Polizist Gschöpf im Ruhestand: „Waren 38 tolle Jahre“. Der langjährige Postenkommandant der Polizeiinspektion Ulmerfeld, Karl Gschöpf, hat im Dienst viel erlebt. Nie vergessen wird er die Bewachung der Familie Fritzl in Mauer.

Von Doris Schleifer-Höderl. Erstellt am 09. November 2017 (04:42)
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Karl Gschöpf vor seiner imposanten Hausbibliothek, die von der Büste Alexanders des Großen bewacht wird. „Ich bin ein wahrer Bücherwurm! Ein Tag ohne Lesen ist für mich ein verlorener Tag!“
Doris Schleifer-Höderl

„Eigentlich bin ich diplomierter Sportlehrer. Durch Bekannte bin ich dann aber auf die Idee gekommen, Polizist zu werden. Bereut habe ich diesen Entschluss, im Nachhinein gesehen, keine Sekunde. Es waren 38 tolle Jahre!“, sagt Karl Gschöpf, bis Ende September Kommandant der Polizeiinspektion in Ulmerfeld. Er hat in dieser Zeit aber natürlich auch viel erlebt.

„Einmal hatten wir ein Jahr, da hat fast monatlich eine Person den Freitod auf den Geleisen der Westbahn gesucht. So etwas lässt dich einfach nicht kalt.“Karl Gschöpf

„Gewisse Einsätze kann man nicht vergessen. In Erinnerung wird mir immer die eineinhalb-monatige Überwachung der Opfer im Inzest-Fall Fritzl im Landesklinikum Mauer bleiben, die der Posten Ulmerfeld ja damals im Jahr 2008 übernommen hat“, berichtet Gschöpf. „Besonders beeindruckt war ich von der Persönlichkeit der damals 42-jährigen Elisabeth. Sie war eine extrem starke, gefestigte Frau, die sich rührend um ihre Kinder kümmerte.“

Auch für die begleitenden Polizisten seien die ersten Spaziergänge mit den jahrelang Eingesperrten auf dem Klinikgelände berührend und gleichzeitig irreal gewesen. „Eine Katze, ein Vogel – das alles war ihnen ja nur aus dem Fernsehen bekannt“, sagt Gschöpf. „Wir stehen bis heute mit der Familie in Kontakt und haben sie auch schon öfters auf der Dienststelle in Ulmerfeld zu Gast gehabt. Elisabeth und ich telefonieren noch immer in regelmäßigen Abständen miteinander.“

Nahe gingen Karl Gschöpf aber auch die Selbstmorde, mit denen er konfrontiert war. „Einmal hatten wir ein Jahr, da hat fast monatlich eine Person den Freitod auf den Geleisen der Westbahn gesucht. So etwas lässt dich einfach nicht kalt.“ Inzwischen ist die Strecke durch die Lärmschutzwände ja nicht mehr zugänglich.

Oft musste Gschöpf mit seinen Kollegen auch ausrücken, um nach Abgängigen aus dem Landesklinikum Mauer zu suchen und natürlich gab es auch Einsätze auf der B121, die im gesamten vierspurigen Bereich in die Zuständigkeit des Polizeikommandos Ulmerfeld-Hausmening fällt.

Einen Raser mit 218 km/h geblitzt

„Gott Lob hielten sich die Unfälle in Grenzen, die, die wir aber hatten, waren schlimm, weil das Tempo auf der Straße so hoch ist. Ich habe einmal bei einer Lasermessung unter tags einen Fahrer erfasst, der mit sage und schreibe 218 km/h unterwegs war, und das bei dem dichten Verkehr.“

Untergekommen ist Karl Gschöpf in seiner Berufslaufbahn vieles. Nichts Menschliches ist im daher fremd. „Vielleicht schreibe ich eines Tages sogar ein Buch darüber, mal sehen!“

Doch vorerst genießt der Neo-Pensionist, der seit zwei Jahren in Oed-Öhling wohnt, seinen wohlverdienten Ruhestand. Gschöpf, dessen erste Frau vor drei Jahren an einer schweren Krankheit verstarb, ist seit genau einem Jahr mit seiner Ulrike glücklich verheiratet und frönt mit ihr dem Hobby Reisen. „Wir sind soeben von den Kapverden zurückgekommen. Heuer waren wir schon in Kroatien, in Lienz, Dresden, Mittersill und Kitzbühel. Im Winter planen wir einen Badeaufenthalt. Mal sehen, wo es uns da hinführen wird.“

Von Krimis bis zu den Habsburgern

Doch Karl Gschöpf ist auch ein Musik-Genießer, sehr schätzt er vor allem Barockmusik von Georg Friedrich Händel, Antonio Vivaldi sowie Georg Friedrich Telemann. Natürlich ist er Stammgast bei den jährlich stattfindenden Melker Barocktagen. Und: Gschöpf besitzt eine Hausbibliothek mit mehr als 1.000 Büchern. Von Belletristik über Sachbücher reicht da die Auswahl.

Vor allem aber Krimis sowie Historisches vom Mittelalter bis zu den Habsburgern sind dort zu finden. „Ich bin ein wahrer Bücherwurm“, sagt er. „Besonders mag ich Donna Leons Commissario Brunetti! Denn der ist genial.“

Und es gibt sogar eine Parallele zwischen dem venezianischen Kriminalisten und dem ehemaligen Ulmerfelder Postenkommandanten. „Wir lieben beide gutes Essen“, sagt Karl Gschöpf schmunzelnd.