„Wir werden überfahren“

Erstellt am 11. September 2012 | 00:00
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Web-Artikel 2859
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Bürger wehren sich / 400 Unterschriften wurden gegen die geplante Stilllegung des Bahnüberganges an der L6265 gesammelt. Initiative fordert Unterführung. ÖBB will Ersatzstraße.
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Anrainer Siegfried Gruber hat in einer privaten Initiative über 400 Unterschriften gesammelt. Julia Edermayr
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Von Julia Edermayr

ST. PETER/WOLFSBACH / „Die Ersatzstraße würde einen Umweg von 1,1 Kilometer bedeuten“, ärgert sich Siegfried Gruber. An der L6265 bei Kilometer 144,646 soll aus Sicherheitsgründen der Bahnübergang wegkommen. Mit über 400 Unterschriften hält Anrainer und Rechtsanwaltanwärter Gruber dagegen. „Wir fordern eine Unterführung.“ Die Bürgermeister Gerhard Wieser und Franz Sturm stehen hinter den Anrainern. „Für uns und die Gemeindebürger wäre diese Lösung optimal“, sagt Sturm. „Es dürfen allerdings keinerlei Kosten für die Gemeinde entstehen“, stellt Wieser fest.

Klar ist, da geht es um viel Geld. Bei einer Informationsveranstaltung seitens der ÖBB und des Landees Niederösterreich Ende Juni hieß es, eine Unterführung koste viermal so viel wie die Ersatzstraße. Der Bitte um einen Kostenvergleich seitens der ÖBB sei aber nie jemand nachgekommen.

„Das war eine reine 

„Das war eine reine Alibiveranstaltung!“, ärgert sich Gruber. „Die Adaptierung des bestehenden Wegenetzes in Form einer Ersatzstraße für den derzeit bestehenden schienengleichen Bahnübergang wurde gemeinsam mit dem Land NÖ ausgearbeitet“, sagt ÖBB Pressesprecher Christopher Seif. „Es handelt sich dabei um ein rund 700 Meter langes Straßenstück sowie eine Brücke über die Zaucha.“ Bei der Veranstaltung am 12. September werde auch die versprochene Kostenaufstellung vorgelegt. Rechtsanwaltanwärter Gruber ist skeptisch. „Zuerst hieß es, es würde nach Paragraph 20 abgehandelt, das heißt, die ÖBB zahle alleine, jetzt wurde auf Paragraph 48 umgesattelt. Das bedeutet, dass das Land die Hälfte mitzahlen muss. Die ÖBB will das Land einspannen!“ Denn die Sanierung der Brücke wäre eigentlich ein unabhängiges Projekt, das jetzt mitgenommen werde. „Die Kostenaufstellung, die wir jetzt angeblich für die Unterführung bekommen, kann nicht seriös sein! Denn ein Grundeigentümer würde, beim Bau einer Unterführung, seinen Grund kostenlos abtreten. Aber zu einer Kostenschätzung hat ihn nie wer befragt.“

„Was auszuführen ist, wird im Rahmen dieser eisenbahnrechtlichen Verhandlung entschieden werden“, sagt Seif. Am 12. September wird diese im Gasthaus Ott stattfinden - mit 30 Parteien, darunter Grundbesitzer entlang der etwaigen Ersatzstraße und Gemeinden. Gruber ist nicht betroffen. „Uns stört, dass wir einfach überfahren werden.“ Seine Kanzlei, „lindenhofer, luegmayer“, hat ein Mandat in diesem Fall.

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