Verena Zeiner: Zwischen den Schubladen. Die gebürtige Zeillernerin Verena Zeiner (37) über ihr neues Album und den NÖ Kulturpreis.

Von Peter Führer. Erstellt am 28. Oktober 2020 (04:22)
Die Pianistin Verena Zeiner wird Anfang November den NÖ Kulturpreis 2020 erhalten. Vor Kurzem veröffentlichte sie ihr zweites Solo-Album.Ina Aydogan

NÖN: Unter dem Titel „No Love Without Justice“ haben Sie Ihr bereits zweites Soloalbum veröffentlicht. Wie würden Sie Ihre Musik beschreiben?

Verena Zeiner: Musikalisch komme ich eigentlich aus einem Jazz-Umfeld. Ich habe Jazzklavier studiert und Real-Time-Composition, mich pianistisch aber auch immer mit Klassik beschäftigt. Und die Musik, die ich höre, ist stilistisch sehr vielfältig. Ich arbeite auch viel mit Bewegung und Tanz – und alles zusammen beeinflusst meine Musik. Das wichtigste Merkmal ist vielleicht, dass Improvisation immer eine große Rolle spielt.

In Ihrem neuen Album geht es um die „Möglichkeiten und Unmöglichkeiten der Liebe“. Was darf man sich darunter vorstellen?

Zeiner: „No Love Without Justice“ ist sehr stark geprägt von einer intensiven Phase der Auseinandersetzung mit dem Thema Liebe: Was ist das überhaupt? Wie kann Liebe zwischen Menschen entstehen und wachsen? Und zwar im weitesten Sinne: Liebe zwischen Eltern und Kindern, zwischen Freund*innen, und natürlich auch in Paarbeziehungen. Es ist ein sehr vielschichtiges Thema, das auch viele Missverständnisse mit sich bringt. Ganz oft halten wir etwas für Liebe, was eigentlich gar nichts mit Liebe zu tun hat, und wir bemerken es lange nicht. Ich habe viel gelesen in der Zeit und mir viele Gedanken gemacht.

Und wie lautet Ihr Fazit?

Zeiner: Ein Fazit ist, dass Liebe zwischen Menschen eigentlich nur entstehen kann, wenn eine Grundvoraussetzung gegeben ist. Und zwar, dass sie einander auf Augenhöhe und mit Respekt begegnen, sich vollkommen gleichwertig und gleichberechtigt ansehen. Und während dieser Auseinandersetzung mit dem Thema habe ich viel Musik komponiert und auch das Album aufgenommen. So entstand musikalisch der Bezug dazu.

Welche Instrumente sind beim Album zu hören?

Zeiner: Ich spiele selbst hauptsächlich Klavier. Aber ich habe Konzertprogramme, die elek tro-akustisch angelegt sind. Das heißt, ich mische das Klavier mit elektronischen Elementen, die ich durch den Einsatz von Piezomikrophonen (die auf Vibrationen reagieren) und diversen Effekten live erzeuge.

Was inspiriert Sie?

Zeiner: Vieles! Vor allem auch vieles außerhalb der Musik: Literatur jeglicher Richtung, Malerei, Begegnungen mit Menschen oder ihre Biografien et cetera. Und das Leben an sich natürlich.

Anfang November werden Sie mit dem NÖ Kulturpreis ausgezeichnet. Waren Sie überrascht und was sagen Sie zu dieser Auszeichnung?

Zeiner: Ja, ich war überrascht. Ich freue mich natürlich über die Auszeichnung. Ich gehe meinen Weg ja eher zwischen den Schubladen, bin nicht so leicht zu verorten. Und seit einiger Zeit mache ich das noch bewusster, weil es eben der Weg ist, der mich persönlich am meisten erfüllt. Weil es meine Art und Weise ist Musik zu leben. Die Auszeichnung bestärkt auch dahingehend.

Wie hat sich die aktuelle Coronakrise auf die Künstler ausgewirkt? Inwiefern waren Sie von Veranstaltungsabsagen betroffen? Ist die Krise auch thematisch bei Ihren Liedern ein Thema?

Zeiner: Um ehrlich zu sein, hat mir der Stillstand – trotz aller Herausforderung – auch gut getan. Ich habe Zeit gefunden, mich in dem Ganzen wieder neu zu orientieren, durchzuschnaufen und kreativ zu arbeiten. Das ging beziehungsweise geht in meinem Fall aber nur, weil ich existenziell durch meine Unterrichtstätigkeit an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien eine gewisse Sicherheit habe. Viele meiner Kollegen und Kolleginnen finden sich in einer sehr schwierigen Situation wieder. Die Auswirkungen der Coronakrise sind enorm und das wird sich so schnell nicht ändern. Momentan ist Flexibilität gefordert. Vieles kommt kurzfristig und wird auch kurzfristig abgesagt. Ich kenne auch viele, die wirklich um ihre Existenz bangen.