Politisches Erdbeben in Ferschnitz. Bürgerliste „Vielfalt für Ferschnitz“ schaffte auf Anhieb sieben Mandate. VP-Bürgermeister Hülmbauer überlegt Rücktritt.

Von Daniela Führer. Erstellt am 27. Januar 2020 (11:30)
Noch sind innerhalb der „Liste Robl – Vielfalt für Ferschnitz“ nicht alle Gemeinderatssitze verteilt. Fix ist vorerst, dass Jessica Fichtinger, Martin Robl und Tobias Stierschneider (von links) sowie (nicht am Bild) Christopher Fichtinger und Ulrike Stierschneider für die Bürgerliste in den Gemeinderat einziehen werden. „Mit so einem Ergebnis hat keiner von uns gerechnet, wir müssen jetzt noch vieles besprechen und beraten“, erklärt Listengründer Martin Robl amWahlsonntag.
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Mit Spannung wurde das Wahlergebnis in Ferschnitz erwartet, denn mit der Bürgerliste „Vielfalt für Ferschnitz – Liste Robl“ (VFF) gab es dieses Mal einen zusätzlichen Spieler bei der Wahl.

Und das Ergebnis hatte es tatsächlich in sich: Mit 34,6 Prozent der Stimmen gelang der Bürgerliste VFF die Sensation. Auf Anhieb erreichte sie sieben Mandate. „Drei Mandate waren das Ziel, mit sieben hat keiner von uns gerechnet“, zeigt sich Wahlsieger und Listenbegründer Martin Robl am Wahlsonntag überwältigt vom Zuspruch der Ferschnitzer. Der Ex-SPÖ-Mandatar hat sein erklärtes Ziel – einen Platz im Gemeindevorstand – damit erreicht.

Mehr noch: Aus seinem Team wird noch eine zweite Person geschäftsführender Gemeinderat. Wer, das ist noch offen. Ebenso wie die genaue Besetzung aller sieben Gemeinderatssitze: „Die ersten fünf Mandate sind so gut wie fix, über die weiteren müssen wir uns intern noch beratschlagen“, sagt Robl. Für ihn steht eine gute Zusammenarbeit mit allen Fraktionen im Gemeinderat an erster Stelle: „Ich hoffe, dass wir gut und konsensorientiert zusammenarbeiten können. Das ist auf jeden Fall unser Ziel.“

Als „wahnsinnigen Auftrag und große Verantwortung“ bezeichnet VFF-Mitglied Ingrid Schwarzenbacher den Wahlsieg der Bürgerliste. Man werde sich nun als Liste formieren müssen und die Visionen und Ideen konkretisieren. „Wir wollen die Wähler nicht enttäuschen!“

ÖVP: „Das ist ein ordentlicher Dämpfer“

Bürgermeister Michael Hülmbauer (ÖVP) zeigte sich erschüttert über das Abschneiden seiner Partei. „Das Ergebnis ist ein ordentlicher Dämpfer. Ich bin schockiert, da ich finde, wir haben in den letzten Jahren gute Arbeit geleistet“, sagt Hülmbauer. Wie es weiter geht, müssen nun interne Gespräche aufzeigen: „Wir setzen uns jetzt einmal in den Gremien zusammen und werden uns beratschlagen.“ Auch seine persönliche politische Zukunft sei noch offen: „Ich muss noch überlegen, ob ich weiter mache“, sagt er am Montag.

Ähnlich ging es dem Team der SPÖ Ferschnitz mit Obmann Peter Freund. Von drei auf eins schrumpfte die Zahl der Mandate der Sozialdemokraten. „Wir sind eigentlich sehr optimistisch in die Wahl gegangen. Die Stimmung uns gegenüber war sehr positiv. Dass wir so abgestraft wurden, ist für mich völlig unverständlich“, gibt Freund zu. Er werde jedoch weiter für die Werte der Sozialdemokratie einstehen und das SPÖ-Mandat im Gemeinderat annehmen.

Zur Gänze raus aus dem Gemeinderat heißt es wiederum für die FPÖ Ferschnitz und Fraktionschef Franz Vorderwinkler. Die Freiheitlichen konnten ihr einziges Mandat nicht halten. „Momentan ist es infolge der Unruhen innerhalb der FPÖ schwer für uns, beim Wähler anzukommen. Und das wird es auch weiterhin, solange die Turbulenzen nicht ausgeräumt sind. Wir kleinen Funktionäre kriegen nun die Hiebe dafür ab, was Strache angerichtet hat“, erklärt Vorderwinkler. Er blickt dennoch positiv in die Zukunft: „Nach einem Tief gibt es vielleicht auch wieder ein Hoch.“

 

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