Kidsnest Amstetten: Kinder stark verunsichert

Erstellt am 27. April 2022 | 04:03
Lesezeit: 2 Min
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Margit Pollheimer-Pühringer, Theresia Ruß, Dunja Baux und Daniela Radovanovic (von links) bieten Kindern und Jugendlichen Schutz und Hilfe.
Foto: Schleifer-Höderl
Pandemie, Krieg und neue Medien als große Herausforderungen. Zahl der Beratungen stark gestiegen.
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Das multiprofessionelle sechsköpfige Team des Kidsnest-Kinderschutzzentrums bietet seit mehr als zwei Jahrzehnten rasche, anonyme und kostenlose Hilfe für von Gewalt betroffene Kinder, Jugendliche und deren Angehörige. Im vergangenen Jahr gab es einen merklichen Anstieg bei den Beratungs- und Therapiestunden bei einem gleichzeitigen leichten Rückgang der Klientinnen und Klienten. „Wir haben 2021 zwar um 23 Personen weniger betreut als 2020, dafür haben wir um 676 mehr Beratungen und Therapien durchgeführt“, berichtet Kidsnest-Kinderschutzzentrumsleiterin Theresia Ruß. „Dieser Anstieg ist auf die Komplexität der Probleme zurückzuführen. Darüber hinaus haben sich durch die Pandemie einige Kinder und Jugendliche, denen es schon besser gegangen ist, erneut gemeldet, weil sie durch Corona in eine erneute Krise geschlittert sind.“

67 Prozent der Beratungen betrafen sexuelle, physische und psychische Gewalt. 15 Prozent entfielen auf Trennungs-, Scheidungs- oder Obsorge-Problematiken. 18 Prozent betrafen Verhaltensauffälligkeiten, innerfamiliäre Beziehungsschwierigkeiten und traumatische Erlebnisse.

Auch heuer beschäftigten das Team rund um Theresia Ruß die Folgen der Pandemie und deren Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche. Aber auch der Umgang mit den neuen Medien ist sehr präsent, ebenso das Thema Krieg. „Besonders auffällig war und ist die Spaltung durch das Impfthema in den Familien. Das belastet die Kinder und Jugendlichen sehr“, sagt Ruß. „Man merkt auch, dass sie im Umgang mit den neuen Medien allein gelassen werden, obwohl gerade jetzt Begleitung in diesem Bereich wichtiger denn je wäre. Die Unsicherheit der Erwachsenen überträgt sich auch auf die Kinder.“

Weiters ortet das Kidsnest-Team den Anstieg von armutsgefährdeten Kindern. „Bei unserer Weihnachtsaktion haben wir feststellen können, dass sich Kinder keinen Luxus wünschen, sondern alltägliche Güter wie etwa eine Haube oder neue Hausschuhe. Das sollte uns zu denken geben.“

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