Liselotte Kashofer: „Der richtige Zeitpunkt“. St. Georgens Bürgermeisterin Liselotte Kashofer (64) kündigt ihren Rückzug an. Im Interview klärt sie über die Gründe für den Abschied auf und blickt auf ihre Amtszeit zurück.

Von Peter Führer. Erstellt am 27. November 2018 (05:38)
St. Georgens Bürgermeisterin Liselotte Kashofer 
Führer

NÖN: Seit wann steht fest, dass Sie sich aus dem Bürgermeisteramt zurückziehen werden?

Liselotte Kashofer: „ Die Überlegungen gibt es schon länger und ich denke, jetzt ist der richtige Zeitpunkt für meinen Rückzug gekommen. Es war immer ein offenes Geheimnis, dass ich die Amtszeit nicht fertig machen werde. Am Montag der Vorwoche habe ich im Parteivorstand den Parteiobmann zurückgelegt. Als Bürgermeisterin ziehe ich mich dann mit 15. Februar zurück.“

Warum gerade dieser Zeitpunkt?

„Ich war schon immer der Meinung, dass es für Langzeit-Bürgermeister in der heutigen Zeit schwieriger ist. Man braucht für dieses Amt viel Energie und Ideenreichtum. Es ist gut, wenn jetzt nach meiner zehnjährigen Tätigkeit wieder frischer Wind reinkommt. So hat mein Nachfolger als Bürgermeister, Vizebürgermeister Christoph Haselsteiner, noch Zeit, sich der Bevölkerung zu präsentieren. Ich habe mit ihm und mit seinem Vorgänger Rupert Jäger eine sehr gute Zusammenarbeit gehabt. Christoph Haselsteiner und sein Team haben auch schon viele Ideen für die Weiterentwicklung der Gemeinde.“

Welche Bilanz ziehen Sie nach zehn Jahren als Ortschefin?

„Es waren arbeitsreiche zehn Jahre. In unserem Team wurde viel und intensiv diskutiert, aber es hat immer ein Endergebnis gegeben, das alle gemeinsam getragen haben. So mussten wir nicht die ganze Energie durch Kämpfe verbrauchen. Wie meine Parteifreundin Gerlinde Fink – sie wird unter Bürgermeister Christoph Haselsteiner Vizebürgermeisterin – gesagt hat: Es war wie in einer Familie. Und auch wie in einer Familie ist es jetzt in der Politik so, dass die nächste Generation nachfolgt.“

Was macht die Tätigkeit einer Bürgermeisterin aus?

„Sehr schön war es, viele Leute und ihre Geschichten und Wünsche kennenzulernen. Dann kann man Hintergründe verstehen und warum es welche Bedürfnisse gibt. Als Bürgermeisterin habe ich immer die Partei hinten angestellt. Es hat natürlich unzählige Gespräche gegeben, aber keine, die eskaliert sind. Darauf bin ich sehr stolz. Bürgermeisterin zu sein war eine tolle Bereicherung, bei der ich unglaublich viel Neues lernen konnte. Ich habe einen wahren Erfahrungsschatz bekommen.“

Wie lief die Zusammenarbeit über die Parteigrenzen hinaus?

„Mir war es immer wichtig, dass es auch mit den anderen Fraktionen eine gute Zusammenarbeit gibt. Das zeigt auch die Anzahl der vielen gemeinsamen Beschlüsse. Ich denke, dabei hat auch mitgeholfen, dass ich immer den Konsens gesucht und Streitereien vermieden habe.“

Warum sind Sie ur sprün glich in die Politik gegangen?

„Aus meiner Sicht hat in vielen Belangen die soziale Komponente, besonders was Familien anbelangt, gefehlt. Daher waren der Gehweg beim Kindergarten Richtung Galtbrunn, Kinderbetreuungsangebote, das Seniorentageszentrum und der Kindergarten-Zubau besonders wichtige Projekte. Das Seniorentageszentrum ist mittlerweile zum Beispiel eine ganz wichtige Institution in der Region, die auch viele Senioren aus anderen Gemeinden gerne nutzen. Schon damals war das Denken über die Gemeindegrenzen hinweg wichtig. Das hat sich in den letzten Jahren verstärkt und wird sich noch verstärken. Zuletzt etwa bei der gemeinsamen Wasserversorgung mit Ferschnitz.“

Was waren weitere wichtige Projekte?

„Neben den angesprochenen Maßnahmen für Familien gab es viele Wohnungs- und Betriebserschließungen, Straßenbaumaßnahmen und natürlich – ganz wichtig – der Georgsaal. Die Sanierung des Pfarrsaales war ein langjähriger Wunsch der Bevölkerung. Bei all diesen Projekten und Förderansuchen ist klar geworden, dass gute Ideen alleine nicht reichen. Man muss auch viel Zeit und Engagement investieren, um etwa das Land Niederösterreich oder Abgeordnete von der Idee überzeugen zu können.“

Haben sich die Aufgaben als Bürgermeisterin in den letzten zehn Jahren gewandelt?

„Auf jeden Fall. Es ist heute eindeutig intensiver und mehr geworden. Das Bauwesen ändert sich ständig, es gibt viele Neuerungen in unzähligen Bereichen und man muss immer schauen, dass man auf dem letzten Stand ist. Ich habe mich immer als Manager eines Betriebes gesehen. Wenn Investitionen bevorstanden, haben wir geschaut, dass vorher gespart wurde. Die Menschen fordern heute zudem viel mehr Präsenz. Bürgernähe ist viel wichtiger geworden. Die Leute hinterfragen heute alles viel genauer und erwarten, dass man seine Arbeit richtig macht.“

Gibt es auch Dinge, die Sie – rückblickend gesehen – anders gemacht hätten?

„Manche Dinge, wie etwa die Diskussionen um den Hochwasserschutz in Hermannsdorf, habe ich früher persönlicher genommen. Da habe ich in den Jahren als Bürgermeisterin sicher dazugelernt. Bei Entscheidungen ist es aber so gewesen, dass man auch danach zu diesen stehen muss. Dadurch, dass wir vieles intensiv diskutiert und als Team getragen haben, würde ich nicht sagen, dass es in dieser Hinsicht eine Last gibt.“

Was steht jetzt im Ruhestand auf dem Programm?

„Ich werde viel Zeit mit meinen vier Enkerln, Bewegung und spontanen Ausflügen mit Freunden verbringen. Außerdem habe ich ja auch noch ein Haus und einen Garten, auf die ich mich im Ruhestand noch mehr freuen kann.“