Sozialstunden als Vorweihnachtsgeschenk für Dieb. Etwas ungeschickt hatte sich ein Supermarktangestellter in Neufurth (Bezirk Amstetten) verhalten, als er mehrmals Geld aus dem Tresor stahl. Das wirkte sich jedoch positiv auf den Ausgang seiner Verhandlung aus.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 09. Dezember 2020 (17:10)
Landesgericht St. Pölten Symbolbild
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NÖN

„Das war so padschert, dass es ein Wahnsinn ist“, sagt der Richter und betrachtet den Angeklagten nachdenklich. Vier Mal hatte der 27-jährige Supermarktangestellte mehrere tausend Euro aus dem Tresor seiner Filiale genommen. Zuvor hatte er jedoch jedes Mal den Ist-Stand an der Kassa festgehalten, wodurch im Endeffekt sehr genau nachvollziehbar war, wie viel er gestohlen hatte: und zwar über 22.000 Euro insgesamt.

Er ist rundum geständig. Als einziger männlicher Mitarbeiter habe er das Geld auf der Herrentoilette versteckt, erzählt er, es bei Ladenschluss eingesteckt und nach draußen gebracht. Bis schließlich auffiel, dass etwas fehlte und ihn die Polizei erwischte.

Keine Gewerbsmäßigkeit: Diversion

Der Angeklagte selbst bezeichnet die Tat als „Dummheit“, die Verlockung sei zu groß gewesen. Mit dem Geld wollte er seiner damaligen Freundin imponieren, er habe aber vorher noch nie etwas gestohlen und sich nicht viel dazu überlegt.

Das meint der Richter allerdings auch, er geht nicht davon aus, dass der Angeklagte einen großen Plan bei der Sache verfolgte: „Es war ja völlig klar, dass das auffällt.“ Auch wenn er vier Mal zugegriffen hat, sieht es der Richter in diesem Fall nicht als Gewerbsmäßigkeit.

Schlussendlich bekommt der Angeklagte eine Diversion angeboten: 120 Stunden gemeinnützige Arbeit und Schadenswiedergutmachung in voller Höhe, beides ist innerhalb von sechs Monaten abzuleisten. „Das ist ein Vorweihnachtsgeschenk an Sie“, sagt der Richter. Der Angeklagte atmet erleichtert auf und akzeptiert, auch die Staatsanwaltschaft ist einverstanden.