Marksteiner: Ein Polizist mit Leib und Seele in Pension. Seit 1. Oktober ist der langjährige Postenkommandant der Polizeiinspektion St. Georgen am Ybbsfelde, Josef Marksteiner, im wohlverdienten Ruhestand.

Von Doris Schleifer-Höderl. Erstellt am 08. November 2017 (05:10)
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Josef Marksteiner genießt nach 41 Jahren Polizeidienst nun die Zeit mit seinem neun Monate alten Enkelsohn Paul.Marksteiner
Marksteiner

„Irgend wie hatte ich vor der Pension schon Bedenken“, gesteht Josef Marksteiner. „Aber erstaunlicherweise kann ich gut damit umgehen!“ Der gebürtige Wallseeer, der seit einem Jahr in Ferschnitz wohnt, verbringt viel Zeit mit seinem neun Monate alten Enkelsohn Paul, pflegt mit Gattin Johanna den Garten und trifft so oft wie möglich Bekannte und Freunde zum gemeinsamen Plauschen. „Und ich versuche täglich eine Stunde zu laufen! Das habe ich auch schon in meiner aktiven Zeit gemacht, um meine kleinen grauen Zellen zu aktivieren.“

Schulabbruch und Wechsel nach Amstetten

Insgesamt 40 Jahre lang war der heute 60-Jährige Exekutivbeamter. „Nach dem Abbruch des Gymnasiums bin ich mit 16 Jahren in die Steyrer Werke arbeiten gegangen. Doch bekannte Polizisten waren immer wieder auf Besuch und da wusste ich bald, dass auch ich Polizist werden will.“

Nach bestandener Aufnahmeprüfung, dem Abschluss der Ausbildung und mehreren Zwischenstationen kam Marksteiner nach Amstetten. Siebzehneinhalb Jahre Kriminaldienstgruppe folgten, bevor er für drei Jahre stellvertretender Postenkommandant in Ardagger und schließlich 2007 Postenkommandant der Polizeiinspektion St. Georgen wurde.

„Wir haben nie auf die Uhr geschaut“

„Die Tätigkeit bei der Kriminaldienstgruppe Amstetten war einfach unglaublich. Wir waren damals Mitte der 1980er-Jahre eine hoch motivierte, junge Truppe, wahrlich ein Dreamteam und bearbeiteten Kleinkriminalität, schwere Einbrüche, Sexualdelikte und Mordfälle. Auf die Uhr wurde da nie geschaut, wichtig war uns die Aufklärung.“

Zu einem der spektakulärsten Fälle von Josef Marksteiner zählt jener aus Mitte der 1990er-Jahre, wo zwei Einbrecher im Hallenbad Amstetten dingfest gemacht wurden. „Bei denen haben wir 60.000 Schilling sowie fünf Diebsgüter aus verübten Einbrüchen in Krems gefunden.

Es stellte sich heraus, dass sie einer siebenköpfigen Bande angehörten, die insgesamt 155 Einbrüche von Tirol bis nach Niederösterreich verübt hatten. Bei der Hauptverhandlung in St. Pölten war der Gerichtssaal rappelvoll. Als ich als Zeuge aufgerufen wurde, sagte der Richter zu mir, dass meine Aussage nicht mehr benötigt wird und der Fall klar sei. Er dankte mir für meinen Einsatz. Daraufhin hat der ganze Saal applaudiert. Das war schon sehr bewegend und wird mir immer in Erinnerung bleiben.“

„Wenn ich heute 20 wäre, würde ich mich sofort bei der Polizei bewerben.“ Marksteiner würde denselben Weg wieder einschlagen

Im Nachhinein bereut es Josef Marksteiner keine Minute, Polizist geworden zu sein. „Wenn ich heute zwanzig wäre, würde ich mich sofort bei der Polizei bewerben!“ Auch wenn es heikle Situationen gab. „Im Moment des Einsatzes bist du so fokussiert, dass du an keine Gefahr denkst. Danach atmest du aber tief durch und bist erleichtert, wenn alles gut gelaufen ist.“

Und welchen Krimihelden schätzt Profi Marksteiner am meisten? „Eindeutig Columbo, mit seinem psychologischen Spürsinn. Ich weiß nicht, wie viele Verhöre ich in den vier Jahrzehnten geführt habe, einige hundert waren es garantiert. Es ist wirklich ein psychologisches Spiel, das man da spielt, um letztendlich einen Beschuldigten zu überführen.“

Als störend empfinde er es, wenn die Tätigkeit der uniformierten Polizei im Vergleich zur Ermittlungsarbeit der Zivilbeamten weniger respektiert oder in drittklassigen Krimiserien oft als „niedere Arbeit“ dargestellt wird. „Tatsache ist, dass die uniformierten Kollegen fast immer die Ersten am Brennpunkt des Geschehens und damit der unmittelbaren Gefahr ausgesetzt sind. Vielleicht schreibe ich eines Tages auch ein Buch darüber.“