Umweltbilanz: "Sind um Meilen voraus"

Erstellt am 20. September 2014 | 14:49
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Foto: NOEN
Bezirk Amstetten ist bei Ökostrom, Biomasse-Nahwärmeanlagen und Photovoltaikanlagen unumstrittener Vorreiter im Land. Neuer Schwerpunkt sind Elektroautos.
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Der E-Mobilität will der Umweltverband künftig verstärktes Augenmerk schenken. Für Obmann Anton Kasser sind Elektroautos dabei weniger Thema der Stadt als von ländlichen Gegenden. „Bei Wohnblöcken mit 40 Parteien kann man Elektroautos vergessen, denn wie sollen die Besitzer alle gleichzeitig auftanken?“ Am Land hätten viele Menschen aber ein eigenes Haus und eine Garage, wo das problemlos möglich sei. Kasser geht davon aus, dass sich die Reichweite der Autos steigert und sie daher auch für Private attraktiver werden. In einigen Gemeinden in NÖ, so der VP-Politiker, gebe es sogar schon das Modell des E-Car-Sharings – mehrere Familien würden sich da ein Elektroauto als Zweitfahrzeug teilen.

Im Bezirk haben auch schon etliche Kommunen E-Cars für ihre Bauhöfe angeschafft und die Zahl der öffentlichen Tankstellen wächst auch. „Eine Steckdose allein tut es aber nicht. Man braucht schon eine 20-kV-Leitung, denn das Auto soll ja in zwei bis drei Stunden aufgeladen sein“, sagt Kasser.

Der Umweltverbandsobmann legte in der Vorwoche die Energiebilanz für den Bezirk vor. „Wir haben derzeit 30.400 Haushalte und könnten theoretisch mehr als doppelt so viele mit Ökostrom versorgen“, freut sich Kasser. Vielen anderen Bezirken sei die Region damit um Meilen voraus. „Wir haben mit Abstand die meisten Biomasse-Nahwärmeanlagen und die größte elektrische Leistung an Biomasse-Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung. Es gibt auch nirgends so viele Photovoltaikanlagen wie in unserer Region.“

Geringer Einspeistarif 

Kaum ein Dach einer öffentlichen Einrichtung sei noch nicht damit ausgerüstet. Kasser vermutet, dass aufgrund der niedrigen Einspeistarife der Boom in den nächsten Jahren aber nachlassen werde. „Jetzt gilt es, die Speichertechnik zu verbessern. Denn was habe ich von einer Photovoltaikanlage auf einem Fußball-Vereinsgebäude, wenn ich den Strom dann nicht für die Flutlichtanlage nutzen kann“, sagt der VP-Politiker. Gut unterwegs ist die Region auch in Sachen Energiebuchhaltung, die Aufschluss über den Verbrauch der öffentlichen Gebäude gibt. „Künftig werden wir Schulen in der Region vergleichen und feststellen können, warum die eine mehr Energie benötigt, als die andere“, sagt Kasser.

Bei den Heizanlagen (28.000 gibt es im Bezirk) hält der Trend hin zu biogenen Brennstoffen an. 2004 betrug ihr Anteil am Brennmaterial 21 Prozent, inzwischen sind es 35 Prozent.

Was Kasser wurmt, ist die 3.000-Euro-Förderung, die die Ölindustrie Bürgern für den Einbau neuer Kessel anbietet. „Das ist der falsche Weg.“

In den letzten Jahren war der Bezirk auch Energie-Modellregion. 200.960 Euro an Fördergeldern flossen in den Bezirk – zum Beispiel für die Umstellung von Straßenlaternen auf LED-Technik in den Gemeinden. Der Bezirk wird sich auch für die nächste zweijährige Periode als Energieregion bewerben. „Ich würde mir da aber weniger Bürokratie wünschen“, sagt Kasser.

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