Herbergssuche: 100 Jahre alte Tradition

Erstellt am 24. Dezember 2014 | 05:38
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Foto: NOEN, Doris Schleifer-Höderl
Seit 1914 ist die Herbergsgruppe Empfing ohne Unterbrechung aktiv und trägt jedes Jahr an den letzten Tagen vor Weihnachten ein Marienbild von Haus zu Haus.
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Auf Initiative von Pfarrer Adolf Hilber wurde im Jahr 1914 der Brauch der Herbergssuche nach dem Satz der Weihnachtserzählung des Evangelisten Lukas „… weil in der Herberge kein Platz für sie war“, in der Pfarre Stephanshart eingeführt. Die Empfinger Frauen erhofften sich durch ihre Gebete ein baldiges Kriegsende und das rasche Heimkehren ihrer Männer und Söhne aus dem Ersten Weltkrieg.

„Einhundert Jahre ohne Pause ist eine Seltenheit!“

Pfarrer Gerhard Gruber ist erfreut, dass sich die Tradition bis heute ungebrochen fortgesetzt hat. „Vor allem einhundert Jahre ohne Pause ist eine Seltenheit!“ Zum Herbergssuchen wird in Empfing ein Marienbild von Haus zu Haus getragen. Das Bild macht in den letzten neun Tagen vor Weihnachten die Runde von einer Familie zur anderen. Es erhält für die Zeit seiner Anwesenheit in der jeweiligen Herberge einen Ehrenplatz.

In Gebeten und Liedern wird die Mutter Gottes eingeladen, das jeweilige Haus, vor allem die Herzen der Anwesenden gleichsam als Herberge zu sehen, für sich und ihr Kind.

Vor Maria Empfängnis am 8. Dezember treffen die neun Damen der Empfinger Herbergsgruppe zusammen, um per Los die Reihenfolge der Herbergssuche zu bestimmen. Wer das Los mit der Nummer Neun zieht, bei dem bleibt dann das Marienbild nach der Herbergsuche das ganze Jahr über im Herrgottswinkel stehen.

Unverzichtbarer Bestandteil im Jahreskreis

Bei Johanna Tagwerker, die bereits als kleines Mädchen immer an der Herbergssuche teilnahm und mit Unterbrechung seit dem Jahr 2002 wieder mit dabei ist, verbleibt es in diesem Jahr. „Schon einmal war es bei mir und ich freue mich sehr darüber“, berichtet sie den NÖN.

Die neun Tage der Herbergssuche sind für Johanna Tagwerker (88), Johanna Roucka (84) und Elfriede Heuberger (74) ein wichtiger, unverzichtbarer Bestandteil im Jahreskreis. Heuberger gehört seit zwei Jahrzehnten der Herbergsgruppe an, Frau Roucka seit sechzig Jahren.

„Wir versammeln uns jeden Nachmittag in einem anderen Haus und beten den Rosenkranz. Anschließend wird das Marienbild zu Fuß ins nächste Haus in Anspielung an den Gang Marias zu Elisabeth getragen. Die neuen Gastgeber empfangen das Bild in einer kleinen Feier. Da beten wir die Litanei und ein paar Vater Unser. Danach sitzen wir noch gerne zum Plaudern zusammen.“

Gemeinschaft und Tradition wird im Empfing eben nach wie vor groß geschrieben. „Gerade in Zeiten wie diesen, wo der Alltag oft von Stress und Hektik überlagert ist, tut es gut, sich zu besinnen, in sich zu gehen und Danke zu sagen“, ist die Empfinger Herbergsgruppe überzeugt. „Das Leben ein wenig mit Demut sehen, schadet niemandem.“

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