Mahnwache für Ärztin in Amstetten

Erstellt am 17. August 2022 | 04:31
Lesezeit: 2 Min
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Ärztin Silvia Reisner-Reininger bei der Mahnwache.
Foto: Gabriela Leimhofer
Mittwochabend versammelten sich rund 60 Personen am Hauptplatz, um Ärztin Lisa-Maria Kellermayr zu gedenken.
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Die in Oberösterreich geborene Allgemeinmedizinern Lisa-Maria Kellermayr wurde Ende Juli tot in ihrer Praxis aufgefunden. Der Obduktionsbericht bestätigte den tragischen Suizid der Ärztin, die sich bis zuletzt im Kampf gegen die Pandemie engagiert hatte. Schon Ende letzten Jahres bekam Kellermayr Drohungen von Impfgegnern. Trotz mehrmaliger Hilfeaufrufe an Politik und Polizei wurden die Drohungen immer konkreter und die Situation immer dramatischer.

Amstettner Bürger und viele Ärzte trafen sich am Mittwoch, um gemeinsam zu trauern und Bewusstsein zu schaffen. „Ärzte haben ihren Leib und ihre Seele dem Beruf verschrieben dem Nächsten zu helfen“, sagte Vizebürgermeister Markus Brandstetter.

„Überzeugt, das Beste für die Patienten zu tun“

Auch die Organisatoren der Mahnwache, die Ärzte Christian Eglseer und Silvia Reisner-Reininger, konnten für die Situation klare Worte finden. „Dr. Kellermayr hat sich, wie so viele von uns, dafür entschieden zu impfen, weil auch sie davon überzeugt war, nach dem Stand der Wissenschaft das Beste für ihre Patienten zu tun“, schilderte Reisner-Reininger. Dass die Medizinerin dies nun mit ihrem Leben bezahlte, wäre laut einem Großteil der Bevölkerung auch verhinderbar gewesen. Lisa Maria Kellermayr habe die Bedrohungen nicht hingenommen und klar dagegen Stellung genommen. Das sei ihr zum Verhängnis geworden. „Menschen, die respektlos in einer ‚Ich will, ich brauche und sie müssen‘-Gesellschaft andere bedrohen, vielfach anonym, tragen eine Mitschuld. Genauso wie jene, die die Hilferufe der Kollegin offenbar nicht ernst genug genommen haben“, sagte die Ärztin weiter.

Pater Sieder stimmte zu: „Mobbing ist ein großes Thema. Das Ziel der Mobber ist es, dass das Opfer aufgibt. Bei Dr. Kellermayr ging es so weit, dass sie sogar ihr Leben aufgab“. Gedenkfeiern oder Mahnwachen wie diese sollen nicht nur helfen die Trauer zu verarbeiten, sondern auch Bewusstsein in der Bevölkerung zu schaffen.

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