St. Valentiner Ehepaar: Lehrgang zur Pilgerbegleitung. Ein St. Valentiner Ehepaar pilgert auf berühmten europäischen Wegen sowie im Mostviertel und leitet Lehrgang zur Pilgerbegleitung. Dieser startet wieder im Herbst.

Von Josef Penzendorfer. Erstellt am 23. Mai 2020 (03:45)
Das Pilgerehepaar Marianne und Stefan Kimeswenger hat gemeinsam bereits 7.000 Pilgerkilometer in den Beinen.
Kimeswenger

Sie haben gemeinsam 7.000 Pilgerkilometer in den Beinen, 20 Mal zu Fuß Mariazell besucht, sind den spanischen und portugiesischen Jakobsweg wie auch zweimal den Franziskusweg nach Assisi gegangen. Dem St. Valentiner Ehepaar Marianne und Stefan Kimeswenger bedeutet Pilgern einfach eine heilsame Unterbrechung des Alltags, von der sie immer wieder gestärkt nach Hause zurückkehren:

„Beim Pilgern erlebt man vieles gleichzeitig: Man ist in der Natur unterwegs, erlebt sich in seiner Körperlichkeit, ist mit anderen auf dem Weg, kommt zu sich selbst und spürt das Eingebunden-Sein in Gottes Schöpfung“, betonen die Religionspädagogin und der Wirtschaftspädagoge und Betriebswirt übereinstimmend.

Immer mehr Menschen pilgern nach Santiago

Während 1987 knapp 3.000 Menschen am Jakobsweg nach Santiago unterwegs waren, sind es nun schon weit mehr als 300.000. Pilgern wird also immer beliebter, auch in Österreich. Wege zum Leben gemeinsam gehen – gerade auch in einer Zeit der Einschränkungen spüren Menschen die Sehnsucht nach Unterwegssein, ob allein oder in Gemeinschaft. Sie beschäftigen sich mit grundsätzlichen und bedeutsamen Fragen des Lebens, suchen Bewegung und Stille und wollen ihr Dasein vertiefen. „Immer mehr Menschen ziehen daher die Wanderschuhe an, packen den Rucksack und machen sich auf den Weg; und Pilgern ist ja zudem die ökologischste Art des Unterwegs-Seins!“, bringt die Leiterin des Bildungshauses St. Benedikt, Lucia Deinhofer, auch den Umweltaspekt ins Spiel.

„Pilgern ist ja die ökologischste Art des Unterwegsseins.“Lucia Deinhofer, Leiterin des Bildungshauses St. Benedikt

Für Gruppenwanderungen freilich braucht es ausgebildete Pilgerbegleiter, die spirituelle Impulse und auch organisatorische Unterstützung geben. Deswegen haben Marianne und Stefan Kimeswenger schon 2014 für das Bildungszentrum St. Benedikt und das Katholische Bildungswerk der Diözese St. Pölten einen zertifizierten Pilger-Ausbildungslehrgang erarbeitet, der im Herbst 2020 zum mittlerweile vierten Mal startet, wobei drei der fünf Module in den Klöstern Melk, Altenburg und Seitenstetten mit den dortigen Äbten stattfinden. Unter den weiteren prominenten Vortragenden finden sich der bekannte Linzer Moraltheologe Michael Rosenberger, der Bergretter Johannes Kurz, der Kommunikationspädagoge Erwin Lasslesberger oder auch die Theologin und Kommunikationstrainerin Christine Dittlbacher.

Zu den unverbindlichen Informationsabenden in St. Pölten oder Seitenstetten sind alle eingeladen, die Interesse am Pilgern mitbringen, sich auf eine umfassende Ausbildung in einer Gruppe einlassen und die Faszination des Pilgerns auch weitervermitteln wollen. Fünfzig Teilnehmer konnten schon als Pilgerbegleiter zertifiziert werden, darunter Brigitte Hofschwaiger aus Biberbach, die rückblickend meint:

„Pilgern ist Beten mit den Füßen! Es ist eine Freude, Natur und Glauben miteinander verbinden zu können und fünf Wochenenden mit Gleichgesinnten an ganz besonderen Orten zu verbringen!“ Und die Ökologin Agnes Scheucher aus St. Peter/Au ergänzt: „Pilgern entschleunigt, man nimmt die direkte Umgebung bewusster wahr. Temperatur, Regen und Wind betreffen einen unmittelbar. Die Schönheit der Natur wird spürbar, das Thema Nahrung und deren Produktion wird unmittelbar erfahrbar und mit unserem Glauben verbunden. So erdet und vernetzt sich unser Denken und Handeln wieder.“ Auch die Sonntagberger Anton und Johanna Knoll – bekannt durch ihre Eselwanderungen – denken mit Freude an die Gemeinschaft und die Begeisterung in den Arbeitsgruppen, die Referate und die wohltuende Atmosphäre des gemeinsamen Pilgerns zurück.

Weitere Info gibt es unter: www.st-benedikt.at