Amstetten: Ein Frühstück mit dem Kanzler. Am Wochenende machte Christian Kern in Amstetten Halt und nahm sich Zeit für Gespräche mit den Bürgern.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 12. September 2017 (03:10)

„Sie müssen die Tiere schützen, denn die können sich nicht selber helfen“, sagt eine ältere Dame zu Christian Kern und drückt seine Hand dabei. Der Bundeskanzler, der sich an diesem Samstagvormittag am Hauptplatz viel Zeit nimmt, um mit den Leuten zu reden, verspricht es.

Zuvor ist Geduld gefragt: Der Tourbus hat Verspätung. Statt um 9.30 trifft er erst um 10 Uhr ein. Macht nichts. Die SPÖ hat die Wartezeit mit einem Frühstück verkürzt, Pussy’s Jazz-Quartett mit flotten Rhythmen. Die Stimmung ist gut, als Kern das Podium erklimmt.

Spitze gegen VP-Obmann Sebastian Kurz

Ein paar hundert Leute haben sich davor versammelt. Nationalrätin Ulrike Königsberger-Ludwig begrüßt den Kanzler und präsentiert ihm das regionale „Kern-Team“ für die Wahl. Dann ist er selbst am Wort. Und Kern weiß, wie er seine Botschaft an die Menschen bringt. Nicht mit hochgestochener Rhetorik, sondern mit Geschichten, die sie in ihrer Lebenswirklichkeit abholen. So erzählt er zum Beispiel von seinen Eltern, die einfache Leute gewesen sind. „Alles was ich bin, verdanke ich ihnen.“

Auch warum die Abschaffung des Pflegeregresses so wichtig war, zeigt er an einem Beispiel: „In Wien bin ich in einem Pflegeheim einer 88-jährigen Frau begegnet. Sie hatte zwei Lebensversicherungen und ein kleines Haus. Aber all das wurde ihr für die Pflege genommen. Jeden Monat kämpft sie darum, fünf Euro beiseite zu legen, um zu Weihnachten den Enkerln ein Geschenk kaufen zu können.“

Kern weist auf die 20.000 zusätzlichen Arbeitsplätze für Menschen über 50 Jahren hin, die geschaffen worden sind. All das tue die SPÖ für die „kleinen Leute“. Die ÖVP stehe hingegen auf der Seite der Wohlhabenden.

„Da machen einige Industrielle gerade das Geschäft ihres Lebens. Sie spenden ein paar Millionen im Wahlkampf und bekommen dafür Milliarden an Steuergeschenken zurück“, feuert der Kanzler eine Spitze gegen VP-Obmann Sebastian Kurz ab. Und er warnt vor Schwarz-Blau. „Das hatten wir schon einmal und das hat Rezeptgebühren, Pensions- und Sozialkürzungen gebracht. Wenn sie gewinnen, wird das wieder so.“