Bau- & Heimwerker-Markt-Besitzer fordert Solidarität. Fachhändler bleiben auf vorweihnachtlichen Produkten sitzen, Supermarktketten verkaufen sie aber.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 25. November 2020 (04:34)
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Adventkränze muss Franz Forster, Besitzer von Forsters Bau und Heimwerkmarkt, heuer als Verlustposten abschreiben, er hofft aber, dass er am 7. Dezember tatsächlich wieder aufsperren kann, und die Kunden dann doch noch ihre Weihnachtsdekoration bei ihm erwerben.
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„Ich bin für die Schließung der Geschäfte, weil die Gesundheit natürlich Vorrang hat. Allerdings sollte die Basis für alle gleich sein und das ist sie nicht“, sagt Franz Forster, Besitzer von Forsters Bau & Heimwerker-Markt. Schon im Frühjahr habe man durch den abrupten Lockdown Blumen und andere Pflanzen im benachbarten Altstoffsammelzentrum entsorgen müssen.

Zeitgleich hätten große Handelsmärkte in der Region Blumenlieferungen bekommen. Vor Beginn der Karwoche habe der Lebensmittelhandel dann zwar verkündet, man werde aus einem Solidaritätsakt heraus keine Non-Food-Produkte mehr verkaufen, tatsächlich sei das aber dann nur am Karsamstag so passiert. „Sie haben also in der Karwoche noch den ganzen Umsatz mitgenommen, während wir die Osterware aus den Regalen räumten“, sagt Forster.

Jetzt wiederhole sich das Ganze. Denn an einen Verkauf von Adventkränzen und Weihnachtsternen sei am 7. Dezember natürlich nicht mehr zu denken. „Bei den Handelsriesen werden jetzt aber jede Menge Adventkränze und Blumen angeboten. Da fragt man sich, wo die im Frühjahr angekündigte Solidarität bleibt.“

Forster weist darauf hin, dass laut Regierungsverordnung Lebensmittelhändler eigentlich nur ihr typisches Sortiment verkaufen dürften. „Stattdessen wird aber gerade von einer Handelskette in Flugblättern mit bis zu 25 Prozent Rabatt auf Textilien, Schuhe und Reisekoffer geworben. Offenbar gehört also ein Reisekoffer jetzt schon zu den Grundgütern, denn laut Verordnung darf man das Haus ja eigentlich nur verlassen, um sich mit den zum Leben notwendigen Waren zu versorgen. Das wäre zur Eindämmung der Pandemie auch sinnvoll, weil dann weniger Leute unterwegs wären!“

Hoffen auf Öffnung am 7. Dezember

Leider, so Forster, hielten sich die Handelsketten, bis auf eine, nicht an die Vorgaben der Regierung. „Besonders bedenklich finde ich, dass Rechtsabteilungen jede Silbe der Verordnung prüfen, um ein Schlupfloch zu finden, damit man aus der Gesundheitskrise noch Profit schlagen kann.“ Das Argument, dass der Lebensmittelhandel ja keinen Umsatzersatz erhalte, greift für ihn nicht. „Sie haben eh im Frühjahr genug Umsatz gemacht, und da haben wir keinen Ersatz bekommen.“ Mit welcher Unterstützung er selbst diesmal vom Staat rechnen kann, weiß Forster noch nicht. „Das hängt davon ab, wie viel verderbliche und nicht verderbliche Ware man hat. Die Höhe ist noch unklar.“

Seine sieben Mitarbeiter hat der Unternehmer in Kurzarbeit geschickt. Er hofft, dass er am 7. Dezember tatsächlich wieder öffnen kann. „Denn wir haben uns natürlich mit Weihnachtsdeko eingedeckt, das ist bei uns immer eine große Abteilung, und natürlich wollen wir davon noch viel verkaufen.“ Forster wünscht sich, dass seine Kunden ihm die Treue halten und auch honorieren, dass der Handel durch die Schließung dazu beiträgt, das Virus einzudämmen.

Schützenhilfe bekommt der Unternehmer von seiner Interessensvertretung. „Die Wettbewerbsverzerrung, die wir dieser Tage erleben, bedroht viele familiär geführte Betriebe in ihrer Existenz! Es ist nicht einzusehen, dass das Sortiment der geschlossenen Geschäfte von manchen Handelsriesen während des Lockdowns weiterhin verkauft wird“, sagt der Amstettner Wirtschaftskammerobmann Gottfried Pilz.

Er fordert daher Fairness in der Wirtschaft ein und nimmt aber auch die Konsumenten in die Pflicht. „Bestellen wir unsere Waren doch bei einem der regionalen Onlineshops in Niederösterreich ( wko.at/noe/regionaleinkaufen ) und somit bei heimischen Betrieben oder noch besser: Warten wir mit dem Kauf der Weihnachtsgeschenke doch solange, bis die Händler in unserer Region wieder aufsperren dürfen“, sagt Pilz.