Erstellt am 13. Juli 2015, 08:40

von Hermann Knapp

Drei Bankenstellen vor dem Aus. Raiffeisenbank Region Amstetten schließt 2016 Filialen in Stephanshart, Viehdorf und Oed.

Raiffeisenbankdirektor Andreas Weber und Obmann Hans Luger verkündeten die Schließung von drei Bankstellen im Bezirk  |  NOEN, Wagner, Archiv
Am Montag der Vorwoche gab die Raiffeisenbank Region Amstetten in einer Pressekonferenz die Schließung der Bankstellen in Oed, Stephanshart und Viehdorf mit 1. Jänner 2016 bekannt. Die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden wurden erst etwa eineinhalb Stunden zuvor von der Geschäftsleitung der Bank über den Schritt informiert.

„Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt"

Zumindest in Oed und in Viehdorf kursierten zuvor aber schon Gerüchte darüber. „Das ist alles andere als erfreulich. Wir wurden aber letztlich vor vollendete Tatsachen gestellt. Wichtig war uns dann, dass wir zumindest die Bankomaten erhalten. Denn eigentlich sollten auch die nicht bleiben“, berichtet Öhlings Ortschefin Michaela Hinterholzer.

Dass junge Menschen kaum noch am Bankschalter Geschäfte tätigen, ist ihr klar. Vor allem für ältere Gemeindebürger sei es aber wichtig, dass sie weiterhin die Möglichkeit hätten, im Ort Bargeld abzuheben. Da die Bankstelle ohnehin im Gemeindehaus untergebracht ist, könnte der Bankomat wohl auch dort stationiert bleiben.

Bürgermeister Franz Zehethofer ortet in Viehdorf eine „tiefe Betroffenheit“ über diesen Schritt der Raiffeisenbank. „Damit geht uns natürlich auch wieder ein Stück Nahversorgung verloren. Mir ist klar, dass viele Leute schon Telebanking machen, aber die ältere Generation noch nicht. Und wenn die Leute künftig nach Amstetten zur Bank fahren müssen, dann werden sie dort auch gleich einkaufen, was wiederum unseren Nahversorger trifft.“

Dass der Bankomat erhalten bleiben soll, ist für den Ortschef zumindest ein kleiner Trost. Ein neuer Standort wird gesucht. Infrage käme auch das Gemeindehaus. „Denn die Bankstelle will die Raiba verkaufen. Dort kann er also nicht bleiben“, sagt Zehethofer. Er rät der Bank, sich um ihre Kunden zu bemühen: „Es wäre gut, wenn sie älteren Bürgern kleine Schulungen anbietet, wie man richtig und sicher mit Telebanking arbeitet“.

„Das bedeutet Verlust einer Institution“

Ardaggers Bürgermeister Hannes Pressl hat laut eigener Aussage tatsächlich erst eineinhalb Stunden vor der Pressekonferenz von der Schließung der Bankstelle in Stephanshart erfahren.

„Das bedeutet für den Ortsteil den Verlust einer Institution. Da sperrt nicht irgendwer zu, sondern eine Bankstelle, die im Ort Geschichte hat, zu deren Mitarbeiter jahrzehntelang viele Menschen höchstes Vertrauen aufgebaut haben, die so nebenher Kommunikationsstelle war und ist und die trotz Internet-Banking von zu Hause aus für viele sogar „Orientierungspunkt” im Ort ist“, erklärt der Bürgermeister.

Der Erhalt zumindest des Bankomats sei nicht nur für die Bürger, sondern auch für die örtliche Wirtschaft wichtig. „Denn beim Bäcker und beim Gasthaus zahlt man noch bar und das Geld soll man vor Ort abheben können.“

Pressl will Gespräche mit dem Vermieter der Bankstelle führen, ob der Bankomat nach deren Schließung dort verbleiben kann. „Wenn nicht, müssen wir einen anderen Standort suchen.“ Für die entstehenden Kosten zur Aufstellung der Bankomaten (Adaptierung, Miete) müssen die Gemeinden aufkommen.

Direktor Weber sieht keine Alternative zur Schließung

Für Direktor Andreas Weber ist der Ärger der Bürgermeister zwar verständlich, eine Alternative zur Schließung der drei Bankstellen gäbe es allerdings nicht. „Die verschärften gesetzlichen Auflagen, der Wettbewerbsdruck durch Online- und Direktbanken, das dauerhafte Niedrigzinsniveau und das massiv veränderte Kundenverhalten stellen die Bankenlandschaft allgemein vor große Herausforderungen“, betont er.

Im Sinne eines gesunden Unternehmens und einer weiterhin erfolgreichen Regionalentwicklung müsse man darauf reagieren. Die drei Bankstellen seien deshalb ausgewählt worden, weil es dort jetzt schon eingeschränkte Öffnungszeiten gab. Außerdem habe eine Kundenstromanalyse ergeben, dass die beruflichen und privaten Wege des Großteils der dortigen Banknutzer sie täglich oder wöchentlich an einer der danach noch 15 verbleibenden Bankstellen vorbei führe, wo sie Finanzdienstleistungen in Anspruch nehmen könnten.

Dass die drei Bankstellen nur der Anfang einer Schließungswelle sein könnten, verneint Weber ausdrücklich. „Für die nächsten drei Jahre ist keine Auflösung weiterer Filialen geplant.“ Was danach sei, könne man derzeit noch nicht sagen, das hänge auch von der wirtschaftlichen Entwicklung ab.

Für die Bankstelle in St. Georgen am Ybbsfelde gibt es im Falle einer Fusion übrigens weiterhin eine zehnjährige Bestandsgarantie: „Wenn sie sich am 15. Juli dafür entscheiden, dann gilt dieses Angebot. Zu einem späteren Zeitpunkt kann ich das allerdings nicht mehr garantieren“, sagt Weber.

Weniger Personal- und Infrastrukturkosten

Die Raiffeisenbank erspart sich durch die Schließung der drei Bankstellen sowohl Infrastruktur- als auch Personalkosten. „Es werden zwar alle Beschäftigten übernommen, dafür aber Teilzeitkräfte, die in nächster Zeit in Pension gehen, nicht mehr nachbesetzt.“

Die Bankomaten in den drei Ortschaften werde man Ende 2017 noch einmal evaluieren. Ein derartiges Gerät kostet 22.000 Euro, der Betrieb im Jahr rund 10.000 Euro (Internet-, Befüllungskosten etc.) „Damit es sich rechnet, müssten jährlich rund 40.000 Behebungen getätigt werden“, sagt Weber.

Auf jeden Fall schnürt die Raiffeisenbank für die betroffenen rund 3.000 Kunden der Bankstellenschließungen derzeit gerade Pakete und Umstiegsszenarien. Sie können sich aussuchen, in welcher Filiale sie künftig betreut werden wollen und müssen sich auch nicht von ihrem vertrauten Betreuer trennen, da alle Mitarbeiter ja Teil des Teams bleiben.

„Die kompetente Betreuung unserer Kunden und Kundinnen in der Nähe ihres Wohnortes ist uns nach wie vor ein großes Anliegen“, sagt Weber. „Selbst dort, wo wir Geschäftsstellen schließen, ist die Nahversorgung gesichert, da umliegende Standorte maximal fünf Kilometer entfernt sind.“ Mit 15 Bankstellen habe die Raiffeisenbank Region Amstetten noch immer das dichteste Filialnetz aller Geldinstitute im Bezirk.