„Vater werden ist ganz leicht“

Erstellt am 02. April 2013 | 00:00
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Foto: NOEN
Benediktion / Rund 2.000 Gäste erlebten die Weihe des neuen Abts in der Stiftskirche Seitenstetten. Pater Petrus Pilsinger bedankte sich mit humorvollen Worten.
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Von Leopold Kogler

SEITENSTETTEN / Pater Petrus Pilsinger, OSB, wurde am Ostermontag in der Stiftskirche Seitenstetten bei einer feierlichen Benediktion zum Abt gesegnet.

„Wir sind froh und dankbar, dass wir einen bodenständigen und zugleich weltoffenen Abt haben.“ Dieser Ausspruch eines Besuchers aus dem Ort bringt die Stimmung auf den Punkt, die bei der Benediktion von Pater Petrus Pilsinger, bisheriger Direktor des Stiftsgymnasiums herrschte. Lag am Ostersonntag noch eine dicke finstere Nebeldecke über dem Benediktinerstift und der Innenhof war voller Schnee, so strahlte bei der Abtweihe die Sonne und die vielen Besucher brachten einen bunten Farbfleck schon vor der offiziellen Feierlichkeit in den Innenhof des Stiftes. Nur ein kleiner Wermutstropfen: Bei Frühlingswetter hätten die Videoübertragung und die Agape dort stattgefunden.

Stiftskirche platzte schier aus allen Nähten 

Alle in der großen Besucherschar spürten die Herzlichkeit und Beliebtheit des neuen Abts. Viele Gäste waren geladen, wesentlich mehr Besucher hatten sich eingefunden, sodass die Kirche schier aus allen Nähten platzte, als eine Reihe von Mönchen und Priestern einzog, um gemeinsam mit Diözesanbischof Klaus Küng den Festgottesdienst zu feiern und der Weihe von Petrus zum 63. Abt des Stiftes Seitenstetten beizuwohnen. Mit dabei auch Nuntius Peter Zurbriggen, Diplomat des Heiligen Stuhls, Weihbischof Anton Leichtfried, viele Äbte und eine große Zahl an Priestern. Von Landesseite war Landeshauptmannstellvertreter Wolfgang Sobotka zur Benediktion und Eucharistie gekommen.

Zu Beginn seiner Predigt sprach Diözesanbischof Küng die herzlichsten Glückwünsche aus und wünschte Abt Petrus Kraft und Stärke zur Führung des Klosters, des Vierkanters Gottes. Seine Predigt war getragen vor allem von Wünschen, die in Erfüllung gehen mögen. Zu allererst, dass das Stift seiner Aufgabe als Wertevermittler und Quelle des Glaubens sowie des Lebens in einer schwieriger gewordenen Zeit gut wahrnehmen könne. Natürlich ist es auch ein Wunsch, dass der Abt für seine Mitbrüder da ist. Abt Petrus hat dahin auch seinen Wahlspruch festgelegt. „Confirma fratres tuos“ (Stärke deine Brüder).

In der berührenden Predigt wurde dem Abt viel Zuversicht zugesprochen. Damit die vom heiligen Benediktus aufgestellten Regeln, nach denen ein Abt leben und handeln sollte, nicht zu kurz kamen, wurde Abt Petrus von Bischof Küng gefragt: „Bist du bereit, Deinen Gelübden treu zu bleiben, die Regel des heiligen Benedikts zu beachten und Deine Brüder dazu anzuleiten, sie zu Gottesliebe, zu einem Leben nach dem Evangelium und zur brüderlichen Liebe hinzuführen?“ Der Bischof wünschte ihm Kraft, Mut und viel Vertrauen in Gott und die Menschen.

Der Höhepunkt einer sehr würdig gestalteten Feier war die Übergabe der Insignien. Übergeben wurden dem Abt die Regel zur Führung der ihm anvertrauten Gemeinschaft sowie ein Ring als Zeichen der Treue und der Bindung. Danach setzte der Bischof dem neu Geweihten die Mitra auf und übergab ihm den Hirtenstab.

Sobotka übte Kritik an der Verweltlichung 

Landeshauptmannstellvertreter Sobotka überbrachte die Glückwünsche von Landeshauptmann Erwin Pröll, wünschte Abt Petrus viel Führungsstärke und bot die harmonische Weiterführung der gelebten Zusammenarbeit auch für die Zukunft an. Sobotka fand auch kritische Worte gegen den verstärkten Trend alles zu verweltlichen. „Das Jahr 2013 weist auch im 2013er-Jahr auf die Geburt Christi hin, eine Zeitrechnung, die man nicht wegdenken kann.“

„Vater werden ist ganz leicht, Vater sein dagegen schwer“, mit diesen Worten startete Abt Petrus seine Dankesrede. Denn einem Kloster vorzustehen, noch dazu einem Vierkanter Gottes, ist wie eine Vaterrolle, die nicht einfach ist. Auf teils sehr humorvolle Art und Weise vergaß er niemand Dank abzustatten, vor allem seinem Vorgänger Abt Berthold, den er mit einer Schachtel von Briefen der Mitbrüder überraschte. Seinen Mitbrüdern gehörte genauso der Dank wie seinen Eltern, die ja leider bereits in der Vollkommenheit sind, bis hin zu allen Mitwirkenden, Helfern und vor allem auch der Schulgemeinschaft.

Ein besonderes Anliegen war ihm der Dank an den Chor „Ad Libitum“, in dem er auch mitsingt. „Musik öffnet die Herzen“. Und zuallerletzt wünschte er sich noch geistlichen Nachwuchs. „Was ist ein Stift ohne Kinder?“ Nach der Messe ging es mit der Musikkapelle hinauf in den Meierhof zur Agape. Viele Gäste zeigten sich tief beeindruckt von dieser Feierlichkeit. Die Weihe hat sehr stark emotional bewegt.

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