Umdasch-Gruppe: „Das Querdenken ist erwünscht“

Umdasch-Gruppe setzt auf nachhaltiges Wachstum mittels neuer Geschäftsmodelle und auch neu entwickelter Technologien.

Erstellt am 14. Juli 2021 | 05:09
Doka in Afrika
Mit mobilen Feldfabriken, wie jener hier im Bild, will die Doka vor allem in Afrika reüssieren. Produziert wird vor Ort und angepasst an den Bedarf. 
Foto: Doka

„Nachhaltigkeit und Stabilität sind uns sehr wichtig. Da haben wir ein Commitment mit den Eigentümern. Die Umdasch-Gruppe soll auch weiterhin zusammenbleiben, aber jede Division soll künftig noch mehr ihre Stärken ausspielen und wir wollen auch wachsen“, erklärt der neue Vorstandsvorsitzende Wolfgang Litzlbauer (52) die künftige Unternehmensstrategie.

Mit Anfang Juli hat in der Chefetage der Umdasch-Gruppe ein Generationenwechsel stattgefunden. Denn auch der internationale Schalungsspezialist Doka hat mit Robert Hauser (51) einen neuen CEO bekommen.

Gemeinsam arbeiten die Manager an der künftigen Ausrichtung des Amstettner Unternehmens, mit Niederlassungen in 170 Ländern und rund 8.800 Beschäftigten weltweit.

„Bei allem Bekenntnis zum Mostviertel, wollen wir auch die Internationalität forcieren!“ Vorstandsvorsitzender Wolfgang Litzlbauer

Dass das Headquarter auch weiterhin in Amstetten sein wird, daran gibt es auch für Litzlbauer nichts zu rütteln. „Aber bei allem Bekenntnis zum Mostviertel, wollen wir auch die Internationalität forcieren“, betont der neue Vorstandsvorsitzende. Das soll sich künftig auch am Personalsektor stärker bemerkbar machen.

„Ambitionierte Leute, die im Unternehmen Verantwortung übernehmen wollen, sollen durchaus mehr gesehen haben, als nur den Standort in Amstetten“  Wolfgang Litzlbauer

Der Wechsel zwischen den einzelnen Gruppen des Unternehmens, aber auch zwischen den Niederlassungen in den verschiedenen Ländern und Kontinenten wird gefördert. „Ambitionierte Leute, die im Unternehmen Verantwortung übernehmen wollen, sollen durchaus mehr gesehen haben, als nur den Standort in Amstetten“, sagt Litzlbauer.

Internationalität bedeutet für den Vorstandsvorsitzenden aber auch, neue Kunden in Ländern zu akquirieren, wo Umdasch bisher nicht tätig war. Die Kern-Märkte in Österreich, Deutschland und der Schweiz werden zwar weiterhin eine wichtige Rolle spielen, darüber hinaus will man aber einen Fokus auf Nordamerika legen und man fasst auch gleich einen ganzen Kontinent als Hoffnungsmarkt ins Auge: Afrika.

Dort haben sich chinesische Bauunternehmen bereits durch Projekte und Beteiligungen strategische Vorteile verschafft. Für Doka-Chef Hauser ist es daher auch für europäische Unternehmen höchst an der Zeit, dort aktiv zu werden.

Großer Bedarf für leistbares Wohnen

Bislang ist Umdasch in Afrika nur durch eine Partnerschaft in Subsahara-Afrika und in Ägypten präsent. Das soll sich ändern. „Der Markt ist deshalb so interessant, weil es einen großen Bedarf für leistbares Wohnen gibt. Aufgrund der Bevölkerungsdichte geht es darum, in kurzer Zeit eine große Anzahl von günstigen Wohnungen zu errichten – durchaus mit neuen Methoden“, sagt der CEO.

