Anrainer gegen Wohnblöcke in Mauer. SP kündigte im Jänner Projekt „Junges Wohnen“ an. Bürger protestieren dagegen.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 13. Mai 2020 (05:10)
Anrainer haben Unterschriften gegen den möglichen Bau von drei Wohnblöcken auf einem Areal an der Amstettner Straße gestartet. Das Foto wurde natürlich unter Einhaltung der Corona-Regeln gemacht (eng stehende Personen gehören zusammen).
privat

In der heißen Phase des Gemeinderatswahlkampfs im Jänner verkündete der damalige SP-Sozialstadtrat Gerhard Riegler, dass in Mauer ein Projekt „Junges Wohnen“ auf der Zielgeraden sei. Auf einem Grundstück an der Amstettner Straße plane man gemeinsam mit der Genossenschaft „Die Siedlung“ die Errichtung von drei Häusern mit jeweils elf Wohnungen. Baubeginn könne noch heuer sein.

Nach der Wahl, die ja den politischen Umsturz brachte, und durch die Coronakrise ist es um dieses Projekt still geworden. Die Anrainer des Areals trauen dem Frieden aber nicht und laufen vorsorglich gegen das Vorhaben Sturm. „Wir haben ja nur aus den Zeitungen von dem Projekt erfahren. Ein Vorzeigeprojekt läuft anders ab und bindet Bürgerinteressen üblicherweise mit ein. Die Nicht-Kommunikation mit Anrainern wurde ja in der alten Stadtregierung perfekt gelebt. Es bleibt zu hoffen, dass die neuen Vertreter der Stadtgemeinde hier mehr Professionalität bei geplanten Projekten an den Tag legen und auch die Situation bzw. Wünsche der Anrainer berücksichtigen“, sagen die Bürger.

Sie befürchten durch die Wohnblöcke mitten im Kleinsiedlungsgebiet neben einem Wertverlust ihrer Eigenheime auch eine erhöhte Lärmentwicklung, ein verstärktes Verkehrsaufkommen sowie ein erhebliches Konfliktpotenzial mit den künftigen jugendlichen Nachbarn. „Unverständlich scheint in Zeiten des Klimawandels auch die weitere massive Flächenversiegelung durch den Bau von drei Wohnblöcken“, bemängeln die Anrainer zudem. Es fehle in Mauer einfach eine aktive Bodenpolitik sowie eine qualitativ hochstehende Ortsplanung.

Dorferneuerungwill vermitteln

Die Bürger haben auch schon 53 Unterschriften gegen ein mögliches Projekt gesammelt und sich an den neu gegründeten Dorferneuerungsverein Dolichenus Mauer gewandt. Dessen Obmann, Otto Hinterholzer, bietet sich in der Sache als Vermittler an. „Die Anrainer haben ja nichts gegen Junge, aber sie wehren sich dagegen, dass einfach in eine Siedlung drei große Wohnkomplexe hineingestellt werden“, sagte er.

Der nunmehrige SPÖ-Vizebürgermeister Gerhard Riegler ist von den Unterschriftenlisten gegen das Projekt überrascht, zumal dieses ja im Augenblick auf Eis liege. „Es stimmt aber, dass wir ein Projekt Junges Wohnen in Mauer umsetzen wollten. Wir haben uns damals auch mit der ÖVP auf diesen Standort verständigt, konnten uns dann aber nicht auf einen Bauträger einigen“, berichtet er. Riegler bestätigt, dass drei Blöcke mit je elf Wohnungen angedacht gewesen seien. Es habe eine Art Rohentwurf, aber noch keine ausgearbeiteten Pläne gegeben. Natürlich, so betont der SP-Politiker, hätten im Rahmen eines Bauverfahrens auch die Anrainer ihre Bedenken und Einwände vorbringen können.

Attraktiven Wohnraum für junge Menschen

„So weit waren wir aber noch nicht. Im Übrigen ist es nie darum gegangen, dort junge Leute anzusiedeln, die von zu Hause ausziehen, um Partys zu feiern, sondern jungen Menschen, die einen eigenen Hausstand gründen wollen, leistbaren und attraktiven Wohnraum zur Verfügung zu stellen.“

Riegler glaubt nicht, dass das Projekt nach dem politischen Wechsel in der Stadt noch eine Chance auf Verwirklichung habe. Tatsache sei aber, dass man sich über neue innovative Formen des Wohnens in allen Bereichen der Stadt Gedanken machen müsse. „Und wir, als SPÖ, werden dieses Thema auch forcieren“, betont er.

VP-Ortsvorsteher Manuel Scherscher erklärt, dass er derzeit weder Pläne noch einen Projektentwurf für „Junges Wohnen“ in der Amstettner Straße auf dem Tisch habe. Die SPÖ sei im Wahlkampf vorgeprescht, ohne mit den Anrainern zu sprechen. Deren Verunsicherung sei daher verständlich. „Junges Wohnen ist grundsätzlich eine gute Geschichte, aber da muss man sich zuerst im Stadtplanungsausschuss darüber unterhalten. Es wird sicher ein Thema der Stadtentwicklung sein, wo welche Wohnformen Sinn machen“, erklärt der VP-Politiker.