Spektakulärer Einsatz: 218 Tonnen in der Luft. Im Durchmesser elf Meter großer Rotor wurde im Kraftwerk Wallsee eingebaut.

Von Peter Führer. Erstellt am 24. Dezember 2019 (04:48)
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Am vergangenen Mittwoch kam es beim Verbund-Wasserkraftwerk Wallsee-Mitterkirchen zu einem spektakulären Arbeitseinsatz. Die Hauptmaschine 6 liefert seit nunmehr beinahe 52 Jah ren elektrische Energie. Ähnlich wie bei einem Auto-Service müssen auch die Turbinen einem Service unterzogen werden. Dabei wurde der 218 Tonnen schwere und elf Meter im Durchmesser große Rotor spektakulär vom Schiff abgeladen und wieder eingebaut. Zuvor war der Rotor 13 Wochen lang im Donaukraftwerk Aschach generalüberholt worden.

Millimeterarbeit beim Einbau gefragt

Per Schiff wurde er in siebenstündiger, nächtlicher Fahrt nach Wallsee retour transportiert und mittels zweier Portalkräne abgeladen. Der „fliegende“ Rotor schwang hoch in der Luft und musste mit viel Fingerspitzengefühl in den Bauch des Kraftwerks eingehoben werden. Die Einbauarbeiten sind Millimeterarbeit und erforderten höchste Konzentration der Mitarbeiter von Verbund und Andritz. Der elf Meter breite und 218 Tonnen schwere Ring ist nun wieder frisch renoviert und kann sich künftig wieder voll und ganz der Stromerzeugung aus Wasserkraft widmen.

Seit Ende August 2019 führt Verbund an der Hauptmaschine 6 eine Großrevision durch, die voraussichtlich bis März 2020 dauern wird. Neben den standardmäßigen Instandhaltungsarbeiten – wie Feststellung und Behebung von Abnützungen und Schäden am Korrosionsschutz – erneuerte man Anlagenteile und behob Leckagen im Rohrleitungssystem.

„Erstmals nach 50 Jahren Betrieb erfolgte auch beim Hauptgenerator und seiner Schaltanlage eine Generalsanierung“, so Kurt Schauer, Betriebsingenieur im Donaukraftwerk Wallsee-Mitterkirchen. Auch wurde nach mehr als 50 Jahren erstmals das Turbinenöl getauscht. „Das ist das Flüssigkeitsmedium, das Kräfte überträgt und für eine ausreichende Schmierung sorgt“, informiert Schauer und zeigt sich zufrieden, dass sich die ständige Pflege des Turbinenöls auf die 50-jährige Verwendungsdauer so äußerst positiv auswirkte.

Schauer ist erfreut über die Revisionsarbeiten und die Qualität der Maschine und ist überzeugt, dass sie die nächsten 50 Jahre weiterhin fleißig und problemlos ihrer Arbeit zur Stromerzeugung aus Wasserkraft nachgehen wird. Ziel der Kompletterneuerung ist nicht nur die Auffrischung der Lebensdauer, sondern auch die Erneuerungen an Turbine, Generator inklusive Schaltanlage, Transformator und das Kühlsystem des Maschinensatzes. Matthias Neckam von Verbund, Leiter der Rotor-Sanierung: „All diese Maßnahmen sollen künftig weniger Wartungsaufwand verursachen. Der Maschinensatz wird dank letztem Stand der Technik auch effizienter laufen.“

Insgesamt sollen bis 2025 alle sechs Maschinensätze ausgetauscht werden. Der Effizienzgewinn wird dann insgesamt 12 Millionen Kilowattstunden betragen, das entspricht dem Jahresverbrauch von 3.500 Haushalten.