Erstellt am 26. Mai 2015, 09:37

von Otmar Gartler

Stunden sammeln für „schlechte“ Zeiten. Neues Arbeitszeitmodell bei Doka ist flexibel, basiert auf Freiwilligkeit und könnte in Branche richtungsweisend sein.

Können mit dem flexiblen Arbeitszeitmodell in der Doka-Produktion in Amstetten gut leben: Jürgen Obiegli, Vorstand Doka Group (links), und Umdasch-Vorstandsvorsitzender Andreas Ludwig.  |  NOEN, Otmar Gartler
Ein flexibles und in Österreich bisher einzigartiges Arbeitszeitmodell bei Doka in Amstetten könnte auch für andere Konzerne zum Vorbild werden.

„Ermöglicht flexibel auf Schwankungen zu reagieren“

Nach achtmonatiger Kurzarbeit und zähen Verhandlungen der Belegschaftsvertretung mit der Konzernspitze wurde Anfang März bei der Umdasch-Tochter Doka Group ein Zeitmodell eingeführt, bei dem der Mitarbeiter in produktionsintensiven Zeiten Stunden auf ein „Vorsorgekonto“ sammelt und in „schlechten“ Zeiten dieses Stundenkontingent abbaut – ohne Einkommensverlust.

„Dieses Instrument ermöglicht, Produktionsspitzen in beide Richtungen abzufedern und flexibel auf kurzfristige Schwankungen reagieren zu können“, sagt Umdasch-Vorstandsvorsitzender Andreas Ludwig.

Das Leisten von Mehrstunden beruht für den Einzelnen in Selbstverantwortung auf Freiwilligkeit, ist aber für die Gruppe verpflichtend. Das bedeutet, dass die Mitarbeiter sich innerhalb eines Teams bei Bedarf freiwillig zur Leistung von Überstunden melden. Die Grundstunde kommt auf das Vorsorgekonto, den Überstundenzuschlag kann sich der Mitarbeiter ausbezahlen oder am Konto gutschreiben lassen.

Ein Wochenkontingent dient als Startbonus

Das freiwillige „Vorsorgekonto“ macht Doka seinen Mitarbeitern mit „zwei Zuckerln“ schmackhaft: Das Vorsorgekonto wird vom Unternehmen mit einem Startbonus von 38,5 Stunden, also einem ganzen Wochenkontingent, befüllt.

Zusätzlich gibt es ein Erfolgsbeteiligungsmodell mit bis zu 1,5 Monatslöhnen als Jahresprämie. Die Überstunden pro Mitarbeiter sind auf 680 Stunden begrenzt. „Ziel ist es, in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ein Jahr lang eine Drei-Tage-Woche fahren zu können – ohne Einkommensverluste für die Mitarbeiter“, betont Vorstandsvorsitzender Ludwig.

Der Arbeiterbetriebsrat ist mit dieser neuen Betriebsvereinbarung zufrieden: „Nachdem die Zwangsbeglückung durch ein ähnliches Modell – dabei hätte allein der Arbeitgeber bestimmt, wann die Überstunden zu machen sind – vor zwei Jahren von der Belegschaft mehrheitlich abgelehnt wurde, konnten wir jetzt erreichen, dass die Freiwilligkeit zu einem wesentlichen Punkt dieser Betriebsvereinbarung wurde. Damit bleibt der Mitarbeiter ,Herr der Dinge‘ und identifiziert sich damit. Die Belegschaft hat diese Vereinbarung darum bisher auch sehr gut mitgetragen“, sagt Arbeiterbetriebsratsvorsitzender Josef Steinböck.