Amstettner Forstheide als Trittsteinbiotop

Erstellt am 16. Mai 2022 | 06:43
Lesezeit: 3 Min
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Vizebürgermeister Dominic Hörlezeder und Umweltgemeinderätin Michaela Pfaffeneder in der Forstheide. Mit einem Stück Naturwald will sich die Stadt am Projekt „Connect Forest Biodiversity“ beteiligen.
Foto: Stadtgemeinde
Klimawandel löst Wanderbewegung von Pflanzen und Tieren aus. Stadt will ihnen mit Naturwald eine „Raststation“ bieten.
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Der Klimawandel wirkt sich negativ auf die Biodiversität aus. Die zunehmende Geschwindigkeit des Artensterbens ist beängstigend.

Natürlich kann sich auch das Mostviertel und im Speziellen die Stadt Amstetten von dieser Entwicklung nicht einfach abkoppeln. Deshalb will sie sich nun mit einem Stück der Forstheide an einem Projekt beteiligen, das das Bundesforschungszentrum für Wald im Dezember 2021 gestartet hat. „Dabei geht es darum, Lebensräume zu vernetzen, um den verschiedenen Arten – von Moosen bis hin zu Säugetieren – eine Wanderung und Besiedlung von Gebieten zu ermöglichen, die aufgrund der Klimaveränderung besser für sie geeignet sind“, erklärt Vizebürgermeister Dominic Hörlezeder (Grüne). Experten gehen davon aus, dass es zu einer nordwärts und bergauf gerichteten Verschiebung der Arten kommen wird.

Das Problem ist dabei, dass die Lebensräume oft durch Barrieren wie intensive Landnutzung, Schienen oder Straßen voneinander getrennt sind, die es Pflanzen und Tieren schwer machen, in andere Habitate zu wechseln. Um so wichtiger sind für sie kleinere Flächen, die eine zeitweise Besiedlung oder Reproduktion erlauben, also quasi eine Art „Raststationen“, in der Fachsprache „Trittsteinbiotope“ genannt.

Genau so eine Zone einzurichten, strebt Amstetten mit der geplanten Teilnahme am Projekt „Connect Forest Biodiversity“ an. Der Gemeinderat hat schon im März grünes Licht für eine Bewerbung gegeben – mit einem Stück des Naturwaldes im Nordosten der Forstheide. „In diesem Bereich fördern wir die Entstehung von stehendem und liegendem Totholz, was wichtig für die Entwicklung der Trittsteinbiotope ist. Zudem legen wir eine große Zahl von Wegen und Trampelpfaden still, um dem Wald samt Fauna und Flora Raum für ungestörte Entfaltung zu geben“, berichtet Hörlezeder.

Felderhebungen über Zeitraum von zehn Jahren

Das Bundesforschungszentrum für Wald wird das Trittsteinbiotop in der Forstheide nun begutachten. Wenn es als geeignet für das Projekt befunden wird, dann sollen dort über den Zeitraum von zehn Jahren Felderhebungen stattfinden. Konkret sind damit Untersuchungen zur Waldstruktur und zur Entwicklung verschiedener Arten wie Gefäßpflanzen, Moosen, Pilzen, Flechten, Vögeln, Insekten und Säugetieren gemeint. „Ziel der Studie ist es, den Vernetzungseffekt zu untersuchen, also die Fähigkeit der Artengruppen sich von einem Lebensraum zum anderen zu bewegen“, sagt der Umweltstadtrat.

Amstetten verpflichtet sich, in diesen zehn Jahren keine waldbaulichen und waldwirtschaftlichen Eingriffe in diesem Bereich vorzunehmen, und bekommt dafür auch eine finanzielle Entschädigung.

Detaillierte Informationen zu Trittsteinbiotopen und für interessierte Waldbesitzer auch eine Anleitung, wie sie sich für das Projekt bewerben können, gibt es unter:

www.trittsteinbiotope.at

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