Bezirk Amstetten: Teuerung „für viele Menschen existenzbedrohend“

Erstellt am 17. Mai 2022 | 20:00
Lesezeit: 3 Min
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Marktleiterin Yurdagül Sahin weiß, wie wichtig es ist, beim Einkaufen von Lebensmitteln den Fokus auf das Wesentliche zu richten.
Foto: Ursula Oswald Öffentlichkeitsarbeit soogut-Sozialmärkte
Die Inflationsrate hat laut Statistik Austria einen Höchststand erreicht, mit 7,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Damit ist die Teuerung auf dem höchsten Wert seit 1981.
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Die Verbraucherpreise – darunter vor allem jene für Sprit und Haushaltsenergie – steigen weiterhin kräftig an. Die Politik diskutiert daher Maßnahmen, um vor allem Geringverdiener zu entlasten. Ein Lokalaugenschein im Amstettner soogut-Sozialmarkt zeigt, dass das auch dringend nötig ist.

Im soogut-Markt werden Lebensmittel, die der normale Handel aussortiert hat, die aber noch genießbar sind, sinnvoll verwertet und somit wird ein Beitrag zur Nachhaltigkeit geleistet. „Das ist aber für die meisten Kunden und Kundinnen nebensächlich. Für viele Menschen ist die Lage derzeit existenzbedrohend, es geht für sie ums Überleben“, weiß soogut-Geschäftsführer Wolfgang Brillmann. Im soogut-Markt gehen Menschen einkaufen, die an oder unter der Armutsgrenze leben und dadurch mit wenig Geld haushalten müssen.

„Hier kann ich günstig Lebensmittel einkaufen. Ich bin aber auch oft im Sozialmarkt St. Valentin. Auch, wenn einmal das Haltbarkeitsdatum überschritten ist, kaufe ich einwandfreie Lebensmittel, die ich zu Hause einfriere oder am selben Tag noch verarbeite“, erzählt eine Kundin des soogut-Marktes und deutet auf ihren vollen Einkaufswagen mit Nahrungsmitteln, wie Fleisch, Käse und diverse Kochutensilien. Die qualitativ einwandfreien Lebensmittel variieren von Tag zu Tag. Im soogut-Markt landen sie aufgrund von Ernteschäden, einer Überproduktion oder auch falschem Konsumverhaltens der Verbraucher.

„Was sie sich bei uns durch die günstigen Lebensmittel ersparen, hilft den Menschen dabei, sich anderes eher leisten zu können“, sagt Yurdagül Sahin, soogut-Marktleiterin in Amstetten. Die Kunden des Sozialmarktes sind bunt gemischt: „Mindestpensionistinnen, die ihr Leben lang gearbeitet haben und denen letztendlich zu wenig zum Leben bleibt, Alleinerzieherinnen, die aufgrund von Kinderbetreuung einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen, Menschen, die trotz Beschäftigung zu wenig verdienen, Einzelunternehmer, die im Zuge der Pandemie massive Einkommensverluste verzeichneten und ihre Selbständigkeit finanziell nicht mehr stemmen können, Menschen, die aufgrund ihres Alters oder Vorerkrankungen am Arbeitsmarkt unerwünscht sind, kinderreiche Familien und selbstverständlich auch Menschen, die krisenbedingt ihre Heimat verlassen mussten“, berichtet Yurdagül Sahin.

Preisanstieg bei Sprit, Lebensmitteln und Energie

Seit Beginn des Jahres 2020 agiert der soogut-Markt ohne Fördermittel von Land und AMS, weshalb Geldspenden für die Aufrechterhaltung des Standortes Amstetten von großer Bedeutung sind. „Besonders jetzt brauchen mehr Menschen denn je die Möglichkeit, günstige Lebensmittel kaufen zu können“, betont Brillmann. Die Stadt subventioniert den Markt jährlich mit 15.000 Euro.

Im Café, das im Markt integriert ist, können Passbesitzer von Dienstag bis Freitag von 10 bis 14 Uhr ein Mittagsmenü um 3 Euro erhalten. Für alle anderen wird das Mittagsmenü um 5 Euro angeboten. „Im Restaurant des soogut-Marktes können also jene Menschen, die nicht wissen, wie sie monatlich über die Runden kommen, auch günstig zu Mittag essen“, sagt die Marktleiterin.

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