Vier Banküberfälle: Prozess in Steyr

Erstellt am 09. Jänner 2014 | 12:30
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Gericht
Foto: NOEN, Erwin Wodicka
Nach vier Banküberfällen in Ober- und Niederösterreich ist den mutmaßlichen Tätern am Donnerstag im Landesgericht Steyr der Prozess gemacht worden.
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Vier Männer und eine Frau - eine Bankangestellte - saßen auf der Anklagebank. Der 33-Jährigen, die in einem der betroffenen Institute beschäftigt war, wird vorgeworfen, sie habe die Räuber mit Tipps für die Taten versorgt.

Spielzeugauto hatte Schusswaffe vortäuschen sollen

Die Überfallserie startete am 24. Jänner 2013 im Steyrer Stadtteil Münichholz. Am 14. Juni wurde eine Bank in Vestenthal (Bezirk Amstetten) heimgesucht, am 27. Juni folgte ein Coup in Losensteinleithen (Bezirk Steyr-Land). Am 21. August wurde ein Geldinstitut in St. Marien (Bezirk Linz-Land) beraubt.

Insgesamt erbeuteten die Täter unter Einsatz eines Küchenmessers sowie einer unter einem Sackerl versteckten Fernbedienung für ein Spielzeugauto, was eine Schusswaffe vortäuschen sollte, rund 190.000 Euro. Kurz nach der letzten Tat klickten bei den vier mutmaßlichen Räubern im Alter von 22, 24, 30 und 34 Jahren die Handschellen. Im Oktober wurde die 33-jährige Bankangestellte verhaftet.

34-Jähriger wurde massiv belastet

Alle fünf Angeklagten zeigten sich in der Verhandlung grundsätzlich geständig. Sie waren an den Überfällen in unterschiedlicher Besetzung beteiligt. Der 34-Jährige wurde von den anderen massiv belastet. Er wurde als "Gehirn" bei allen Taten dargestellt, was er bestritt.

Laut seiner Verteidigerin wurde er von der Bankangestellten angestiftet. Sie habe ihm mehrmals Angebote für die Durchführung von Überfällen gemacht. Er habe auch zum Teil Geld bekommen, von dem er gar nicht gewusst habe, dass es sich um die Beute aus einem Raub handelte.

Haupt-Angeklagter soll Bank-Angestellte zu Hilfe gezwungen haben

Unterschiedliche Angaben der Angeklagten gab es zur Rolle der Frau. Sie soll den Tätern Insider-Tipps gegeben haben - u.a. wo sich Geld befindet und wann wie viele Personen Dienst haben - und dafür kassiert haben. Das bestritt sie.

Sie sei laut ihrem Verteidiger vom 34-Jährigen, mit dem sie eine Beziehung hatte, manipuliert und bedroht worden und habe ihm nur eine Liste der Filialen und die Zahl deren Mitarbeiter gegeben, was jedermann leicht im Internet eruieren könnte. Sie sei davon ausgegangen, dass nur ein Überfall ohne Einsatz einer Waffe verübt werde.

Die Einvernahmen der Angeklagten dauerten sehr lange. Dass das Gericht wie geplant noch am Donnerstag ein Urteil fällt, erschien am Vormittag unwahrscheinlich. Die Verhandlung im großen Schwurgerichtssaal wurde von zahlreichen Zuschauern verfolgt, zu einem erheblichen Teil waren es Angehörige der Angeklagten.
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