"Verschleppt": Amstettner erst nach Corona im Spital. Josef Plaimer hatte einen gefühlt leichten Verlauf der Coronavirusinfektion. Doch die Erkrankung hatte ungeahnte Folgen und er warnt eindringlich davor, sie zu unterschätzen.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 19. Mai 2021 (04:41)
Josef Plaimer hat Corona und seine Folgewirkungen überstanden. Er warnt eindringlich davor, das Virus auf die leichte Schulter zu nehmen – auch bei einem leichten Infektionsverlauf.
Knapp, Knapp

„Corona ist eine ernstzunehmende Krankheit und man darf sich auch bei einem leichten Verlauf nicht in Sicherheit wiegen. Es können auch nach dem vermeintlichen Ende der Infektion noch schwere gesundheitliche Folgen auftreten“, warnt der ehemalige Amstettner Vizebürgermeister Josef Plaimer (76). Und er weiß, wovon er spricht, denn er hat es am eigenen Leib erfahren.

Den Anfang nahm die Misere vermutlich bei einem Begräbnis im März, an dem die Familie Plaimer teilnahm. Ende des Monats erkrankte seine Tochter, am 1. April dann seine Gattin.

„Ich habe dem Virus dann noch eine Woche tapfer widerstanden, aber am 7. April nachmittags fühlte ich mich nicht wohl, und ein Selbst-Test brachte ein eindeutiges Ergebnis, das am 8. April auch noch durch einen PCR-Test bestätigt wurde“, erzählt Plaimer. Das Virus erwischte ihn sozusagen in letzter Sekunde. Zwei Tage später hätte er einen Impftermin gehabt.

„Diese Krankheit ist vor allem durch die Mutationen noch immer ein unbekanntes Wesen.“ Josef Plaimer, Amstetten

Den Krankheitsverlauf beschreibt Plaimer selbst als eigentlich milde: Es begann mit Schüttelfrost, dann kam fallweises Husten dazu, auch leichte Heiserkeit, aber kein Fieber. „Es fehlten mir aber die Energie und der Biss, mich zu irgendetwas aufzuraffen“, schilderte er seine Symptome. Auch Geschmacks- und Gewichtsverlust waren typische Begleiter der Erkrankung.

Wirklich irritierend waren für Plaimer allerdings unregelmäßige und galoppierende Pulswerte, was er auch seinem Hausarzt mitteilte. Doch auch da lag natürlich die Vermutung nahe, dass dies der Covid-Infektion geschuldet sei.

„So vergingen die Tage. Die Müdigkeit blieb, ich brauchte einfach länger als früher, um Dinge zu erledigen, und musste auch immer wieder Atmungspausen einlegen. Aber alles in allem erschien mir das nicht kritisch“, erzählt der Am-stettner. Am 21. April wurde er deshalb von der Behörde auch aus der Quarantäne entlassen.

Was sich aber nicht beruhigen wollte, war Plaimers Pulsfrequenz. Schließlich schickte der Hausarzt ihn am 27. April ins Krankenhaus in stationäre Behandlung. „Und da kam bei den Untersuchungen zutage, dass bei mir ein verschlepptes Vorhofflimmern des Herzens vorlag, was durchaus durch die Covid-Erkrankung ausgelöst worden sein könnte.“

Bei einem Eingriff wurde das Herz sozusagen neu gestartet und damit wurde die Pulsfrequenzen wieder in geordnete Bahnen gelenkt. Aber noch eine andere wahrscheinliche Beeinträchtigung durch das Virus wurde bei Plaimer entdeckt, in der Lunge. Bei einer Nichtbehandlung hätte das zu Folgeschäden führen können“, erzählt er.

Der Amstettner rät allen Betroffenen, sich nach einer überstandenen Corona-Infektion unbedingt durchchecken zu lassen. „Diese Krankheit ist vor allem auch durch die Mutationen noch immer ein unbekanntes Wesen. Ihre Intensität und Auswirkungen dürfen nicht unterschätzt werden“, sagt Plaimer.