„Viele abnorme Formen“ bei Erdäpfelernte

Erdäpfelernte im Stift Seitenstetten wird demnächst abgeschlossen, die Erträge sind zufriedenstellend, aber viele Knollen sind unförmig. Bauern hoffen auf Akzeptanz der Konsumenten.

Aktualisiert am 06. Oktober 2021 | 12:54
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Erdäpfel-Erntegespräch im Hofgarten des Stiftes: Ausstellungskurator Mathias Weis, IGE-Obmann Franz Wanzenböck, Abt Petrus Pilsinger und Vizepräsident Lorenz Mayr (von links). 
Foto: Penz

Erdäpfel haben im Stift Seitenstetten Tradition, was in der Sonderausstellung „400 Jahre Erdäpfelpioniere“ – geöffnet bis 31. Oktober – ausführlich gezeigt wird, schrieb doch Abt Kaspar Plautz ein originelles Buch über den ersten Erdäpfel-, Süßkartoffel- und Topinambur-Anbau im Stiftsgarten. „Sogar das Rezept für Erdäpfelsalat publiziert er 1621 darin schon“, freut sich Abt Petrus Pilsinger über die Jubiläumsausstellung, die von Agrarwissenschaftler Mathias Weis kuratiert wurde. Die Landwirtschaftskammer NÖ und InteressenGemeinschaft Erdäpfelbau (IGE) luden daher am 4. Oktober zu ihrem traditionellen Erntegespräch in das Glashaus des Hofgartens, um die aktuellen Entwicklungen im Erdäpfelbau zu analysieren. In Österreich werden bei regional großen Unterschieden gute Erträge erwartet. Lorenz Mayr, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer NÖ, ist überzeugt: „Wir Landwirte liefern hochqualitative regionale Lebensmittel und sorgen dafür, dass ganzjährig (Bio-)Erdäpfel in bester Qualität zur Verfügung stehen – selbst wenn dieses Erdäpfeljahr durchaus fordernd war.“

Drahtwurm verursacht erhebliche Schäden

Er verwies auf die verzögerte Vegetation im kühlen Frühjahr und die anhaltende Hitze und Trockenheit im Juni. Erst der August wäre wettermäßig ideal gewesen, aufgrund der späten Niederschläge aber setzten die Pflanzen weniger und auch unförmige Knollen an. „Heuer gibt es viele abnorme Formen, die zwar geschmacklich einwandfrei sind, wovon aber ein Großteil aussortiert werden muss. Wir hoffen trotzdem auf die Akzeptanz der Konsumenten“, sagt Franz Wanzenböck, Obmann der IGE.

Heuer wie auch schon in den vergangenen Jahren hat der Schaddruck durch den Drahtwurm auf den Äckern massiv zugenommen. „Das führt zu erheblichem Mehraufwand, denn die vom Drahtwurm befallenen Partien müssen mit viel Personal- und Kostenaufwand aufbereitet und aussortiert werden, um einwandfreie Ware bereitstellen zu können“, so Wanzenböck. Praxistaugliche Lösungen stehen daher im Mittelpunkt der Forschung; es braucht dringend Strategien, um die weitere Drahtwurm-Verbreitung zu verhindern.

Sowohl Landwirtschaftskammer als auch IGE arbeiten intensiv am Projekt „Drahtwurm-Control“ zur (in-)direkten Bekämpfung. Hierfür ist eine Kombination von Maßnahmen erforderlich, stehen doch nunmehr manche Pflanzenschutzmittel nicht mehr zur Verfügung, sodass die Arbeit mit der Biologie des Bodens immer wichtiger wird.