Betrugsmasche Microsoft: Amstettner Polizei warnt. Um ein Haar wäre 85-jähriger Amstettner auf einen Betrüger hereingefallen, der sich als Mitarbeiter des Softwareriesen ausgab, um ihm seine Bankdaten zu entlocken.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 21. Januar 2021 (04:54)
Symbolbild
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Die Masche ist nicht neu, aber offenbar noch immer wirksam: „Ich bin ein Mitarbeiter von Microsoft. Sie haben Viren auf ihrem Computer, durch die andere Nutzer Zugang haben. Ich kann Sie entfernen!“

Betrüger rufen bevorzugt bei älteren Personen an, um sich auf diese Weise Zugang zu deren Computern und Daten zu verschaffen. „Meist schauen sie einfach das Telefonbuch durch und suchen nach Vornamen, die darauf hindeuten, dass es sich um ältere Personen handelt“, berichtet ein Amstettner Kriminalist.

Vor einigen Tagen hatten die Ganoven einen 85-jährigen Amstettner im Visier, der trotz seines hohen Alters technisch up to date ist und sogar ein Smartphone hat. Der Anrufer gab sich ganz klassisch als Mitarbeiter der Firma Microsoft aus und behauptete, den Computer seines Opfers von unerwünschten Viren reinigen zu wollen.

Der Amstettner schöpfte vorerst keinen Verdacht, sondern startete sein Gerät und lud auf Drängen des Anrufers auch eine Fernsteuer-Software herunter, die diesem Zugriff ermöglichte.

Rund drei Stunden dauerte das Telefonat und der 85-Jährige installierte die Software schließlich auch noch auf seinem Smartphone. Als der Anrufer dann aber noch verlangte, er solle seinen Pass fotografieren, wurde er stutzig.

Bankberaterin warnte Opfer vor Betrügern

Unter dem Vorwand, jetzt erst einmal etwas essen zu wollen, verließ er den Raum und rief seine Bankberaterin an. Die wurde sofort hellhörig und erklärte dem Amstettner, dass der Anrufer bestimmt ein Betrüger sei. Daraufhin schaltete der 85-Jährige Computer und Smartphone ab.

Die Bank sperrte indessen das Konto des Amstettners – gerade noch rechtzeitig, bevor die Betrüger sich Zugriff darauf verschaffen konnten. Die Beute wäre fett gewesen: Denn der Mann hat aufgrund eines kürzlich getätigten Wohnungsverkaufs noch rund 100.000 Euro am Konto.

Der Amstettner ging auch zur Polizei, um Anzeige zu erstatten. Und just als er mit einem Kriminalisten sprach, rief der angebliche „Microsoft-Mitarbeiter“ erneut an. „Er sprach zwar in einem etwas gebrochenen Deutsch, wirkte aber durchaus kompetent und glaubhaft. Es ist also nicht verwunderlich, wenn Leute diesen Betrügern auf den Leim gehen“, berichtet der Beamte.

Als der Anrufer mitbekam, dass der Amstettner die Polizei eingeschaltet hatte, legte er natürlich sofort auf. Die Nummer nachzuverfolgen ist praktisch unmöglich, weil der Anruf über Internettelefonie erfolgt. „Da gibt es irgendwo auf der Welt eine Art Callcenter, da sitzen die Leute und telefonieren. Bei dem Anruf waren im Hintergrund auch andere Gespräche zu hören“, sagt der Kriminalist.

Die Polizei warnt dringend davor, unbekannten Anrufern irgendwelche Daten bekannt zu geben oder ihnen Zugang zum Computer zu ermöglichen. „Wir gehen davon aus, dass in Amstetten wieder vermehrt Leute angerufen werden. Wenn sich also ein angeblicher Microsoft-Mitarbeiter meldet, dann am besten sofort auflegen“, sagt der Kriminalbeamte.