Frauenhaus in Amstetten immer voll. Pandemie für Betreuerinnen und Schutzsuchende große Herausforderung.

Von Doris Schleifer-Höderl. Erstellt am 15. März 2021 (05:32)
Die Frauenhausmitarbeiterinnen Carmen Kessler, Maria Reichartzeder und Christa Mayr hatten im Vorjahr Corona-bedingt mit großen Herausforderungen zu kämpfen.
Schleifer-Höderl, Schleifer-Höderl

„Bis zum 10. März 2020 lief alles wie immer. Doch mit Beginn des ersten Lockdowns war nichts mehr normal. Unser Haus war voll“, berichtet Maria Reichartzeder vom Frauenhaus Amstetten. Insgesamt haben im vergangenen Jahr 43 Frauen und 45 Kinder – davon 26 Mädchen und 19 Buben – Zuflucht im Frauenhaus gesucht. Das waren um neun Frauen und zehn Kinder mehr als 2019. Vor allem die Verweildauer stieg an und so verzeichnete das Frauenhausteam 6.270 Nächtigungen.

Auffällig zu den vergangenen Jahren war auch, dass die Mehrzahl der Frauen, die durchschnittlich drei Monate im Frauenhaus bleiben, im Alter von 30 bis 32 Jahren alt waren und deren Kinder im Schnitt fünfeinhalb Jahre. „Zuvor war die Mehrzahl der Frauen zwischen 21 und 30 Jahre alt. An den Formen der Gewalt, denen die Frauen und ihre Kinder ausgesetzt waren, hat sich nichts geändert. Was zunächst mit Beschimpfungen und Einschüchterungen beginnt, steigert sich mit Schlägen und Prügeln bis hin zu massiven körperlichen Verletzungen.“

Für das Frauenhausteam war es eine große Herausforderung, die Gesundheit der Bewohnerinnen und ihrer Kinder sowie der Mitarbeiterinnen nicht zu gefährden. „Zu Beginn gab es keine Desinfektionsmittel, keine Masken, keine Tests. Wir haben uns daher entschieden, in zwei Teams zu arbeiten, um den Betrieb weiter aufrecht zu erhalten, falls eine Mitarbeiterin erkrankt. Die Nachtdienstfrauen waren auf Home-Office umgestellt und stets telefonisch erreichbar.“

Das Frauenhaus konnte auch von der Gemeinde eine kleine Wohnung anmieten und in kürzester Zeit durch Spendengelder einrichten, um Frauen, die in Quarantäne waren oder Symptome hatten, dort aufzunehmen. „In der Zwischenzeit haben wir uns alle auf das Leben mit Covid-19 eingestellt. Wir hatten bisher noch keine erkrankte Bewohnerin im Haus, sehr wohl aber Mitarbeiterinnen und Bewohnerinnen in Quarantäne.“

Herausfordernd war für das Frauenhausteam auch, dass die meisten Kinder noch im Vorschulalter waren, daher wurden spezielle Lernstunden entwickelt. „Es war wichtig, Strukturen zu schaffen. Auch für die Frauen. So haben wir etwa Gymnastikeinheiten im Freien angeboten, die sehr gut angenommen wurden. Überhaupt herrschte eine ungemeine Solidarität unter den Bewohnerinnen. Neuzugänge wurden nicht etwa schief beäugt, weil sie ja Corona haben könnten. Die Frauen haben zusammengehalten. Das war sensationell“, sagt Reichartzeder.

Nur 20 Prozent der Frauen kehrten nach ihrem Aufenthalt im Frauenhaus wieder zum Misshandler zurück, alle anderen konnten sich ein neues Leben aufbauen.

Insgesamt setzt die Pandemie, so das Betreuerinnenteam, Frauen enorm zu. „Das merken wir auch am Notruftelefon. Wir hoffen bald auf ein wenig Normalität, damit der psychische Druck weniger wird. Derzeit haben wir drei Frauen und sieben Kinder im Haus“, sagt Maria Reichartzeder. Momentan sind sogar Plätze frei. „Wir rechnen aber damit, dass sie bald wieder vergeben sind.“