Mehr Beratungen bei der Schuldnerberatung Amstetten

Erstellt am 17. Februar 2022 | 14:03
Lesezeit: 3 Min
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Ute Pölzgutter hilft Menschen beim Weg aus der Schuldenfalle.
Foto: NÖ Schuldnerberatung
Im Vorjahr suchten 779 Personen Hilfe bei der Regionalstelle der Schuldnerberatung NÖ. Durchschnittsverschuldung ist gesunken.
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Im vergangenen Jahr verzeichnete das dreiköpfige Team der Schuldnerberatung-Regionalstelle Amstetten, deren Klienten außer aus der Stadt Amstetten auch aus den umliegenden Gemeinden sowie aus St. Valentin, Ennsdorf, Waidhofen und dem Ybbstal kamen, 673 Beratungsgespräche. 197 davon waren Erstberatungen, 476 weitere Beratungen gliederten sich in Folge- und Abschlussberatungen sowie Wiederaufnahmen.

„Insgesamt haben wir 779 Personen betreut“, berichtet Regionalstellenleiterin Ute Pölzgutter. „Die Durchschnittsverschuldung ist dabei gegenüber 2020 von 67.400 Euro auf 55.486 Euro gesunken. Gründe für die Verschuldung waren Arbeitslosigkeit und die damit verbundene Einkommensverschlechterung, aber auch die Corona-bedingte Kurzarbeit.“ Aber auch Scheidung oder Trennung vom Partner und problematisches Konsumverhalten brachte Menschen finanziell in die Bredouille. Die Schuldnerberater haben auch 72 Schuldenregulierungsverfahren vorbereitet und 90 Gerichtstermine wahrgenommen.

Die Arbeit während der Pandemie gestaltete sich auch im zweiten Jahr sehr mühsam und zeitintensiv. „Wir haben während des Lockdowns auf Telefonberatungen umgestellt, persönliche Gespräche waren in dieser Zeit leider nicht möglich“, sagt Pölzgutter.

Negative Entwicklung: Der Ton wird rauer

Negativ ist der Expertin ein stetig rauer werdender Umgangston der Klienten aufgefallen. „E-Mails werden immer öfter kommentarlos ohne Anrede oder Gruß an uns geschickt. Es gibt auch Klienten, die versuchen, ihre Unterlagen oder Probleme auf uns abzuwälzen, indem sie zum Beispiel Unterlagen, ohne davor überhaupt mit uns gesprochen zu haben, in den Postkasten schmeißen oder beim mit uns vereinbarten Termin als einzige Unterlagen Erlagscheine mitnehmen und offensichtlich erwarten, dass wir sie einzahlen.“

Auch Mindestanforderungen, wie etwa das Ausfüllen eines Erhebungsbogens, damit die Schuldnerberatung überhaupt tätig werden kann, gehen nicht selten mit Beschimpfungen einher. „Seit wir die Klienten bitten, nach Möglichkeit allein zum Termin zu kommen, und den 3G-Nachweis kontrollieren, ist es noch schlimmer geworden. Dabei wollen wir ja nur helfen und beraten.“

Pölzgutter rechnet heuer mit einem weiteren Anstieg der Beratungen. „Schon aufgrund der seit 2021 geltenden Möglichkeit, sich in drei Jahren zu entschulden und auch mit der Chance, mit einer 0%-Quote herauszukommen. Aber auch hier sind gewisse Mindestanforderungen wie Meldepflichten und zumindest 25 Euro pro Monat an Treuhand-Kosten aufzubringen.“

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