Greinsfurth-Mordprozess: Geschworene beraten. Der Prozess gegen einen 40-jährigen Angeklagten der Ende Mai 2019 auf einem Parkplatz in Greinsfurth bei Amstetten eine 52-jährige Frau ermordet und beraubt haben soll, wurde am Dienstag am Landesgericht St. Pölten fortgesetzt.

Von Markus Huebmer. Erstellt am 01. September 2020 (12:25)
Landesgericht St. Pölten 1 © Erna Kazic (Medium).JPG
Erna Kazic

Zu Beginn der Verhandlung brachte die Verteidigung noch zwei neue Beweisanträge ein. „Es geht darin um die Auffindung des Handys meines Mandanten, das in die Donau gefallen ist und der anschließenden Auswertung der Lokalisierungsdaten durch einen Sachverständigen“, sagte der Verteidiger.

Der Staatsanwalt bezeichnete die beiden Anträge als absurd, sei das Mobiltelefon seit vergangenem Jahr ohnedies bereits schon wegschwemmt worden, alle verfügbaren Lokalisierungsdaten auf einem Server abgespeichert: „Wenn die Daten dort nicht gespeichert sind, dann gibt es sie nicht, schon gar nicht lokal auf einem einzelnen Mobiltelefon.“ Auch das Gericht kam zu diesem Entschluss und wies die beiden Anträge ab.

Der Staatsanwalt betonte die eindeutige Beweislage gegen den Angeklagten. Über die in der heutigen Verhandlung vorgebrachten Beweise des verlorenen Handys und dem Aufenthalt des Angeklagten vor dem Abend in Greinsfurth: „Es geht nicht um das Handy in der Donau, nicht um den Ausflug auf’s Hochkar - wo der Angeklagte vor dem Tatzeitpunkt am selben Tag noch gewesen sein soll.

Am Parkplatz in Greinsfurth wurde im Vorjahr „über mehrere Minuten hinweg das Opfer gewürgt, bis der Tod eintrat und um auf Nummer sicher zu gehen wurde mit einem Schnitt ein Blutgefäß an der Hand durchtrennt und die Wertsachen hat er an sich genommen“, sagte der Staatsanwalt.

Dem entgegnete der Verteidiger: „Wenn Sie auch nur den leisesten Zweifel haben, dann sprechen Sie den Angeklagten frei“, sagte der Verteidiger gegenüber den acht Geschworenen „... und ich glaube, es gibt genug Zweifel: Die Verletzung an der Nase, die Handyeinloggung um 21 Uhr beim Tatort, die ein Täter nicht machen würde, die DNA-Spuren im Auto, wo der Angeklagte doch Handschuhe getragen hat, letztlich hat mein Mandant kein Motiv.“

Am Schluss noch der Angeklagte: Er ging auf seine Familienverhältnisse ein, die zwar von außen betrachtet nicht gut seien. Aber es liege an ihm selbst dies zu beurteilen. Er bestritt den Vorwurf des Mordes und Raubes vehement: „Ich habe keinen Grund der Frau etwas zu tun. Nur sie könnte mich entlasten.“

Das Gericht zog sich zurück. Die Geschworenen entscheiden nun über die Schuld des Angeklagten und die Strafe. Diese kann von 10 Jahren bis zu lebenslänglich betragen.