Biochemiker im Interview zu Corona und Antikörpertests. Die Zeillerner Firma AL Diagnostic bietet Corona-Antikörpertests an. Der Biochemiker Alfred Langeder erzählt von Beobachtungen.

Von Daniela Führer. Erstellt am 27. Mai 2020 (04:56)
Biochemiker Alfred Langeder mit einem Coronavirus-Schnelltest, den es ab sofort bei seinem Unternehmen AL Diagnostic GmbH in Zeillern sowie im Online-Shop zum Preis von 25 Euro zu erwerben gibt.
Langeder

Seit der Vorwoche vertreibt die Zeillerner Firma AL Diagnostic GmbH des Stephansharter Biochemikers Alfred Langeder Corona-Antikörperschnelltests. Über Wochen wurden die aus Hongkong importierten Tests von dem Wissenschaftler auf ihre Gültigkeit hin evaluiert. Gut 40 Personen aus der Region - davon 14 nachweislich mit dem Corona-Virus Infizierte in Ardagger - wurden damit getestet. Über die spannenden Ergebnisse, die Schnelltests und für wen sich diese eignen, berichtet Alfred Langeder im Interview:

NÖN: Wie kam es dazu, dass Sie seit vergangenem Donnerstag Covid 19-Antikörperschnelltests (AK-Tests) zur Selbsttestung anbieten können?

Alfred Langeder: Unseren Test haben wir aus Hongkong aus der Produktion einer der besten Medizintechnikfirmen in China. Insgesamt hat es fast zwei Monate gebraucht, die Tests aus China heraus zu bekommen. Vorauskasse, Exportgenehmigung durch die chinesische Behörde, Transport und Importzoll haben sich in die Länge gezogen. Es war eine nervenaufreibende Warterei. Die Leute, die davon wussten, waren schon ungeduldig und dann hing auch noch das Damoklesschwert über uns, dass jemand Interesse daran haben könnte, solche Tests vielleicht doch nicht auf den Markt zu lassen. Tatsache ist aber, das sind CE-genehmigte Medizinprodukte, die genauso wie Blutzucker- und Schwangerschaftstest eine Zertifizierung haben und zur Selbstanwendung geeignet sind. Die AK-Tests werden von verschiedenen Seiten infrage gestellt, was ich schade finde, weil ich speziell unseren Test für sehr gut halte. Wir stehen übrigens keinesfalls in Konkurrenz zur behördlich verordneten PCR Testung, die in der akuten Erkrankung den Viruspartikel direkt nachweist!

Sie haben für die Evaluierung der Tests auch Personen aus Ardagger getestet. Wie lief das ab?

Langeder: Wir haben in Ardagger ja relativ viele positiv getestete Personen. Da haben wir zunächst persönlich welche angesprochen, ob sie bei der Evaluierung mitmachen wollen. Manche sind auch von selbst zu uns gekommen. Kontrolliert haben wir etwa 40 Tests gemacht, 14 mit nachweislich auf Covid-19 positiv getesteten Personen, von denen sich eine nicht evaluieren ließ. Das heißt, die Person hat auch bei einem Doppeltest keine Antikörper gezeigt. Das kann neben einer klassischen Ungenauigkeit des Tests auch verschiedene andere Gründe haben. Wir evaluieren ja an Ergebnissen, die selbst auch schon eine Unschärfe hatten. Der Bereich, in dem sich der AK Titer bei der Covid-19 Erkrankung zeigen kann, ist noch zu wenig erforscht. Wir sind in der Biologie, und so unterschiedlich die acht Milliarden Individuen auf der Welt nach außen hin aussehen, so unterschiedlich sind sie auch innen drinnen. Wir können jetzt aber aufgrund unserer bisherigen Beobachtungen sagen, der Test ist zu 93 Prozent genau und zu nahezu 100 Prozent sensitiv.

Welche Erkenntnisse haben Sie noch bei den Tests gewonnen?

Langeder: Meine bisherigen Beobachtungen zeigen, dass unerwartet wenige Menschen Antikörper haben. Wir haben aus den Evaluierungstests nur einen Treffer mit unerwartet positiven Antikörpern. Im Umfeld der Covid-19 „positiven“ Familien haben sich offensichtlich sehr wenige unbemerkt angesteckt. Selbst Kinder mit sehr engem Elternkontakt, bei denen SARS-Cov-2 diagnostiziert wurde, hatten zum Beispiel keine Antikörper. Darüber bin ich als Biochemiker schon überrascht. Bei langen Gesprächen mit PCR-positiv getesteten Personen bekam ich auch Hinweise zur Infektiösität. Dazu möchte ich aber nicht zu viel sagen, weil das nur ein Eindruck und meine Meinung ist. Ich denke, wir werden in der Zukunft noch viele interessante Erkenntnisse gewinnen, was die Intensität und die Zeitspanne einer Infektiösität betrifft.

Wie funktioniert euer Antikörper-Selbsttest?

Langeder: Der Test ist zur Eigenanwendung geeignet und funktioniert ähnlich wie eine Blutzuckermessung. Über einen Stich in den Finger entnimmt man eine Blutprobe und über die Testkassette hat man in zehn bis 15 Minuten ein Ergebnis.

Für wen ist der Test gedacht?

Langeder: Für all jene, die Gewissheit haben wollen. Findet ein Anwender bei sich Antikörper, war er ziemlich sicher mit dem Virus in Kontakt, auch wenn er keine oder geringe Symptome hatte. Darüber hinaus kann man aber noch nichts sagen. Selbst wenn man Antikörper entdeckt, heißt das nicht, dass man jetzt immun ist. Das wird die Zukunft zeigen. Menschen, die überzeugt waren, sie hätten das Virus bereits gehabt, aber jetzt keine Antikörper haben, denen kann man dann „als Trost“ zumindest sagen: So kannst du wenigstens auch niemanden angesteckt haben.

Wie viele Tests haben Sie?

Langeder: Wir haben 1.000 Stück gekauft, und nach der Evaluierung gleich nachbestellt. Die Tests werden über unseren Webshop stark nachgefragt. Im Moment kann es sein, dass sie in ein paar Tagen weg sind.