Wolfgang Litzlbauer sieht für Umdasch gute Chancen, mit dem Konzept der „mobilen Feldfabriken“ zu punkten, die in der Innovationsschmiede „Ventures“ des Konzerns entwickelt wurden: „Dadurch soll der kostengünstige Hausbau vor Ort mit Menschen vor Ort und Materialien vor Ort ermöglicht werden.“

Gerade die Division „Ventures“ will der neue Vorstandsvorsitzende künftig noch stärken, weil dort mithilfe neuer wegweisender Technologien die Antworten auf die brennenden globalen Herausforderungen gefunden werden sollen. „Das funktioniert im Sinne eines Start-ups, wo das Querdenken erwünscht ist und Neues Platz greifen kann. Aber auch Fehlentwicklungen werden rasch als solche erkannt und dann eben wieder eingestellt“, sagt Litzlbauer.

Kerngeschäft bleibt Bauindustrie

Kerngeschäft der Umdasch-Gruppe wird natürlich auch in Zukunft die Bauindustrie bleiben, doch will man sich dort breiter aufstellen. Unter anderem setzt man einen Schwerpunkt auf die Digitalisierung im Projektlebenszyklus des Baus. Eine Kombination aus Software, Sensorik und Methoden des Baumanagements soll die Arbeit auf Baustellen erleichtern und verbessern.

Gerade für Doka eröffnet der gezielte Einsatz von Sensoren in Schalungen neue Möglichkeiten zur Optimierung des Bauprozesses, weil damit zum Beispiel der Aushärtungsgrad des Betons genau erfasst werden kann. Das ermöglicht, den Zementeinsatz zu minimieren, was wiederum ein wichtiger Faktor in Sachen Umweltschutz ist. Denn gerade die Zementherstellung ist ein großer CO 2 -Treiber.

Klimawandel spielt große Rolle bei Überlegungen

Bei allen strategischen Überlegungen spielt in der Chefetage des Umdasch-Konzerns auch der Klimawandel eine zentrale Rolle, betont Litzlbauer. Man wolle Umweltbewusstsein nicht nur durch neue Technologien, sondern auch durch eine ausgeklügelte Logistik beweisen. Da Schalungen von den Kunden ja meist gemietet werden, habe man weltweit ein Netz von Lagern aufgebaut, um die Transportwege zu den Baustellen kurz zu halten und auch auf diese Weise CO 2 einzusparen.

Natürlich ist es für ein Unternehmen auch immer wichtig sich ein neues Kundenpotenzial zu erschließen. Doka hat das jüngst mit der Beteiligung am amerikanischen Gerüstehersteller AT-PAC getan. „Davon profitieren beide Unternehmen. AT-PAC hat ein gutes Produkt und wir haben durch unsere Niederlassungen in vielen Ländern ein sehr gutes Verteilsystem“, sagt Hauser. Gerüste kommen vor allem im Industriebereich zum Einsatz.

Kraftwerkbau eröffnet neues Kundensegment

Für den Kraftwerksbau oder auch die Errichtung von Raffinerien, wo hauptsächlich Stahl Verwendung findet, sind Schalungen natürlich ungeeignet, dafür wird aber eine enorme Zahl von Gerüsten benötigt – sowohl bei der Errichtung, als auch später für notwendige Erhaltungsarbeiten. „Das ist also ein kontinuierliches Geschäft mit langfristigen Verträgen. Doka eröffnet sich hier mit der Öl- und Gasindustrie sowie mit der Petrochemie ein neues Kundensegment mit einem sehr großem Potenzial“, sagt Hauser.

Vor allem die Doka bekam die Corona-Krise im Frühjahr 2020 durch die Einstellung vieler Baustellen in Asien und Lateinamerika zu spüren. Insgesamt laufen die Geschäfte der Umdasch-Gruppe trotz eines sieben prozentigen Umsatzrückganges (auf 1,411 Mrd. Euro) aber gut. Das Konzernergebnis belief sich 2020 auf 81 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote liegt bei rekordverdächtigen 61,4 Prozent.

Umdasch The Store Makers verzeichnete 2020 aufgrund des florierenden Lebensmittelhandels in der Pandemie keine Umsatzeinbußen. Und durch die Mehrheitsbeteiligung am türkischen Ladenbauer Madosan, der auf Metall- und Schwerlastregale spezialisiert ist, versucht man auch da, neue Kunden anzusprechen.