Erstellt am 16. Mai 2015, 05:55

von Hermann Knapp

Syrische Asylanten „ins Herz geschlossen“. Die zwei syrischen Flüchtlingsfamilien sind angekommen und haben bereits das Wohlwollen der Öhlinger gewonnen.

Auch der ÖAAB spendete 300 Euro für die syrischen Flüchtlinge (v.l.n.r.) Bruno Ertl, Maria Ertl, AAB-Ortsgruppenobmannstellvertreter David Kalteis, Pfarrer Pater Michael Prinz, ÖAAB-Ortsgruppenobmann Otmar Langerreiter und Pfarrgemeinderat und ÖAAB Kassier Friedrich Halbmayr. Foto: privat  |  NOEN, privat
Zwei syrische Familien sind ins alte Gemeindehaus in Öhling eingezogen. Die Kommune hat zwei Wohnungen mit 50 und 80 Quadratmetern Fläche zur Verfügung gestellt und die Pfarre hat diese mithilfe vieler Freiwilliger saniert.

Eine Familie mit drei Kindern (sechs, fünf und zwei Jahre) ist schon am 24. April angekommen. „Da wurde es fast stressig bei der Renovierung, aber es haben 15 bis 20 Leute mitgeholfen und so haben wir es rechtzeitig geschafft“, berichtet Pfarrer Pater Michael Prinz.

Pater besucht beide Familien täglich

Die zweite Familie mit vier Kindern (zehn, neun, sieben und drei Jahre) traf am 5. Mai ein. Die Väter sind schon früher nach Österreich gekommen und haben um Asyl angesucht. Nachdem sie den Status erhalten hatten, wurden ihre Frauen und ihre Kinder im Rahmen der Familienzusammenführung nachgeholt.

In Öhling sind die Flüchtlinge sehr gut aufgenommen worden. „Die Leute sind sehr verständnisvoll. Sie haben viele Sachspenden und auch Geld bekommen. Damit haben wir zum Beispiel Waschmaschinen und Gefrierschränke angekauft“, berichtet Pater Michael.

Er besucht die beiden Familien täglich und hat sie bereits ins Herz geschlossen. „Sie sind sehr freundlich und auch sehr dankbar für die Hilfe, die sie bekommen“, sagt der Geistliche. Da die Syrer nicht Deutsch und kaum Englisch sprechen, ist die Verständigung schwierig. Mit Händen und Füßen und mithilfe des Spracherkennungssystems des Handys (deutsch-arabisch) gelingt sie aber doch ganz gut.

Zu Fuß von Syrien nach Österreich

Hassan, der Vater der drei Kinder, berichtet von seiner abenteuerlichen Flucht. Nachdem sein Haus zerbombt worden war, hat er mit seinem Bruder in vier Monaten die Türkei, Griechenland und Mazedonien durchquert und ist über den Balkan nach Österreich gekommen. „In Mazedonien wurden wir beraubt, man nahm uns sogar Kleider und Schuhe weg“, berichtet der Syrer.

In Österreich angelangt suchte er um Asyl an. In Traiskirchen bekam er Kleidung und Essen und konnte duschen. Das war für ihn nach all den Strapazen eine richtige Wohltat.

Jetzt will er sich mit seiner Familie eine neue Existenz aufbauen. Sein Bruder und dessen Frau und Kinder wurden übrigens in Reinsberg aufgenommen.

Hilfe und Begleitung bei Behördengängen

In seiner Heimat war Hassan Lkw-Fahrer, arbeiten möchte er auch hier wieder, doch vorerst haben andere Dinge Vorrang. Es gilt noch Behördengänge zu erledigen, damit die Familie eine Unterstützung erhält. Auch da helfen Öhlinger mit und begleiten die Flüchtlinge zu den Ämtern.

Am Montag beginnt für die beiden Männer in Seitenstetten ein Deutschkurs. Rasch die Sprache zu lernen ist sehr wichtig. „Für die schulpflichtigen Kinder fängt der Unterricht an. Sie können zwar nicht deutsch aber die Lehrerinnen sind sehr engagiert und werden sich ihrer annehmen“, sagt Pater Michael. Ein Kind wird ab Montag den Kindergarten besuchen.

Der Pfarrer ist begeistert von der Freundlichkeit, mit der die Öhlinger die Flüchtlinge aufgenommen haben. „Ich habe kein böses Wort gehört. Ich verspüre überall nur große Hilfsbereitschaft und großes Wohlwollen. Aber das ist auch wichtig, denn die beiden Familien haben in den letzten Monaten ohnehin sehr viel durchgemacht.“