Herrin über 19.949 Bücher

Erstellt am 14. August 2014 | 07:01
Lesezeit: 3 Min
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
Web-Artikel 180616
Foto: NOEN, Doris Schleifer-Höderl
Die Amstettnerin Sylvia Wiesflecker ist Leiterin der Stadt- und ÖGB-Bücherei, aber auch privat bleibt sie den Büchern treu. Ein Tag ohne lesen ist für sie ein verlorener Tag.
Werbung
„Ich habe den schönsten Beruf der Welt, denn als erklärter Bücherwurm in einer Bücherei arbeiten zu dürfen, ist wahrlich ein Geschenk“, berichtet Sylvia Wiesflecker lachend. Nach der Handelsschule am Steueramt der Stadtgemeinde tätig, wechselte sie 1994 in die Bücherei und wurde sechs Jahre später deren Leiterin.

Sylvia Wiesflecker ist damit Herrin über insgesamt 26.488 Medien und davon sage und schreibe 19.949 Büchern. Denn so groß ist der Bestand der Amstettner Stadt und ÖGB-Bücherei.

Begonnen hat einst alles mit Karl May ...

Daheim hat die Neufurtherin auch einige volle Bücherregale. „Und es werden immer mehr“, meint sie schmunzelnd. „Seit ich denken – besser gesagt – lesen kann, begleiten mich Bücher.“ Begonnen hat alles mit Karl May, den hat die heute 50-Jährige regelrecht verschlungen. „Mädchenbücher waren nie so das Meine, ich wollte immer Abenteuer und Action.“

Das ist bis heute so geblieben, denn Sylvia Wiesflecker bevorzugt Krimis. Vor allem jene, die an bestimmten Orten oder in Städten spielen. Aber auch Zeitgenössisches liest die Büchereileiterin gerne. Momentan schmökert sie in „Funny Girl“ von Anthony McCarten.

Dabei geht es um eine junge Londonerin, die ihren kurdischen Eltern verkündet, Stand-up Comedian zu werden und die Burka nur auf der Bühne zu tragen. „Ich mag es, durch Bücher die Lebensweise anderen Kulturen kennenzulernen, weil man dadurch Vorurteile abbauen und Neues zulassen kann.“

„Am liebsten würde ich 24 Stunden damit verbringen!“

Lesen bedeutet für die Bücherfreundin Abenteuer im Kopf. „Da kann man sich an andere Orte und in andere Menschen hineinversetzen. Für mich läuft die Handlung dann immer regelrecht bildlich ab. Das macht für mich Lesen so spannend.“ Jährlich liest Sylvia Wiesflecker zwischen 40 und 50 Bücher, oft auch mehr. Besonders die Wochenenden sind bei ihr fürs Lesen reserviert, aber auch die Abende.

„Ein Tag ohne lesen ist für mich ein verlorener Tag. Am liebsten würde ich 24 Stunden damit verbringen!“ Obwohl die engagierte Bibliothekarin es schon ein paar Mal mit dem E-Reader probiert hat, bevorzugt sie doch das herkömmliche Buch. „Wie viele meiner Generation ist es mir wichtig, das Buch in Händen zu halten. Das klingt komisch, aber es fühlt sich einfach anders an.“

Ein Leben ohne Bücher wäre undenkbar

Hat Sylvia Wiesflecker nicht Bedenken, dass das Buch eines Tages ausgedient hat und Lesestoff nur mehr digital verfügbar sein wird? „Nein! Ich kann es mir nicht vorstellen. Es wird wie schon heute beides geben. Und das ist auch gut so. So kann man sich aussuchen, wie man seinen Lesestoff konsumieren möchte.“

Und wäre für sie ein Leben ohne Bücher denkbar? „Um Gottes Willen, das wäre entsetzlich! So weit würde ich es nie kommen lassen, da steige ich auf die Barrikaden. Denn Lesen bedeutet nicht nur Unterhaltung, sondern auch Bildung, erweitert den eigenen Horizont, ermöglicht Toleranz sowie Akzeptanz – für mich alles Notwendigkeiten, damit Gesellschaft funktioniert!“

Werbung