Anrainer erbost über Lärm bei religiösen Feiern. Religiöse Feiern mit Musik und lautem Gesang ziehen Nachbarn in Mauer den Nerv. Sie fühlen sich von offiziellen Stellen im Stich gelassen. Causa wird nun auch zum Politikum.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 05. September 2018 (06:32)
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Gemeinderätin Claudia Marksteiner (5.v.l.), Gemeinderat Markus Brandstetter und ÖVP-Ortsparteiobmann Manuel Scherscher trafen sich mit Anrainern des Volkshauses Mauer, die sich sichtbar nur eines wünschen: Ruhe.
ÖVP Amstetten

Anrainer beschwerten sich in der Vorwoche bei der ÖVP über regelmäßige Lärmbelästigung durch Veranstaltungen im Volkshaus Mauer. Ortsparteiobmann Manuel Scherscher, Gemeinderätin Claudia Marksteiner und Fraktionsobmann Markus Brandstetter trafen sich mit den Nachbarn, um sich ihre Klagen anzuhören.

„Fühlen uns von der Obrigkeit verlassen“

„Geöffnete Fenster bei weltlichen und religiösen Veranstaltungen, laute Gespräche der Mieter bis frühmorgens vor dem Volkshaus und Grillen direkt an der Grundstücksgrenze, wodurch der Nachbargarten verraucht wird, schürt den Unmut“, berichtet Brandstetter. Interventionen der Bürger beim Verein Volkshaus, bei SP-Ortsvorsteher Anton Ebner und sogar bei der Polizei hätten bislang nichts gefruchtet.

„Wir fühlen uns von der Obrigkeit verlassen. Für uns stellt sich die Frage, ob unsere Nachtruhe nichts wert ist? Zu schaffen macht uns der Gesang, der mit Mikrofon und Verstärker oft nur für eine kleine Gruppe von acht Personen vorgetragen wird. Zermürbend ist aber vor allem, dass es das ganze Jahr, jeden Sonn- und Feiertag von früh bis spät durchgeht“, erzählt Anrainerin Maria Theresia Reitbauer.

Auch für Nachbarin Ulrike Steinlesberger ist die Lage dramatisch. „Für uns ist es in Ordnung, wenn Hochzeiten oder Feste für den Ortsteil hier stattfinden. Es gibt ja sonst kein Gasthaus mehr. Jedoch ist es inakzeptabel, wenn jedes Wochenende und auch an Feiertagen von morgens bis spät nachts eine Lärmkulisse uns dazu zwingt im Haus zu bleiben oder überhaupt fortzufahren um Ruhe zu finden. Für manche in der Nachbarschaft ist der Punkt erreicht, wo sie laut darüber nachdenken, ihr Haus zu verkaufen und in eine ruhigere Gegend zu ziehen.“

„Ortsvorsteher muss endlich handeln“

Für die ÖVP haben Ortsvorsteher Anton Ebner und auch Bürgermeisterin Ursula Puchebner in der Causa massiven Handlungsbedarf. „Es ist Feuer am Dach. Als Politiker wird man dafür gewählt sich für die Bürger einzusetzen und nicht um die schützende Hand über einen nahestehenden Verein und dessen Einnahmequelle zu halten. Mit gutem Willen wäre das Problem sofort lösbar“, sagt Manuel Scherscher und sichert den Anrainern seine volle Unterstützung zu.

Für SP-Ortsvorsteher Anton Ebner geht es in der Causa vor allem um die Feiern einer armenischen Kirche, die oft den ganzen Sonntagnachmittag andauern und auch mit lauter Musik untermalt sind. „Ich verstehe, dass das die Anrainer stört, aber es steht in keiner Verordnung, dass das schon Lärmbelästigung ist. Ich habe natürlich mit dem Vereinsobmann gesprochen und darauf gedrängt, dass die Fenster des Volkshauses geschlossen bleiben. Das war bei diesem heißen Sommer aber natürlich auch schwierig“, sagt Ortsvorsteher Anton Ebner.

Die Möglichkeit dem Verein vorzuschreiben, an wen er seine Räumlichkeiten vermiete, habe er nicht. Grundsätzlich, so Ebner, sei für Lärmbelästigung die Polizei zuständig und von den Anrainern ja auch schon gerufen worden. Der Obmann des Volkshausvereines, Helmut Denk, war gegenüber der NÖN kurz angebunden: „Wenn die Polizei Grund hat zum Einschreiten, dann soll sie einschreiten, und wenn nicht, dann ist es in Ordnung.“