St. Georgen/Ybbsfelde über ein Jahr ohne Arzt. Gemeinde St. Georgen am Ybbsfelde will die Landarztgarantie in Anspruch nehmen, um die Praxis wieder zu besetzen. Die Suche nach einem fixem Arzt vor Ort läuft aber weiter.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 02. September 2020 (06:03)
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Am 1. Juli 2019 hat der praktische Arzt Werner Schwarzecker seine Ordination geschlossen. Seit damals sucht die Gemeinde vergeblich nach einem Nachfolger. Alle Inserate in regionalen und überregionalen Medien blieben letztlich erfolglos. „Im Frühjahr haben wir knapp vor einer Lösung gestanden und Gespräche mit einem Interessenten geführt. Wir waren uns fast einig, aber dann kam Covid-19 und hat alles über den Haufen geworfen“, berichtet Bürgermeister Christoph Haselsteiner. In Coronazeiten sei es nun noch viel schwieriger einen Arzt für eine Praxis am Land zu finden.

Dabei würde ein Mediziner in St. Georgen sogar eine barrierefreie, betriebsbereite Ordination in Gemeindebesitz vorfinden. „Wir haben das Inventar im Vorjahr drinnen gelassen, um einem neuen Arzt einen einfachen Start zu ermöglichen. Über die Ablöse hätte er selbst mit seinem Vorgänger verhandeln können. Jetzt führen wir als Gemeinde diesbezüglich Gespräche mit Dr. Schwarzecker“, berichtet der Ortschef.

Grund dafür: Nachdem die Ordination über ein Jahr unbesetzt ist, will St. Georgen die Landarztgarantie des Landes in Anspruch nehmen. Eine Voraussetzung dafür ist eine funktionierende Praxis. „Wir sind derzeit beim Abklären, wie wir in Sachen Landarztgarantie vorgehen müssen. Fix ist, dass wir einen Antrag stellen werden. In Mauer ist ja auch auf dieser Basis nun wieder ein Arzt einige Stunden in der Woche vor Ort“, sagt der Bürgermeister. Das müsse auch in St. Georgen möglich sein. Einen eklatanten medizinischen Versorgungsengpass ortet Haselsteiner in seiner Gemeinde zwar nicht, „weil es zum Glück im Umfeld noch genügend praktische Ärzte gibt, zu denen unsere Bürger wechseln konnten. Aber etliche dieser Ärzte nähern sich auch schon dem Pensionsalter. Wir müssen daher dringend an zukunftsfähigen Lösungen arbeiten.“

Bürgermeister lässt nicht nach

Für Haselsteiner ist gar nicht so sehr die Hausapotheke, die es in St. Georgen nicht gibt, der Knackpunkt für die Ansiedlung eines praktischen Arztes. „Gerade die jüngeren Ärzte und vor allem auch Ärztinnen wollen eine Ordination nicht mehr allein führen, sondern sich die Kassenstelle lieber mit einem Kollegen teilen“, sagt der Bürgermeister. In St. Georgen wäre es durchaus möglich, zwei Ärzten genügend Raum anzubieten. „Wir wollen ja das Gemeindeamt sanieren und erweitern. Da könnten wir auch gleich Ordinationsräume dazu bauen“, sagt Haselsteiner. Er versichert seinen Bürgern, dass die Gemeinde in ihren Bemühungen einen Mediziner nach St. Georgen zu holen, nicht nachlassen werde. Die Landarztgarantie sei da nur ein erster Schritt.

Zur Info: Die Landarztgarantie besagt, dass Praxen, die über ein Jahr unbesetzt sind, im Ausmaß von zehn Wochenstunden mit Medizinern aus Landeskliniken abgedeckt werden.