52-Jährige getötet: Prozess vertagt. Der Prozess um die Tötung einer 52-Jährigen im Mai vergangenen Jahres im Amstettner Stadtteil Greinsfurth ist Mittwochmittag in St. Pölten vertagt worden.

Von APA / NÖN.at und Melanie Baumgartner. Update am 17. Juni 2020 (13:42)
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Der Angeklagte unmittelbar vor Prozessbeginn
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Der Verteidiger des 40-jährigen Beschuldigten hatte die Ladungen des psychiatrischen Sachverständigen sowie von weiteren Zeugen beantragt, das Gericht leistete dem Folge. Fortgesetzt wird die Verhandlung am 16. Juli.

Die psychiatrische Expertise hätte am Mittwoch im Rahmen der Geschworenenverhandlung verlesen werden sollen. Verteidiger Michael Dohr forderte jedoch die körperliche Anwesenheit des Gutachters ein. Weitere Anträge des Juristen, die u.a. auf die Erstellung eines lückenlosen Bewegungsprofils aus den Handydaten des Angeklagten abzielten, wurden abgewiesen. Zum Begehren des Bewegungsprofils hatte Staatsanwalt Leopold Bien zuvor gesagt, dass die Erstellung rechtlich nicht durchführbar sei.

Mit einer Stellungnahme des Angeklagten ist der Prozess Mittwochfrüh fortgesetzt worden. Konkret bezieht sich diese auf die Spur des 40-Jährigen, die Spürhunde am Parkplatz ausfindig gemacht haben. Der Angeklagte war dort öfters spazieren, deswegen hätten die Hunde seine Spur wahrgenommen. Das bestätigte auch die Freundin des Mannes vor Gericht.

Zahlreiche Zeugen befragt

Im Anschluss wurden zahlreiche Zeugen befragt. Allesamt Mitarbeiter des Supermarktes, bei dem auch die Tote gearbeitet hat. Eine der beiden Verkäuferinnen, die mit der 52-Jährigen das Geschäft vor ihrem Tod verlassen hat, erinnert sich, dass ihr an dem Abend etwas komisch vorkam. „Wir müssen dieselbe Strecke nach Hause fahren. Normalerweise holt sie mich ein, weil ich relativ langsam fahre. Doch dieses Mal nicht“, erzählt die Zeugin.

Sie sei nachher noch einmal zum Parkplatz gefahren. Das Auto der Toten war aber weg, so die Zeugin. Sie hat dort auf die Tochter der 52-Jährigen gewartet, die in Begleitung eines Mannes gekommen ist. Die zwei haben dann auch die Leiche im Gebüsch gefunden. „Es hat so ausgesehen, als hätte sie jemand verstecken wollen“, beschreibt die Zeugin die Situation.

Über einen Vorfall mit einem Kunden, wie ihn der Angeklagte am Vortag beschrieben hätte, kann sich keiner der Mitarbeiter erinnern.

In den Zeugenstand wurde außerdem auch die Ex-Lebensgefährtin des 40-Jährigen gerufen.

Die ehemalige Lebensgefährtin des deutschen Staatsbürgers bezeichnete den Angeklagten im Zeugenstand als "sehr verlogen". Ihr Ex-Partner habe ihr sehr oft erfundene Geschichten erzählt, unter anderem, dass er in Frankreich geboren sei.

Frage nach Motiv noch offen

Offen blieb unterdessen auch am Mittwoch die Frage nach dem möglichen Motiv für die Bluttat. Mehrmals war im Prozessverlauf die Rede davon, dass sich der zuletzt arbeitslose 40-Jährige mit kleineren Betrügereien über Wasser gehalten haben könnte. Der Deutsche bestritt aber stets, in Geldnot gewesen zu sein.

Die Leiche der 52-Jährigen war am späten Abend des 28. Mai vergangenen Jahres in einem Gebüsch neben dem Parkplatz des Einkaufszentrums WestSide City entdeckt worden. Der Beschuldigte wurde rund zwei Monate später festgenommen. Bei ihm wurde das Handy des Opfers gefunden, zudem wird der Mann von DNA-Spuren u.a. an der Kleidung und dem Körper des Opfers belastet. Vorgeworfen wurden dem 40-Jährigen Mord und schwerer Raub. Beides wurde von dem Deutschen bestritten.