenfalls die Ordinationshelferin einfach so „hergegeben“.

„Ich habe aber gesagt, dass mein Kind ein Loch im Herzen hat. Daraufhin hat der Arzt gemeint, dass er die Verantwortung nicht übernehmen möchte und keine ärztliche Bestätigung erteilt. Das ist auch okay, aber mich stört, dass die Ordinationshelferin Sachen macht, die sie nicht machen dürfte“, sagt die Mutter.

Der kritisierte Arzt stellt die beiden Vorfälle anders dar. „Die Mutter hat telefonisch um ein Mittel angefragt. Bei solchen Fällen fragen die Ordinationsassistentinnen immer bei mir nach, außer es handelt sich um laufende Medikationen. Es kann sein, dass die Frau das in diesem Fall mit dem schleimlösenden Mittel am Telefon gar nicht mitbekommen hat, dass sehr wohl nachgefragt wurde.“

Bezüglich des Fußball-Attests erläutert der Arzt, dass er das Kind aufgrund des Herzfehlers zum Internisten geschickt habe. „Was da vorher eine Assistentin gesagt hat oder nicht, kann ich nicht mehr nachvollziehen. Klar ist aber, dass ich mir alle Kinder, bei denen es um wichtige Atteste geht, anschaue. Die Damen geben vielleicht den Stempel drauf, die Untersuchung mache aber schon ich“, sagt der Arzt.