Herz in Winklarn verloren. Integration / Die gebürtige Rumänin Maria Steinkellner rief als erste Unternehmerin in Niederösterreich 2008 eine Vermittlungsagentur für 24-Stunden-Betreuung ins Leben.

Von Doris Schleifer-Höderl. Erstellt am 05. August 2014 (07:01)
NOEN, Doris Schleifer-Höderl
Maria und Josef Steinkellner sind ein eingespieltes Team: "Wir waren noch keinen einzigen Tag von einander getrennt!"

„Das Mostviertel ist eine herrliche Region, da fühle ich mich zuhause“, berichtet die gebürtige Rumänin Maria Steinkellner den NÖN. Sie kam vor elf Jahren nach Österreich. In ihrer Heimatstadt Bocsa in der Nähe von Temeschwar war die heute 53-Jährige Personenbetreuerin und Mutter eines erwachsenen Sohnes bei der Caritas. „Ich habe schon immer gerne mit älteren Menschen gearbeitet. Getreu dem Spruch ‚einen alten Baum verpflanzt man nicht‘, war ich schon immer überzeugt, dass es wichtig ist, Menschen in den eigenen vier Wänden leben zu lassen und in vertrauter Umgebung zu pflegen.“

"Uns gibt's nur im Doppelpack"

Maria Steinkellner arbeitete in Zell am See, bevor sie schließlich nach Winklarn kam. Ihr heutiger Mann Josef suchte eine Betreuerin für seine demente Mutter und erfuhr durch einen Arbeitskollegen von Maria. „Wenn man so will, war es Liebe auf den ersten Blick“, meint Maria Steinkellner rückblickend. „Wir haben uns sofort verstanden.“ Ein Jahr später heirateten die beiden und waren seither keinen einzigen Tag voneinander getrennt. „Klingt kitschig“, wirft Josef Steinkellner ein“, „ist aber wahr. Uns gibt’s nur im Doppelpack!“ Maria, die ihren Beruf liebt, wollte auch in Zukunft nicht untätig sein und so kam ihr gemeinsam mit Josef die Idee, eine Vermittlungsagentur für 24-Stunden- Personenbetreuung zu gründen. Wie sich herausstellen sollte, ein Novum. Maria Steinkellner war 2008 die erste Unternehmerin in Niederösterreich, die eine private Rund-um-die-Uhr-Pflege ins Leben rief.„Darauf bin ich schon stolz“, erklärt sie rückblickend. „Noch stolzer war ich, als ich im Jänner des Vorjahres die österreichische Staatsbürgerschaft erhielt!“

Mittlerweile wurden von ihrem kompetenten Team, bestehend aus rumänischen Frauen mit guten Deutschkenntnissen, abgeschlossener Heimhelferprüfung und österreichischer Gewerbeberechtigung, rund 150 Klienten betreut. Maria Steinkellner kümmert sich um die Klienten, die sie an die Betreuerinnen vermittelt, und ist auch Ansprechperson für die Familien der in Österreich arbeitenden Frauen. „Ich habe immer für alle ein offenes Ohr. Es ist wichtig, dass sich alle gut aufgehoben fühlen. Für mich ist es das Schönste, wenn Klienten zu mir sagen, Frau Maria, bei euch fühle ich mich wohl!“

"Jeder von uns hat eine Lebensaufgabe"

Immer an ihrer Seite ist Ehemann Josef. „Wenn ich ihn nicht hätte, ich hätte das alles nicht geschafft! Die bürokratischen Hürden, bis ich endlich mein Unternehmen gründen konnte, werde ich nie vergessen. Wenn ich schon am Aufgeben war, hat Josef nicht locker gelassen und mir neuen Mut gegeben.“ Zwar macht Marias Arbeitstag mehr als acht Stunden aus und sie ist so gut wie immer telefonisch erreichbar, einen anderen Beruf könnte sie sich aber nicht vorstellen. „Jeder von uns hat eine Lebensaufgabe, bei mir ist es, älteren Menschen das Älterwerden daheim zu ermöglichen.“ Kraft für ihre verantwortungsvolle Tätigkeit schöpft die sympathische Wahlmostviertlerin, die für ihr Leben gerne Mostviertler Kost wie Bauernbratl mit Knödel und Sauerkraut isst, bei der Gartenarbeit. „Ich liebe Blumen und Pflanzen. Wenn ich draußen arbeite, vergesse ich gerne die Zeit!“ Dafür hat Maria auch ein wahres Paradies geschaffen, wo Rosen und Palmen großartig gedeihen und der Schwimmteich zur Abkühlung lockt.

Heimweh hat Maria schon lange nicht mehr, dafür sorgt ihr Josef und Winklarn. „Ich bin rundum glücklich. Ich habe einen großartigen Mann und wohne in einem wunderschönen Ort. Das ist einfach herrlich!“