Amstetten: Freibad war auch Aufreger im Gemeinderat. Heftig wurde im Gemeinderat am Mittwoch über die Zukunft des Bades diskutiert. Die SPÖ brachte den Antrag ein, einen Grundsatzbeschluss für den Erhalt des Freibades im Zentrum von Amstetten zu fassen. Bei ÖVP, Grünen und NEOS stieß sie damit aber auf Ablehnung.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 20. Mai 2021 (12:39)

Die Debatte, die dem Beschluss voranging, wurde teilweise sehr emotional geführt. Besonders hoch gingen die Wogen nach einem Statement von Grün-Mandatarin Sarah Huber die erklärte: "Amstetten muss ein Freibad haben und es wird auch ein Freibad haben - in Hausmening. Wir müssen endlich Amstetten als Ganzes sehen!"

Für SPÖ-Fraktionschef Helfried Blutsch ist diese Aussage "wie ein Faustschlag ins Gesicht." Amstetten ohne Freibad sei für ihn nicht denkbar, erklärte er und verwies auf dessen lange Geschichte und wichtige Rolle für die Menschen in Amstetten. Dass ein Bad immer  einen finanziellen Abgang verursachen werde, sei klar. "Aber das muss es uns für die Bevölkerung wert sein." 

"Sollen wir aufeinander hocken?"
SPÖ-Stadträtin Beate Hochstrasser

SPÖ-Stadträtin Beate Hochstrasser bangt um das Freibad in Hausmening. "An guten Tagen sind jetzt schon 1.000 Leute dort und da wollt ihr uns auch noch die ganzen Amstettner schicken? Sollen wir aufeinander hocken?", formulierte sie plastisch.

Zuvor hatte die SPÖ schon ihre Kritik an der von Schwarz-Grün angedachten Öffnung des Freibadareals in Amstetten hin zur Ybbs bekräftigt. Gemeinderätin Birgit Kern führte dagegen ökologische Bedenken ins Treffen. Sie fürchtet um den Lebensraum der Tiere und die Wasserqualität. "Denn die Leute, die dann dort baden werden sich sicher mit Sonnenöl einschmieren und irgendwann müssen sie auch auf die Toilette, die aber einen dreiviertel Kilometer entfernt ist. Was also werden sie tun?", überließ sie das der Phantasie der Gemeindepolitiker.

"Haben das miserabel kommuniziert"
Vizebürgermeister Dominic Hörlezeder

Grün-Vizebürgermeister Dominic Hörlezeder machte an diesem Abend aus seinem Herzen keine Mördergrube und gab Kern in "allen Punkten recht. Das Natura 2000-Gebiet darf natürlich keinen Schaden davon tragen, das ist auch mein Focus. Wir haben das miserabel kommuniziert, das gebe ich offen zu." Es werde an der Ybbs keine baulichen Veränderungen geben und es sei auch nicht das Ziel Hundertschaften von Menschen dort zu haben, versicherte der Grünpolitiker. "Ich sage es ganz bewusst. Ich will den Amstettner das Freibad nicht wegnehmen." 

ÖVP-Vizebürgermeister Markus Brandstetter betonte einmal mehr, dass man derzeit ja nur über einen Vorschlag rede, der noch geprüft werde. "Wir haben viele Rückmeldungen bekommen, die im Projekt ihren Niederschlag finden werden", erklärte er. Es sei aber auch Aufgabe der Stadtregierung auf die Finanzierbarkeit und die Folgekosten der Badsanierung zu achten. 

"Stehe nicht für Traumschlösser"
Bürgermeister Christian Haberhauer

Bürgermeister Christian Haberhauer betonte, dass ÖVP und Grüne bisher nur eine Vision präsentiert hätten. "Und Visionen darf und muss man haben. Wofür ich aber nicht stehe sind Traumschlösser, denn die können wir uns nicht leisten", betonte der Stadtchef. Es stehe für ihn außer Frage, dass die Bezirkshauptstadt ein Bad brauche. "Jetzt lassen wir den Planer planen und wenn er fertig ist, können wir auf diesem Konzept weiter aufbauen. Es wird Veränderung geben und das werden wir zulassen, so wie wir auch frei Meinung zulassen."