Kritik: Jedermann. Hugo von Hofmannsthals altertümelndes Werk ist eine Niederlage.

Von Thomas Jorda. Erstellt am 08. September 2014 (15:13)
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Jahrzehnte bestaunen es die Reichen und Mächtigen bei den Salzburger Festspielen und lernen nichts. Regisseur Anselm Lipgens gibt jetzt uns die Chance.

Er führt das – aus Profis und Amateuren gemischte – exzellente Ensemble ausdrucksstark und pointenreich über die von Diana Auer beeindruckend gestaltete Bühne. Die Allegorien sind allesamt weiblich, die Tödin (Alice Schneider), irrlichtert spekulativ halb nackt durch das Geschehen. Die Teufelin (Alexandra-Maria Timmel) bricht äußerst dynamisch durch den Boden, die Mammon (Anna Hasenöhrl) scheppert mit sehr viel Gold. Oliver Huether steht überzeugend seinen Jedermann. Nicole Rest-Lankmayer ist eine Buhle zum Schwachwerden.

Fazit: Eine gelungene Interpretation, auch wegen der weiblichen Deutungshoheit der Allegorien.